Jetzt wird auch Moskau hart getroffen
Nach Zwischenhoch: Benzinkrise ist zurück in Russland
27.08.2026 – 17:59 UhrLesedauer: 2 Min.
Ein Mann tankt an einer Tankstelle in Moskau (Archivbild): Die aktuelle Welle ist auch in Großstädten wie Moskau und Sankt Petersburg spürbar. (Quelle: IMAGO/Sergei Karpukhin/imago)
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In vielen Regionen Russlands ist Benzin derzeit knapp oder gar nicht verfügbar. Daten aus einer Tankstellen-App und Bankauswertungen zeigen: Die Lage hat sich wieder verschlechtert.
Nach einem kurzen Zwischenhoch steckt Russland erneut in einer Benzinkrise. Mitte August war Kraftstoff nach einer Auswertung des unabhängigen Mediums „Meduza“ ohne Warteschlangen nur an rund einem Viertel der erfassten Tankstellen zu bekommen – insgesamt hatten weniger als die Hälfte überhaupt Benzin im Angebot. Zwar melden die Daten seit dem 20. August eine leichte Verbesserung, doch von einer Entwarnung kann keine Rede sein.
Die Grundlage der Analyse sind knapp 500.000 Meldungen von Autofahrern über die App „GdeBENZ“, ergänzt um 3,9 Millionen Kartenzahlungen an Tankstellen bei großen russischen Banken. Die Abgleiche zeigen: Dort, wo Fahrer Verfügbarkeit melden, wird tatsächlich häufiger getankt – und umgekehrt. Die Krise ist damit kein lokales Phänomen, sondern betrifft weite Teile des Landes.
Auslöser und Verstärker der Engpässe sind wiederholte ukrainische Drohnenangriffe auf russische Ölraffinerien. Zwischen Ende Juli und dem 20. August wurden mindestens 15 Anlagen getroffen, teils mehrfach. Nach einzelnen Angriffen brach die Verfügbarkeit von Benzin in betroffenen Regionen deutlich ein; in manchen Gebieten sank der Anteil versorgter Tankstellen auf Werte um oder sogar unter 30 Prozent.
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Lage könnte sich im Herbst weiter verschlechtern
Parallel dazu sind die Preise gestiegen. Offiziell verteuerte sich gängiges Benzin im Juli im Schnitt um rund sieben Prozent. Besonders drastisch war die Entwicklung auf der besetzten Krim und in Sewastopol: Dort schossen die durchschnittlichen Preise deutlich nach oben, zeitweise wurde der freie Verkauf für Privatkunden ausgesetzt. Wiederverkäufer verlangten nach Berichten von „Meduza“ vielfach mehr als 200 Rubel (1,99 Euro) pro Liter.
Die Daten deuten zudem auf erhebliche Unterschiede im Land hin. Während Moskau und Sankt Petersburg in der ersten Krisenphase deutlich besser versorgt wurden und Kraftstoff gezielt in die Hauptstadtregion umgeleitet wurde, waren viele ärmere und ländliche Regionen weiterhin von massiven Engpässen betroffen. Dieses Mal trifft das Problem allerdings auch die Metropolen. Für viele Autofahrer bedeutet das: lange Schlangen, begrenzte Mengen – oder gar kein Sprit.
Im Herbst könnte sich die Lage weiter zuspitzen. Dann trifft der saisonal steigende Bedarf auf geplante Wartungsarbeiten in Raffinerien in Russland und Belarus, das zuletzt einen Teil der Versorgungslücke geschlossen hat. Ob die Behörden die Kraftstoffversorgung stabilisieren können, bevor Nachfrage und Belastungen weiter steigen, ist offen.
