Eigentlich sollte Ada, der Hauptcharakter ihres Romans, der Autorin gar nicht so ähnlich sein. Doch im Prozess des Schreibens merkte Anne van Straelen, dass „Adas Sommer“ immer mehr Parallelen zu ihrem eigenen Leben enthielt. Auch ihre engen Freunde spiegelten ihr das nach dem Lesen des Buches wider. Dabei sei ursprünglich auch der Charakter der Mutter ganz anders geplant gewesen.
Ihr erster Roman ist eine Coming-of-Age-Geschichte, aber irgendwie auch viel mehr als das. Es geht um das Verhältnis zwischen einer Mutter und ihrer Tochter und um die Vergangenheit ihrer Familie, denn die beiden gehen gemeinsam auf Spurensuche in Südfrankreich. Auch das ist eine große Parallele zu dem eigenen Leben der Autorin: Ihr Großvater lebte dort als Kriegsgefangener bei einer Bauernfamilie. „Es tat gut, mein Innenleben nach außen lesbar zu machen.“
Als Kind verbrachte Anne van Straelen fast jeden Sommer in Südfrankreich bei der Familie, zu der bis heute eine enge Freundschaft besteht. So habe sie schon viel über die Vergangenheit ihres Großvaters lernen können. Vor elf Jahren sei sie bereits mit ihrer Mutter auf eine Recherchereise nach Südfrankreich gefahren. „Es war ein guter Weg, unsere Familiengeschichte aufzuarbeiten und auf Spurensuche zu gehen.“
Die Freiheit, dass sich ihr Roman im Schreibprozess weiterentwickeln konnte, habe sie sehr genossen, sagt van Straelen. „Mit der literarischen Freiheit konnte ich meine Familiengeschichte als Inspiration nutzen und nah an meiner Wahrheit schreiben.“ Fast ein Jahr lang habe der Prozess gedauert – von der Idee bis zu dem Moment, als sie ihren ersten Roman schließlich in den Händen hielt. An diesen Moment erinnert sich van Straelen noch genau: „Das war wirklich bewegend. Ich wollte schon immer einen Roman schreiben und bin stolz, das selbst geschafft zu haben.“
Die 46-Jährige entschied sich, das Projekt alleine anzugehen – bei allen Schritten. Sie schrieb die Geschichte, gestaltete das Cover und alles andere selbst, kümmerte sich um den Buchsatz und veröffentlichte den Roman schlussendlich im Selbstverlag. Die Seiten zu füllen und ihre Geschichte zu vervollständigen, sei gar keine große Herausforderung gewesen, das Schreiben sei ihr schon immer leicht gefallen. Der ganze Prozess drumherum sei aber herausfordernd gewesen sowie nun auch die Vermarktung des fertigen Buches. „Ich habe sehr viel gelernt und bin daran gewachsen.“
Unterstützung habe sie auch aus ihrem Umfeld erhalten, das Feedback von Familie und Freunden sei ihr viel wert gewesen. „Vor allem von meiner Mama. Sie ist meine größte Inspiration bei Büchern und hat mein Manuskript Korrektur gelesen.“ Auch die Unterstützung ihres Mannes sei sehr groß, „er ist mein Fan Nummer eins“.
Auf diese Erfahrungen, die sie mit ihrem ersten selbstveröffentlichten Roman machen konnte, möchte van Straelen jetzt aufbauen. „Ich merke, dass die Geschichte von Ada und ihrer Mutter Charlotte noch nicht auserzählt ist.“ In der Fortsetzung soll es allerdings weniger um Ada gehen, stattdessen nach einem Zeitsprung um ihre Tochter Rory. „Das Verhältnis zwischen Mutter und Tochter spielt schon im ersten Roman eine große Rolle. Ich blicke da heute auch ganz anders drauf, als früher als Teenager.“ In der Fortsetzung solle es um den Ablösungsprozess zwischen Ada und ihrer Tochter gehen, die zu ihrer Großmutter nach Nizza flieht. Eigentlich habe sie eine ganz andere Idee für ein weiteres Buch gehabt, die Notizen liegen nun aber erst einmal wieder in der Schublade. Sie hoffe, den nächsten Roman bis zum Sommer 2027 fertig zu haben.
Dass sie die Gestaltung des Buches selbst übernehmen konnte, lag an ihrem bisherigen beruflichen Hintergrund. Anne van Straelen hat lange als Grafikdesignerin gearbeitet, später im Marketing und PR-Bereich. „Deshalb wusste ich, dass ich vieles auch selbst machen kann.“ Heute arbeitet sie als Erzieherin an einer Grundschule in Düsseldorf – und würde nichts mehr daran ändern wollen. „Ich habe meinen Traumberuf gefunden und kann jetzt nebenbei Schriftstellerin sein.“