Teltow – Trotz Hitzerekorden und Wassermangel: Brandenburgs Landwirte fahren die beste Ernte seit Jahren ein. Doch der Bauernpräsident jammert wieder – und will mehr Steuergeld.

Weizen, Gerste oder Roggen – die Scheunen der Bauern sind voll. 2,3 Millionen Tonnen Getreide holten die märkischen Landwirte von den Feldern, sechs Prozent mehr als vergangenes Jahr. Ganz anders als im Süden Deutschlands. Dort sanken die Erträge wegen Hitze und Dürre um bis zu neun Prozent.

Brandenburgs Bauernverbands-Präsident Henrik Wendorff

Brandenburgs Bauernverbands-Präsident Henrik Wendorff (63)

Foto: Michael Sauerbier/BILD

„Brandenburg war eine kleine Oase“, sagte Bauernpräsident Henrik Wendorff am Donnerstag bei der Erntebilanz. Der Grund: Die Nächte bleiben kühl und der Frühjahrsregen fiel zur rechten Zeit. Wendorff: „Wir müssen von Glück reden gegenüber dem Rest Deutschlands.“

Bei Obst und Gemüse dasselbe Bild: 37 Prozent mehr Äpfel wurden gepflückt: 22.800 Tonnen! Dazu 43 Prozent mehr Erdbeeren und sogar 121 Prozent mehr Süßkirschen. Die Spargelernte ging zwar leicht zurück. „Aber wegen der gleichmäßigen Qualität war der Ertrag auskömmlich“, sagte Gartenbau-Chef Klaus Henschel.

Ein Super-Jahr! Aber das hält die Bauernfunktionäre nicht vom Jammern ab. „Die gute Ernte sagt nichts über die wirtschaftliche Situation aus“, klagte Gartenbau-Chef Henschel. Denn die Bauern hätten für Kirschen, Pflaumen und Gurken deutlich weniger als die Herstellungskosten bekommen. Wegen der steigenden Löhne würde der Spargel bald von Maschinen gestochen.

Auch Bauernpräsident Wendorff stöhnt – über Einbußen bei Raps und Mais. Er beklagt gestiegene Diesel- und Düngerkosten sowie den höheren Mindestlohn. Und fordert prompt die Senkung der Dieselsteuer. Aber nur für Landwirte, auf Kosten der Steuerzahler. „Die wenigsten Betriebe“, behauptet Wendorff, „schreiben schwarze Zahlen.“

Bei Brandenburgs Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (39, SPD) finden die Klagen der Bauern Gehör

Bei Brandenburgs Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (39, SPD) finden die Klagen der Bauern Gehör

Foto: Michael Sauerbier/BILD

Doch der Rückblick zeigt: Klagen gehört zum Handwerk der Bauernfunktionäre. Dafür wurden sie gewählt. Auch 2025 hatte Wendorff die „katastrophale Preissituation“ beklagt und vor Betriebspleiten gewarnt. Trotz durchschnittlicher Ernte. Was ist daraus geworden?

Auf B.Z.-Nachfrage musste der Bauern-Lobbyist jetzt gestehen: Weder wurden massenhaft Flächen stillgelegt, noch meldeten Bauern Konkurse an. Aber die Lage sei „weiter angespannt“, sagte Wendorff. Wie in jedem Jahr.

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