Der erste Blick kann den Betrachter durchaus täuschen. Darauf setzt Axel Weishaupt, der sich bestens darauf versteht, Geschichten und Hintergründe in seiner Malerei so zu verstecken. Und dann kippt plötzlich die heimelige Atmosphäre wie beispielsweise beim Blick auf die Idylle von Rothenburg ob der Tauber, den der Maler für die Einladungskarte zu seiner Einzelausstellung in der Galerie Künstlerbunker Karlstraße gewählt hat. Denn winzig klein ist der schemenhafte „Beobachter“, den nur die hellen Ferngläser verraten. Ähnlich beiläufig ist der „Schandpfahl“ platziert, als Zeichen für Folter und Hexenverfolgung in der mittelalterlichen Stadtgeschichte, an die dort im Kriminalmuseum erinnert wird. Alles hat mindestens zwei Seiten, wenn man genauer hinschaut. Und diese unterschiedlichen Aspekte und Sichtweisen ausleuchten, das macht Axel Weishaupt mit Hingabe und Liebe zum Detail. Das ist das Verbindende in seinem umfangreichen Werk, von dem in der Soloschau viel zu sehen ist.

Dritte Ausstellung der AG Leverkusener Künstler

Es ist die dritte Ausstellung des Jahres in Regie der AG Leverkusener Künstler in der Galerie Künstlerbunker. Eine weitere, eine Gemeinschaftsschau zum Thema „hier und jetzt“ wird noch folgen, außerdem präsentiert sich die AG in der 22. Leverkusener Kunstnacht am 2. Oktober wieder im Forum-Seitenfoyer.

Realistische Malerei mit überraschenden Brüchen

Axel Weishaupt hat verschiedene Stile an den Arbeiten großer Meister studiert und bezieht sich – je nach Thematik – mitunter darauf. Seine realistische Bildsprache, die mit der Wirkung von Licht und Schatten, räumlicher Tiefe sowie Kontrast und Reduktion arbeitet, nutzt er, um Dinge, Landschaften, Architektur scheinbar naturgetreu in Szene zu setzen. Aber nicht ohne Beobachtungen, Gedanken oder kritische Hinterfragung hineinzumogeln. Den abgestürzten Ballon etwa in die Ansicht von Kappadokien, die er so vorgefunden hat und dennoch surrealistisch anmutet. Das liegt mal an der Farbwahl oder am bewusst ausgewählten Blickwinkel, der die Bauwerke noch etwas schiefer, runder erscheinen lässt. Die Heißluftballons tauchen mehrmals auf, Weishaupt beobachtete sie in mehreren Ländern als beliebtes Transportmittel für touristische Rundfahrten. Im Künstlerbunker zeigt er mehrere Serien von Bildern, die nach Fernreisen entstanden sind. In China, Marokko, Algerien sammelte er unter anderem seine Motive.

Der Mensch im Mittelpunkt

Sein besonderes Interesse gilt eigentlich immer dem Menschen, auch wenn er Architektur und Landschaft als dessen Lebensraum malt oder Tiere als natürliche Partner. Dabei nimmt er auch Ecken in den Blick, die alles andere als positive Gefühle auslösen. Sogenannte ,lost places‘ wie Industriebrachen oder wenig einladende Angsträume der Stadt in Detailansichten. Als gebürtiger Leverkusener kennt er viele solcher Flecken in Leverkusen, sei es in einem Abgang zur Tiefgarage oder dem verlassenen Treppenaufgang am Forum. In diesem Fall ist es eine Arbeit aus der Corona-Zeit, aber sehr viel belebter ist es dort auch sonst nicht. Die Phase der Pandemie hat sich in besonders tristen und einsam anmutenden Bildern manifestiert, beispielsweise dem Blick auf einen Revolver, der ausgerechnet im fensterlosen Schutzraum des Bunkers seinen Platz gefunden hat. Daneben hängt der „Traum eines Jägers“, der gespickt ist mit Gedankenfetzen, realen Erinnerungen und dystopischen Szenen. Wer nahe herantritt, kann jede Menge angedeutete Geschichten erkennen und weiterspinnen.

Genaues Hinsehen lohnt sich

Auf jeden Fall braucht man Zeit für den Rundgang, weil die Leinwände dicht hängen und es auf jeder eine ganze Menge Denkwürdiges zu entdecken gilt.