Eine Haltung, die den europäischen Hersteller durchaus nicht fremd ist, wie erste Kooperationen zeigen. Etwa die von Leju Robotics mit Schaeffler. Sie zielt auf konkrete industrielle Anwendungen und die Weiterentwicklung von Robotern ab. 

Die Strategie, die sich daraus abzeichnet, heißt technologische Souveränität statt Masse – und ruht auf drei Säulen.

Die erste Säule: Zertifizierung und Regulierung. Viele chinesische Hersteller können ihre Systeme derzeit nicht ohne Weiteres in Europa vermarkten, weil sie die jeweils erforderlichen Konformitäts- und Sicherheitsanforderungen nicht erfüllen – ein Vorteil, den europäische Anbieter aktiv ausspielen. „Wir erfüllen als deutscher Hersteller praktisch alle relevanten Normen und sind TÜV-zertifiziert. Nicht alle chinesischen Hersteller sind das – und dürfen deshalb in Europa gar nicht verkaufen“, bestätigt Zakharova von Franka Robotics. Auch die Datenfrage spielt hinein: Während zahlreiche chinesische Modelle Telemetriedaten ungefiltert ins Ausland senden und damit potenziell gegen DSGVO und EU AI Act verstoßen, punkten europäische Systeme mit Datenschutz „out of the box“.

Die zweite Säule: der Fokus auf Cobots statt auf Allzweck-Humanoide. Statt mit China um billige Massenware zu konkurrieren, positioniert sich Europa im Markt für kollaborative Roboter, die sicher und unmittelbar neben Menschen arbeiten. NEURA Robotics aus Metzingen etwa setzt auf eine „Sensor-Haut“, die gefahrlose physische Interaktion ermöglichen soll, und kooperiert mit Industriepartnern wie HD Hyundai im Schiffbau oder Bosch in der Automobilzulieferung. 

Auch aus Österreich gibt es erste Antworten: Iono Robotics hat mit „Workmate“ einen humanoiden Arbeits-Roboter entwickelt, der für körperlich belastende Tätigkeiten vorgesehen ist. Getestet wird der Einsatz derzeit gemeinsam mit heimischen Industrieunternehmen. Iono Robotics ist eines von nur rund 20 europäischen Start-ups im Bereich humanoider Robotik und stammt aus Linz.

Auch das Schweizer Start-up Flexion Robotics, das Software statt eigener Hardware entwickelt, setzt auf diese Karte: Das Unternehmen liefert Steuerungssoftware an europäische und amerikanische Roboterbauer und arbeitet an ersten Proof-of-Concepts in Logistik und Produktion, etwa beim automatisierten Bewegen von Kisten, so ein Mitgründer im Gespräch. Die Entwicklung in Europa verlaufe zwar langsamer als in China oder den USA, vor allem wegen geringerer Finanzierung – doch spezialisierte Ökosysteme etwa im Raum Zürich holten sichtbar auf. Der aktuelle chinesische und amerikanische Vorsprung habe in Europa inzwischen für einen regelrechten „Weckruf“ gesorgt. 

Die dritte Säule: die regulatorische Doppelrolle von EU AI Act und der ab 20. Jänner 2027 geltenden neuen Maschinenverordnung. Humanoide und kollaborative Roboter mit direktem Personenkontakt dürften künftig als Hochrisiko-KI-Systeme eingestuft werden und damit strengen Pflichten unterliegen – Konformitätsbewertung, technische Dokumentation, Registrierung in einer EU-Datenbank, Nachweis geschulten Personals. Verstöße gegen diese Auflagen können empfindliche Millionenstrafen nach sich ziehen. 

Was auf den ersten Blick wie eine Innovationsbremse wirkt, lässt sich auch als Vertrauensvorschuss lesen: Anbieter wie NEURA Robotics oder der spanische Hersteller PAL Robotics liefern bereits CE-zertifizierte Systeme, die europäischen Industriekunden Rechtssicherheit geben, wo chinesische Konkurrenz sie noch nicht bieten kann. Auch Ding sieht die regulatorischen Bemühungen keineswegs als Hemmnis, im Gegenteil: Für ihn sind sie die Chance auf eine Vorreiterrolle Europas. Die Region verfüge über tiefe Erfahrung mit industrieller Sicherheit und Qualitätsmanagement – eine Kompetenz, die für verkörperte KI global wertvoll werden könnte, ähnlich der Rolle, die die GSMA einst für globale Mobilfunkstandards spielte.