Nicht Journalisten, sondern Berliner Schülerzeitungsredaktionen bestimmten die Themen einer besonderen Pressekonferenz am Gleisdreieck. Ihre Fragen machten deutlich, wie groß der Handlungsbedarf bei Radwegen, Kreuzungen und der Sicherheit von Schulwegen weiterhin ist. Das kürzlich vorgestellte Mobilitätskonzept des Berliner Senats wirkt entsprechend halbherzig.
Auf verschiedenen Übungsparcours konnten mehr als 200 Berliner Schulkinder das sichere Verhalten mit dem Fahrrad und in unterschiedlichen Verkehrssituationen trainieren. / © Foto: ENTWICKLUNGSSTADT
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In der STATION Berlin am Gleisdreieck fand am Mittwochvormittag eine Pressekonferenz statt, die sich deutlich von üblichen politischen Medienterminen unterschied. Nicht professionelle Journalisten stellten die Fragen, sondern Schülerinnen und Schüler verschiedener Berliner Schülerzeitungen.
Sie hatten ihre Themen zuvor in einem Workshop vorbereitet und konfrontierten die Verantwortlichen aus Politik, Polizei und Verkehrsbetrieben mit sehr konkreten Fragen.
Auf dem Podium saßen unter anderem Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU), BVG-Chef Henrik Falk und Roman Seifert, Leiter der Landespolizeidirektion. Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hatten ihre Teilnahme abgesagt. Sie wurden durch die Staatssekretäre Franziska Becker und Falko Liecke vertreten.
Mehr als 200 Kinder trainierten sicheres Verhalten im Verkehr
Parallel zur Pressekonferenz fand in der Veranstaltungshalle der Aktionstag „Sichtbar mobil zur Schule“ statt. Mehr als 200 Zweitklässler aus verschiedenen Berliner Schulen konnten an mehreren Stationen und Parcours das sichere Verhalten im Straßenverkehr trainieren. Dabei ging es unter anderem um Sichtbarkeit, Gefahrenwahrnehmung sowie das richtige Verhalten in Bus und Bahn.
Wie ernst das Thema ist, verdeutlichten die genannten Unfallzahlen: Im laufenden Jahr wurden in Berlin bereits mehr als 300 Kinder bei Verkehrsunfällen leicht oder schwer verletzt. Besonders häufig ereignen sich solche Unfälle zwischen 7 und 8 Uhr, also genau in jener Zeit, in der viele Kinder auf dem Weg zur Schule sind.
Auf die Frage eines Schülers, wer auf dem Podium schon einmal einen Verkehrsunfall erlebt oder selbst verursacht habe, meldeten sich letztlich alle Beteiligten.
Ute Bonde: Sicherheit wichtiger als Zahl neuer Radwege
Die Schüler wollten auch wissen, ob Berlin künftig mehr Radwege bauen werde. Bonde erklärte, seit 2021 seien jährlich zwischen 21 und 25 Kilometer neue Radverkehrsanlagen entstanden. Entscheidend sei jedoch nicht allein die Kilometerzahl, sondern vor allem deren Sicherheit. Ein besonderer Schwerpunkt solle daher auf der Gestaltung von Kreuzungen und Konfliktpunkten liegen.
Im Zweifel würden möglicherweise drei Kilometer weniger entstehen als in früheren Jahren, so Bonde, dafür sollten die umgesetzten Abschnitte möglichst sicher sein. Zeitweise stellte Bonde ihr junges Publikum allerdings auch sprachlich vor Herausforderungen, indem sie den Begriff der „hochfrequentierten Schulwege“ mehrfach ausführlich erläuterte.
Henrik Falk: Autonome BVG-Busse sollen ab 2028 fahren
Auch das autonome Fahren beschäftigte die Nachwuchsjournalisten. Henrik Falk widersprach zunächst der Annahme, die BVG leide grundsätzlich unter Personalmangel. Das Unternehmen konzentriere sich derzeit vor allem darauf, die Taktung bedarfsgerecht zu steuern und in den Stoßzeiten mehr Busse einzusetzen.
Einen voll besetzten Linienbus autonom durch den Berliner Verkehr fahren zu lassen, bezeichnete Falk weiterhin als große technische Herausforderung. Dennoch sollen nach seinen Angaben ab 2028 erste Fahrzeuge in Berlin tatsächlich autonom unterwegs sein. Bonde ergänzte, die BVG müsse das Thema auch mit Blick auf einen möglichen Personalmangel in den kommenden Jahren weiterverfolgen.
Berliner Senat: Schulmobilitätsplan bleibt vorerst wenig konkret
Die Veranstaltung fiel zeitlich mit der Vorstellung des neuen Berliner Mobilitätsmanagements für Schulen zusammen. Der Senat will für jeden Schulstandort einen Schulmobilitätsplan entwickeln, der Zuständigkeiten, Gefahrenstellen und mögliche Maßnahmen bündelt.
Zunächst ist jedoch nur eine begrenzte Einführung ab 2027 vorgesehen. Die Auswertung soll 2028 beginnen, der flächendeckende Start erst 2029 erfolgen. Damit bleibt das Konzept vorerst vor allem ein langfristig angelegtes Planungs- und Koordinierungsinstrument.
Mobilitätsplan für Schulen: Der Plan des Senats ist kaum mehr als eine Absichtserklärung
Konkrete bauliche Maßnahmen wie Bodenschwellen, konsequent verkehrsberuhigte Bereiche oder autofreie Schulstraßen werden nicht verbindlich festgelegt. Entsprechend fordert der BUND Berlin, Tempo 30, sichere Querungen, Verkehrsberuhigung und Schulstraßen zum Berliner Standard zu machen.
Der Aktionstag zeigte anschaulich, wie Kinder auf Gefahren vorbereitet werden können. Offen bleibt jedoch, wie schnell die Stadt selbst diese Gefahren im Straßenraum beseitigt. Der Berliner Senat, der den Fokus darauf legt, verkehrsberuhigte Straßen wieder in Tempo-50-Zonen umzuwandeln, hat am Mittwoch gezeigt, dass ihm das Thema Schulwegsicherheit auch zukünftig nicht sonderlich wichtig zu sein scheint.
Quellen: Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, BUND Berlin, Bürgerstiftung Berlin
