Moritz Jenz vom VfL Wolfsburg

AUDIO: VfL Wolfsburg will noch Spieler abgeben (1 Min)

Stand: 27.08.2026 13:42 Uhr

Der Start in die neue Saison ist für Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg mit vier Punkten aus zwei Zweitliga-Partien und dem Einzug in die zweite Pokalrunde geglückt. Doch während Trainer Tobias Strobl mit der neu formierten Mannschaft an einer erfolgreichen Zukunft arbeitet, bereiten Sport-Geschäftsführer Dieter Hecking noch „Altlasten“ Sorgen. Er muss den aufgeblähten Kader ausdünnen.

Wer zu spät kommt – den bestraft nicht immer nur das Leben, sondern manchmal auch die Deutsche Bahn. Jedenfalls in Wolfsburg. Und zwar ab dem 2. Oktober. Dann nämlich werden am Hauptbahnhof der Stadt Sanierungsarbeiten vorgenommen. Für Fernreisende heißt es bis zum 12. Dezember: „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo.“

Bis dahin sollen ein paar Profis des ortsansässigen Fußball-Zweitligisten Wolfsburg längst verlassen haben. Egal ob mit dem Auto (bietet sich in der Autostadt an) oder eben dem Zug. Denn das Aufgebot des Erstliga-Absteigers ist mit 34 Profis zu groß – und selbst für den dank der VW-Millionen nicht knausrigen VfL zu teuer.

Eine Fußballtabelle vor eine Fußballmotiv

Ergebnisse, Tabellenstände und die Spieltage im Überblick.

Bis zur Schließung des ersten Transferfensters, dem sogenannten „Deadline Day“, am kommenden Dienstag würde Hecking gerne noch den einen oder anderen Spieler von der Gehaltsliste kriegen. Im Falle von Kamil Grabara ist dem 61-Jährigen dies schon gelungen. Der polnische Nationalkeeper wurde am Mittwoch an Juventus Turin verliehen. Nun sollen weitere prominente Namen, die bei den „Wölfen“ keine Zukunft mehr haben oder selbige für sich anderswo sehen, folgen.

Jenz und Vavro vor Absprung – Was wird aus Amoura?

Ganz oben auf der Liste der abwanderungswilligen Spieler stehen die Innenverteidiger Moritz Jenz und Denis Vavro. Dem Vernehmen nach haben sie dem VfL signalisiert, den Verein verlassen zu wollen. Seitdem sind sie vom Mannschaftstraining ausgeschlossen. Auch der Brasilianer Cleiton Santana dos Santos, ein weiterer Mann fürs Abwehrzentrum, könnte den Werksclub nach nur knapp neun Monaten wieder den Rücken kehren. Die Bilanz des 23-Jährigen im VfL-Dress bisher: null Pflichtspiel-Minuten.

Der zuletzt bereits verliehene Belgier Aster Vranckx sowie der Algerier Mohamed Amoura dürfen anders als Jenz und Varo zwar mit dem Team mittrainieren, sitzen aber ebenfalls auf gepackten Koffern. Beide dürfen bei entsprechenden Angeboten gehen.

Noch aber mangelt es offenbar an entsprechenden Offerten. Im Falle von Amoura soll Medienberichten zufolge nun Bundesliga-Aufsteiger FC Schalke 04 Interesse haben. Fraglich allerdings ob sich die „Knappen“ in Anbetracht ihrer beschränkten Mitteln den Wolfsburger Großverdiener leisten können.

Wolfsburgs Mohamed Amoura

Wolfsburgs Mohamed Amoura soll von Schalke 04 umworben werden.

Für den 26-Jährigen könnte es aber auch in Richtung Orient gehen. Gerüchteweise sollen Clubs aus Saudi-Arabien über eine Verpflichtung des Stürmers nachdenken. Die bestimmt nicht geringe Ablöseforderung des VfL für ihn wäre für diese Vereine kein Problem. Wolfsburg soll 2024 fast 15 Millionen Euro für Amoura an Union Saint-Gilloise überwiesen haben. Und auch wenn sein Marktwert gesunken ist: Verschenken wird der Zweitligist den Algerier natürlich nicht.

