Das Ergebnis: Nur für die höchste Kategorie von mindestens 5.000 Internationalen Einheiten pro Tag zeigte sich ein statistisch signifikanter Zusammenhang. Im Regressionsmodell lag der MoCA-Wert dieser Gruppe um 3,78 Punkte höher als bei Menschen ohne tägliches Vitamin D. Allerdings gehörten nur zwölf Teilnehmer zu dieser Hochdosisgruppe, und der p-Wert von 0,0387 lag nur knapp unter der vorab gewählten Signifikanzgrenze.
„Bei älteren Erwachsenen, die sowohl Schlafstörungen als auch eine leichte kognitive Beeinträchtigung haben, könnte dies ein entscheidendes Zeitfenster für Interventionen sein, in dem sich kognitive Veränderungen abzeichnen, aber noch Möglichkeiten bestehen, die Gehirngesundheit zu unterstützen“, sagt Victoria Pak.
Niedrigere Tagesdosen waren dagegen nicht signifikant mit höheren MoCA-Werten verbunden. Auch zwischen Vitamin D2 und D3 fanden die Forscher keinen signifikanten Unterschied bei der kognitiven Leistung. Damit deutet die Studie auf einen Zusammenhang speziell in der höchsten Dosisgruppe hin, liefert aber noch keinen Nachweis für einen Nutzen der Supplementierung.
Warum daraus keine Einnahmeempfehlung folgt
Entscheidend ist das Studiendesign: Die Untersuchung war querschnittlich und beobachtend. Die Forscher haben den Teilnehmern keine Vitamin-D-Dosis zugeteilt, und die Einnahme beruhte auf Selbstauskünften. Objektive Vitamin-D-Spiegel wurden nicht erfasst. Zudem ist eine umgekehrte Kausalität möglich, etwa wenn Menschen mit besserer Kognition eher gesundheitsbewusst sind und höhere Dosen einnehmen.
Auch die kleine Stichprobe begrenzt die Aussagekraft. Die Autoren bezeichnen den Befund ausdrücklich als vorläufig und fordern größere Folgestudien. Hinzu kommt, dass 5.000 Internationale Einheiten pro Tag über dem im Fachartikel genannten tolerierbaren Höchstwert von 4.000 Internationalen Einheiten täglich für Menschen über acht Jahren liegen. Die Beobachtung ist daher keine Empfehlung, eine solche Dosis eigenständig einzunehmen.
„Zugängliche und veränderbare Faktoren wie die Einnahme von Vitamin-D-Präparaten in früheren Stadien des kognitiven Abbaus zu identifizieren, könnte zunehmend wichtig werden, insbesondere weil die Zahl der Alzheimer-Erkrankungen weiter steigt“, ergänzt Pak.
Ein Hinweis, noch kein Beweis
Die Ergebnisse passen zu der Idee, dass Vitamin D, Schlaf und Gehirnfunktion miteinander verknüpft sein könnten. Die bisherige Forschung zu Vitamin-D-Präparaten und Kognition ergibt jedoch kein einheitliches Bild. Für Menschen mit MCI und Schlafstörungen ist die neue Studie deshalb vor allem ein Ausgangspunkt für gezielte klinische Untersuchungen.
Erst kontrollierte Studien mit größeren Gruppen können klären, ob eine gezielte Vitamin-D-Gabe die geistige Leistungsfähigkeit tatsächlich verbessert und welche Dosis dabei sinnvoll und sicher wäre. Bis dahin bleibt der beobachtete Zusammenhang interessant, aber er belegt weder eine Schutzwirkung vor Demenz noch eine kausale Verbesserung der Kognition.
Quellen:
27. August 2026
– Clara Lyu