Bayerische Städte arbeiten an ihrer Klimaneutralität: So wollen Würzburg und Nürnberg bis zum Jahr 2040 klimaneutral sein, Augsburg, Regensburg und München sogar schon im Jahr 2035. Das kostet Geld, viel Geld.

Beispiel München: Bäume pflanzen ist teuer

In der Landeshauptstadt München können die Stadtbäume im Sommer mehr CO2 aufnehmen als  die  Autos ausstoßen. Das zeigt eine aktuelle Berechnung der Technischen Universität München [externer Link]. Außerdem senken Bäume die Temperatur um bis zu zehn Grad und spenden Schatten.

Doch neue Bäume pflanzen kostet.  In vorhandene Grünflächen insgesamt rund 5.000 Euro. Und wenn im Straßenraum umfangreiche Baumaßnahmen notwendig sind, im Durchschnitt sogar 45.000 Euro, erklärt die Landschaftsarchitektin Gudrun Kloos vom Baureferat München.

Aufwändige Baumgruben in der versiegelten Innenstadt

Denn je nach Standort müssen Straßenbelege entfernt und erneuert sowie etwa unterirdische Leitungen umgelegt oder die Entwässerung angepasst werden. Das Wurzelwerk der Bäume benötigt zudem aufwändige Baumgruben, die bis zu 36 Kubikmeter groß sein sollen, so die Landschaftsarchitektin des Baureferats. Das entspricht in etwa der Größe eines großen Bau-Containers.

Diese Gruben müssen dann mit speziellem Substrat befüllt und die neuen Bäume gegossen und gepflegt werden. Allein diese sogenannte Anwuchs- und Entwicklungspflege liege für den Zeitraum von fünf Jahren bei rund 5.000 Euro pro Baum.

3.500 neue Bäume für München

In der  stark  versiegelten Innenstadt kann ein einzelner Baum bis zu 95.000 Euro kosten, meint auch der Münchner Oberbürgermeister, Dominik Krause. Dort müssen die Baumgruben etwa so befestigt werden, dass sie auch von Lkw überfahrbar sind.

„Wir geben schon viel Geld für den Klimaschutz aus. Aus meiner Sicht ist  das  aber auch das Gebot der Stunde!“ Dominik Krause, Münchens OB

Man müsse in der Energieerzeugung unabhängig sein, wenn  Probleme aufkommen, etwa wenn „der Gashahn zugedreht wird“, so der Grünen-Politiker weiter. Das würde  die  Wirtschaft „ganz massiv belasten“ und viel höhere Folgeschäden auslösen.

Die Stadt München investiert  insgesamt rund 52 Millionen Euro in 3.500 neue Bäume. Vor allem Arten, die klimaresilient sind und viel Schatten spenden. Rund 2.000  davon werden laut Münchner Baureferat bis Ende dieses Jahres gepflanzt sein.

Kritik an neuen Bäumen: Parkplätze fallen weg 

Doch mit diesen Investitionen sind nicht alle zufrieden. Der umweltpolitische Sprecher der CSU-Fraktion im Stadtrat, Sebastian Schall, argumentiert, dass man eher Geld in den Ausbau von Buslinien investieren müsse. „Da sehen wir die Möglichkeit dadurch, dass wir den teuren Umbau von bestehender Straßeninfrastruktur in überbreite Radwege sofort stoppen und dieses Geld eins zu eins sofort in den Ausbau des ÖPNV stecken.“

Die CSU-Fraktion im Münchner Stadtrat sieht durch neue Bäume – beispielsweise an der Augustenstraße in der Maxvorstadt – zudem zu viele Parkplätze wegfallen, so Schall. Grundsätzlich sei man für neue Bäume. Man müsse sich jedoch detailliert jeden Ort für einen neuen Baum ansehen und dann entscheiden.

Experte: Bäume in Zeiten des Klimawandels nötig 

Ein neuer Großbaum brauche den Platz von einem oder zwei Parkplätzen, bestätigt Stephan Pauleit, Professor für Strategie und Management der Landschaftsentwicklung an der TU München. Das berge Konfliktpotenzial. Doch sieht es der Experte angesichts des Klimawandels nicht als Alternative, keine neuen Bäume zu pflanzen.

Es gehe nicht darum, dass die Stadt wieder zum Land werde, so Pauleit, sondern gegenüber der heutigen Situation dürfe sich der Hitzestress nicht verschlimmern. München drohten bis zum Jahr 2055 bis zu drei Grad Celsius mehr. In sogenannten Hitzequartieren könnte es also „unerträglich“ werden, warnt er.

Klimaschutzprojekte in Millionenhöhe

Auch deshalb investiert die Stadt München derzeit im Schnitt  gut 110 Millionen jährlich in explizite Klimaschutzprojekte. Also in etwa  ein  Prozent des jährlichen Gesamthaushaltes der Stadt. Davon wird beispielsweise die Straßenbeleuchtung energiesparend umgestellt und vor allem Eigentümer darin unterstützt, ihre Gebäude klimaneutral zu gestalten.

Dazu kommen  Investitionen durch die Stadtwerke: in den kommenden Jahren  insgesamt rund  zehn Milliarden Euro für den Ausbau des Fernwärmenetzes mit Geothermie. Und weitere millionenschwere Investitionen durch die Stadt in den ÖPNV-Ausbau und die Förderung der Kreislaufwirtschaft. Aus Sicht des Oberbürgermeisters könne das Ziel der Stadt, 2035 klimaneutral zu sein, so erreicht werden.