Hecking erwirtschaftet dickes Transfer-Plus

Zumal auch beim VfL inzwischen hin und wieder auf die Kontoauszüge geschaut werden muss. Denn Clubeigner VW ist bekanntlich in einer ziemlich misslichen wirtschaftlichen Lage. Die Zeiten, in denen der VfL nahezu mit vollen Händen Geld ausgeben konnte, sie scheinen erst einmal vorbei. Da trifft es sich gut, dass Sport-Geschäftsführer Hecking sich in der aktuellen Transferphase erfolgreich als Verkäufer verdingt.

Acht Akteure hat der vormalige Wolfsburger Coach bereits gegen Bares abgegeben oder verliehen. Bei sieben weiteren Spielern waren die Arbeitspapiere ausgelaufen. Sie gingen ablösefrei. Für die neun externen Zugänge musste Hecking zwar auch den einen oder anderen Euro vom Festgeldkonto nehmen.

Doch Stand jetzt hat der Bundesliga-Absteiger schon allein wegen des Wechsels von Dzenan Pejcinovic zum VfB Stuttgart, der Medienberichten zufolge 25 Millionen Euro in die Kasse spülte, sowie der Transfers von Konstantinos Koulierakis zur AS Rom (knapp 17 Millionen) und Patrick Wimmer zur TSG Hoffenheim (zehn Millionen) ein dickes Plus gemacht.

Neuer VfL zeigt schon viel Mentalität

„Geiz ist geil“ heißt es deswegen zwar nicht bei den „Wölfen“, kamen doch Spieler wie Fabian Reese (Hertha BSC) oder Alexander Bernhardsson (Holstein Kiel) nicht zum Nulltarif an den Mittellandkanal. Aber insgesamt wurde erstmals seit vielen Jahren mit Augenmaß beim VfL gehandelt.

Hecking und Strobl setzten bei der Zusammenstellung des Kaders auf Akteure, die fußballerische Qualität und Mentalität bereits hinlänglich unter Beweis gestellt haben. Nachdem zu Bundesliga-Zeiten stets die individuelle Klasse ausschlaggebend für Transfers war, wurde nun auch beim Charakter genau hingeschaut.

Bislang geht die Rechnung auf. Das neu formierte Team zeigte in der Liga gegen Kaiserslautern (0:0) und bei Hannover 96 (1:0) spielerisch zwar recht dünne, dafür aber kämpferisch überzeugende Vorstellungen. Und im DFB-Pokal zog der VfL nach dreimaligem Rückstand beim Regionalligisten VSG Altglienicke im Elfmeterschießen noch in Runde zwei ein.

Karlsruher SC als Gradmesser für Formstärke

Am Sonnabend (13 Uhr, im Livecenter bei NDR.de) steht nun mit der Partie beim Karlsruher SC die nächste knifflige Aufgabe auf dem Programm. Die Badener sind ebenfalls mit vier Zählern in die Saison gestartet und haben auch einen größeren Umbruch hinter sich. Kleiner Unterschied zum VfL: Der Kader hat mit 25 Spielern – im Vergleich zu Wolfsburgs 34 – eine standesgemäße Größe.

Karlsruher SC: Bernat – S. Jung, Kobald, M. Franke, Ofli – Pinto Pedrosa, Zor, Wanitzek, Egloff – Eichinger, Broschinski
VfL Wolfsburg: Zielinski – Maehle, Wahl, Adjetey, Kumbedi – Vinicius Souza – Damar, Rexhbecaj – Bernhardsson, Reese – Shiogai

Wolfsburger Jubel nach dem Sieg im Elfmeterschießen

DFB-Pokal

Bundesliga-Absteiger VfL Wolfsburg setzte sich am Montagabend nach einem packenden Pokalfight erst nach Elfmeterschießen beim Viertligisten VSG Altglienicke durch.

VfL Wolfsburg: Yannick Gerhardt, Maximilian Arnold, Muhammed Damar, Fabian Reese (v.l.)

2. Bundesliga

Noch zeigt der VfL Wolfsburg in der 2. Bundesliga längst nicht alles, was viele von ihm erwarten. Aber der Sieg bei Hannover 96 zeigt: Da wächst etwas zusammen.