Börsenhändler in Frankfurt

Marktbericht

Stand: 27.08.2026 • 18:29 Uhr

Trotz Rückenwind aus dem US-Tech-Sektor haben sich die DAX-Anleger heute stark zurückgehalten. Investoren blicken auf das Notenbankertreffen in den Vereinigten Staaten. Unter Druck stand die T-Aktie.

Der DAX ist trotz Tech-Rückenwind aus den USA heute nicht wirklich von der Stelle gekommen. Am Ende schloss der deutsche Leitindex bei 26.366 Punkten, ein moderater Gewinn von 0,3 Prozent. Zwar bleibt das Allzeithoch bei 26.573 Punkten in Schlagweite, bisher fehlen aber die Impulse, um neue Rekorde anzugehen. Gestern war der deutsche Leitindex 0,1 Prozent höher bei 26.285 Punkten aus dem Handel gegangen.

Auch überzeugende Geschäftszahlen von Unternehmen aus dem US-Technologiesektor haben dem deutschen Aktienmarkt nur bedingt geholfen. Die im Vorfeld mit Spannung erwarteten Quartalszahlen des Chipherstellers und KI-Platzhirschen Nvidia fielen besser aus als erwartet, was Halbleiteraktien und Ausrüsteraktien auch in Europa anschob.

In New York legen Nvidia an der Nasdaq derzeit über acht Prozent zu, der technologielastige Auswahlindex Nasdaq 100 gewinnt rund 1,3 Prozent. Der Leitindex der Standardwerte, der Dow Jones-Index, bewegt sich hingegen mit einem leichten Plus von nur 0,25 Prozent in der Nähe seines Schlussstandes.

Das nun beginnende Notenbanktreffen in Jackson Hole, dessen Höhepunkt die Rede von Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag sein wird, hemmte aber die Kaufbereitschaft. Das ganz große Risiko dürften Marktteilnehmer wegen der Unsicherheit über die zukünftige Ausgestaltung der US-Geldpolitik zunächst nicht eingehen, schätzt Timo Emden, Marktanalyst von Captrader.

Wird die Fed im September den Leitzins anheben? Ausgeschlossen ist das nicht: Die Märkte erwarteten weiterhin, dass die US-Notenbank angesichts der robusten Konjunktur und des hartnäckigen Inflationsdrucks die Zinsen bis zum Jahresende nochmals anheben dürfte, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden bei der Deutschen Bank.

Zudem verdichteten sich heute die Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung der EZB. Dies geht aus den veröffentlichten Protokollen der jüngsten Zinssitzung der Bank vom Juli hervor: „Zwar bleiben die Entscheidungen von der Datenlage abhängig, doch dürfte eine weitere Zinsanhebung notwendig sein, sofern sich die Inflationsaussichten nicht erheblich verbessern sollten“, heißt es darin.

Die EZB hatte die Zinsen im Juni erstmals seit fast drei Jahren um 25 Basispunkte angehoben und auf der Sitzung im Juli pausiert. Die Währungshüter streben eine Inflationsrate von 2,0 Prozent an. Zuletzt lag diese bei 2,9 Prozent. Erwartet werden weitere 25 Basispunkte. Der wichtige Einlagenzins, zu dem Geschäftsbanken bei den Banken Geld überschüssiges Geld über Nacht anlegen, stiege dann auf 2,5 Prozent.

Ein Medienbericht über eine drohende Milliardenklage in den USA setzte die Aktien der Deutschen Telekom unter Druck. Die Papiere gaben um 2,5 Prozent nach und gehörten damit zu den größten Verlierern im DAX. Das Handelsblatt hatte berichtet, die Telekom müsse sich vor einem US-Gericht gegen den Vorwurf verteidigen, sich die Kontrolle über ihre Tochter T-Mobile US auf Kosten der Minderheitsaktionäre verschafft zu haben.

Hintergrund sei die Fusion der US-Tochter mit dem Konkurrenten Sprint vor sechs Jahren. Die Kläger fordern dem Bericht zufolge bis zu 10,1 Milliarden Dollar Schadenersatz zuzüglich Zinsen. Die Telekom lehnte eine Stellungnahme ab. Ein Händler bezeichnete den Bericht als einen weiteren Dämpfer für die Aktie, nachdem die Analysten von Kepler Cheuvreux sie zuvor herabgestuft hatten.

Zu den größten Gewinnern gehörten nach den beeindruckenden Nvidia-Zahlen Infineon und zunächst auch Siemens Energy. Beide Unternehmen gelten als KI-Profiteure, Infineon ist selber ein Chiphersteller und Siemens Energy wegen seiner Expertise beim Bau von Rechenzentren, die für den Fortgang des KI-Booms unerlässlich sind. Die Siemens-Energy-Aktie konnte die Gewinne am Ende aber nicht verteidigen. Profitieren könnte das Unternehmen aber vom angekündigten Strom-Notstand in den USA durch Präsident Donald Trump.

Analyst Vivek Midha von der Citigroup sprach von Beschränkungen für bestimmte, im Ausland hergestellte Großkomponenten. Seiner Ansicht nach ist dies für Siemens Energy von Bedeutung – mit positiver Tendenz. „Zwar könnte die Flexibilität bei der Beschaffung von Transformatoren etwas eingeschränkt werden, doch die weitere Verknappung des Marktes durch Beschränkungen für chinesische Netztechnik-Anbieter dürfte diesen Nachteil mehr als ausgleichen“, schrieb der Experte.