Junge Menschen, die bereits früh durch Straftaten auffallen, dabei zu unterstützen, ihren weiteren Weg ohne Kriminalität zu gestalten: Das ist seit 15 Jahren Ziel der NRW-Initiative „Kurve kriegen“. „Im Kreis Viersen arbeiten Polizei und Jugendhilfe seit mittlerweile fünf Jahren gemeinsam daran, weitere Straftaten zu verhindern und Kindern und Jugendlichen neue Perspektiven zu eröffnen“, teilt die Kreispolizei Viersen mit. Derzeit würden im Kreis Viersen zwölf junge Menschen – zehn Jungen und zwei Mädchen – im Programm „Kurve kriegen“ begleitet, „seit dem Start der Initiative im Kreis Viersen im Jahr 2021 wurden insgesamt 32 Kinder und Jugendliche aufgenommen und begleitet“, so die Polizei.

„Kurve kriegen“ ist der Mitteilung zufolge eine Initiative des Landesinnenministeriums. Im Kreis Viersen besteht das Team aus drei Polizeibeamtinnen und -beamten aus dem Bereich Jugendkriminalität sowie einer Sozialpädagogin und einem Sozialpädagogen. Das Einzigartige daran sei, dass alle für das Projekt unter einem Dach arbeiten, so die Kreispolizei: Im Kommissariat 5 – das sich unter anderem mit Jugendkriminalität beschäftigt – auf dem Mühlenberg 7 in Viersen-Dülken.

Im Mittelpunkt stehe die Prävention. „Denn frühe Straffälligkeit entsteht selten losgelöst von der Lebenssituation eines jungen Menschen. Schwierigkeiten in der Familie, Probleme in der Schule, fehlende Tagesstruktur, belastende Freundeskreise oder mangelnde Orientierung können Entwicklungen begünstigen, in denen sich problematisches Verhalten zunehmend verfestigt“, informiert die Polizei. Und genau dort setze „Kurve kriegen“ an: frühzeitig, individuell und verbindlich.

„Dabei werden die Kinder und Jugendlichen nicht auf ihre Straftaten reduziert. Gleichzeitig werden diese auch nicht verharmlost“, heißt es weiter. Es gehe darum, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen, Grenzen zu akzeptieren und gemeinsam realistische Perspektiven für die weitere Entwicklung zu erarbeiten.

Eine zentrale Rolle spielt laut der Polizei dabei die kontinuierliche Beziehungsarbeit: „Die pädagogischen Fachkräfte begleiten die Teilnehmenden eng in ihrem Alltag, entwickeln gemeinsam mit ihnen konkrete Ziele und beziehen – je nach individuellem Bedarf – Familie, Schule und weitere Unterstützungsangebote mit ein.“ Diese individuelle Begleitung werde durch eine enge und verbindliche Zusammenarbeit im Netzwerk ergänzt. Eine besondere Stärke von „Kurve kriegen“ liege im Zusammenwirken unterschiedlicher Akteure und fachlicher Perspektiven. „So können problematische Entwicklungen frühzeitig erkannt, gemeinsam eingeordnet und gezielte Maßnahmen abgestimmt werden. Auf diese Weise lassen sich sowohl der Schutz der Allgemeinheit und die Verhinderung weiterer Straftaten als auch die individuelle Entwicklung des jungen Menschen gleichermaßen in den Blick nehmen.“