Den 2. November 2019 werden alle Fans des 1. FC Union Berlin niemals vergessen. Erst recht nicht diejenigen, die an diesem Tag im Stadion An der Alten Försterei waren. Im ersten Bundesliga-Derby gegen Hertha BSC siegten die Köpenicker mit 1:0. Sebastian Polter, zehn Minuten vor Ende der regulären Spielzeit erst eingewechselt, erzielte mit einem verwandelten Strafstoß in der 90. Minute den spielentscheidenden Treffer.
Sieben Jahre ist das bald her, es war gleichzeitig das letzte Tor von Polter im Union-Trikot. Über Fortuna Sittard, Bochum, Schalke und Braunschweig zog es ihn zuletzt zu Partizan Belgrad nach Serbien. Dort ist nach einem halben Jahr aber schon wieder Schluss. Am Donnerstag verkündete Oberligist SV Wilhelmshaven die Verpflichtung des inzwischen 35-Jährigen – als Spielertrainer.

Torhüterduell
„Ich will im Tor bleiben!“ – Raab erneuert bei Union Kampfansage an Rönnow
Für Polter ist die Rückkehr in den Norden Deutschlands eine Herzensangelegenheit. Weit bevor er Union mit damals neun Toren in die Fußball-Bundesliga geführt hatte, begann er seine Karriere in Wilhelmshaven.
„Ich habe in meiner Karriere viele Vereine kennengelernt und zahlreiche Gespräche geführt. Deshalb kann ich sehr gut einschätzen, wenn ein Klub professionell arbeitet und eine klare Vorstellung von seiner Zukunft hat. Genau dieses Gefühl hatte ich vom ersten Gespräch mit den Verantwortlichen des SV Wilhelmshaven an. Der Verein ist auf dem richtigen Weg und hat mir überzeugend aufgezeigt, was hier in den kommenden Jahren entstehen soll. Ansonsten wäre ich nicht hier“, sagte Polter bei seiner Vorstellung.
Wilhelmshaven ist makellos gestartet
Künftig soll er gemeinsam mit dem bisherigen Trainer Bi Le Tran die Geschicke leiten. Der gebürtige Vietnamese hatte die Mannschaft erst in diesem Sommer übernommen und aus den ersten drei Ligaspielen drei Siege geholt. Darüber hinaus hatte sich die Mannschaft im Landespokal Niedersachsen für die nächste Runde qualifiziert.
„Als ich von der Möglichkeit gehört habe, Sebastian zu verpflichten, war ich sofort Feuer und Flamme. Wir sind mit der bisherigen Arbeit von Bi Le Tran sehr zufrieden und gewinnen mit Sebastian nun zusätzlich einen Mann, der seine Erfahrung aus mehr als 15 Jahren im Profifußball einbringen kann. Beide werden künftig gemeinsam und auf Augenhöhe die sportlichen Geschicke des SV Wilhelmshaven führen“, ließ sich Dr. Hans Herrnberger, Vorstand des SV Wilhelmshaven, in einer Pressemitteilung zitieren.

Zuletzt war Sebastian Polter (r.) für Partizan Belgrad am Ball.
© IMAGO/Srdjan Stevanovic ©
Das Ziel des Klubs ist eindeutig formuliert: Am Saisonende soll der Aufstieg in die Regionalliga Nord und damit die Rückkehr in den semiprofessionellen Fußball gelingen. „Ich bin wahnsinnig heiß darauf, auch abseits des Platzes Dinge anzuschieben, Abläufe weiter zu professionalisieren und dabei zu helfen, den SVW wieder zu einer echten Marke mit Strahlkraft für die gesamte Region zu machen“, hat Polter auch neben dem sportlichen Betrieb große Ambitionen.
Für den 1. FC Union Berlin hatte Sebastian Polter mit Abstand seine meisten Partien im Profibereich absolviert. In 104 Pflichtspielen trug er das Trikot der Eisernen, erzielte 46 Tore und bereitete 16 weitere vor. Klub und Spieler hatten sich am Ende der Saison 2019/20 getrennt. Zuvor hatte er inmitten der Corona-Pandemie einen vom Verein geforderten Gehaltsverzicht abgelehnt.
Lesen Sie mehr zum Thema