Wenn sich jemand mit Fußball auskennt, dann natürlich die Redakteure von SPOX. Die werfen auch diesmal ihre komplette Expertise in die Waagschale – auf die große Gefahr hin, sich fürchterlich zu blamieren. Das sind unsere Thesen zur neuen Bundesliga-Saison.

Hier könnt Ihr noch einmal die Prognosen vor der vergangenen Saison nachlesen. Darunter Blödsinn wie „Eintracht Frankfurt wird Vizemeister“ oder „Merlin Polzin zaubert den HSV nach Europa“, aber auch tadellose Glaskugelblicke wie: „Bazoumana Toure wechselt 2026 für mindestens 30 Millionen auf die Insel“

Hier kommen also die (mehr oder weniger) steilen Thesen zur Spielzeit 2026/27 im deutschen Oberhaus.

Ismael Saibari schlägt bei Bayern voll ein und sammelt über 25 Scorerpunkte

Von Nino Duit

Uli Hoeneß zeigte sich schon bei Ismael Saibaris Ankunft in München Anfang August zufrieden mit dem Transfer. So ganz firm mit seinem Namen war er damals aber offenbar noch nicht, dann lieber eine Umschreibung. „Der Spieler aus Marokko hat mir gut gefallen bei der WM“, befand der Klubpatron. „Ich hatte ihn vorher nicht so bewusst gesehen.“

Saibari wird beim FC Bayern innerhalb kürzester Zeit dafür sorgen, dass sein Name Hoeneß von den Lippen geht wie „Weißwurst“ oder „Juan Bernat“. 50 Millionen Euro Ablöse überwiesen die Münchner für den Offensivallrounder an die PSV Eindhoven. Ein Investment, das sich voll auszahlen wird. Gerade in Anbetracht von Jamal Musialas unklarer Gesundheitssituation und den zurückliegenden Verletzungen von Serge Gnabry und Lennart Karl wird Saibari in der Bundesliga von Beginn an viel Spielzeit bekommen. Auf der Zehn, sicherlich auch aber vereinzelt als Backup von Harry Kane.

Für die PSV verzeichnete er in der vergangenen Saison in 27 Ligaspielen 23 Scorerpunkte. Diesen Wert übertrifft er in seiner ersten Saison beim FC Bayern.

imago-sport-1081325776.jpgIMAGOKonstantinos Karetsas wird das BVB-Offensivspiel auf ein neues Level hieven

Von Jochen Tittmar

Enorm viel Geld für einen 18-Jährigen aus Belgien – das ist für Borussia Dortmund durchaus ein sportliches wie finanzielles Risiko. Doch die bis zu 32 Millionen Euro, die man in Konstantinos Karetsas investiert hat, werden sich für den Vizemeister auszahlen.

Der griechische Zehner hat in den Testspielen bereits auf Anhieb seine große Klasse angedeutet: Technik, Übersicht, Handlungsschnelligkeit, Torgefahr. Karetsas benötigte dazu keine große Anlaufzeit, auch wenn er sicherlich Verschnaufpausen bekommen wird und sich noch an das höhere Niveau sowie die größere Körperlichkeit, die ihm in der Bundesliga begegnen, gewöhnen muss.

Doch das wird ihm schnell gelingen, weil er schlicht zu talentiert ist, als daran zu scheitern. Karetsas wird sofort zur prägenden Figur der Dortmunder Offensive werden.

imago-sport-1081108034.jpgIMAGOMartin Demichelis erlebt Weihnachten nicht als Trainer von RB Leipzig

Von Filippo Cataldo

Zugegeben, Martin Demichelis bringt in der Theorie ziemlich viel von dem mit, was sie bei RB suchen: ein ähnlich dynamisches Auftreten, mit dem er seine Mannschaften spielen sehen will, ein klangvoller Name, mit 45 noch relativ jung und dennoch als Trainer schon recht erfahren. Dazu kommt, dass er bei seinen Stationen bei River Plate, CF Monterrey und sogar beim letztlich abgestiegenen RCD Mallorca auf Anhieb immer wieder Erfolge vorzuweisen hatte. Und auch dass er den Abstieg mit Mallorca nicht mehr verhindern konnte, spricht nicht per se gegen den früheren Verteidiger des FC Bayern München – Demichelis übernahm die Mannschaft erst im März, holte mit seinem Pressingfußball sogar fünf Siege aus zwölf Spielen und blieb zwischenzeitlich acht Partien ungeschlagen. Und dass auch die besten Trainer absteigen können, hat ein gewisser Vincent Kompany vor seinem Engagement beim FC Bayern mit dem FC Burnley bewiesen.

Und doch spricht einiges dafür, dass sie in Leipzig nicht glücklich werden mit diesem Rat des heutigen Bundestrainers Jürgen Klopp. Das muss noch nicht einmal an Demichelis liegen, denn den Leipziger Verantwortlichen scheint man es ohnehin nur schwer recht machen zu können. Sonst hätte nämlich Ole Werner nach der bärenstarken letzten Saison und Platz drei mit einer Mannschaft im Umbruch heuer noch die Champions League spielen dürfen.

Zumal Demichelis jetzt alles andere als ein stabiles Gebilde übernimmt: Leipzig hat mit Yan Diomande ja nicht nur den besten Offensivakteur verloren, sondern mit Peter Gulacsi und Xaver Schlager auch zwei Identifikationsfiguren (wenn man dieses Wort im Zusammenhang mit RB benutzen darf). Dazu kommen die Verletzungen von Hoffnungsträger Assan Ouedraogo und Allzweckwaffe Christoph Baumgartner. Wenn der Saisonstart holprig gerät, könnten die Verantwortlichen schnell nervös werden.

Dass Demichelis während seiner Karriere als Spieler und Trainer nie wirklich mit diplomatischen Fähigkeiten aufgefallen ist, hilft da natürlich nicht. Bisher ist er noch bei mehreren Stationen früher oder später mit der Vereinsführung aneinandergeraten, in Monterrey soll es sogar Streit mit Führungsspielern gegeben haben. Einen kleinen Vorgeschmack gab es schon in der Vorbereitung, als Demichelis nach Diomandes Abgang vehement Verstärkungen (Plural!) forderte. Mit der Rückkehr von Christopher Nkunku wurde ihm dieser Wunsch zwar letztlich teilweise erfüllt, aber so richtig glücklich schienen weder Sportchef Marcel Schäfer noch CEO Tatjana Haenni über den öffentlichen Vorstoß ihres leitenden Angestellten. Konfliktpotenzial scheint da reichlich vorhanden zu sein. Und wehe, es knallt einmal.

Neues Traum-Duo! Deniz Undav und Dzenan Pejcinovic machen zusammen mehr Buden als Harry Kane

Von Tim Ursinus

Dzenan Pejcinovic feierte einen Einstand nach Maß für den VfB Stuttgart. Sein Dreierpack im DFB-Pokal gegen Drittligist Hansa Rostock darf freilich nicht überbewertet werden. Dennoch war schon klar zu erkennen, warum die Schwaben sich mit dem VfL Wolfsburg wochenlange Verhandlungen wegen der Ablösesumme für den Stürmer lieferten.

Allen voran der erste Streich von Pejcinovic war eine Art Warnung an die Bundesliga, dass der VfB (mal wieder) einen echten Coup auf dem Transfermarkt gelandet hat. Der 21-Jährige setzte sich vor seinem Treffer gegen gleich sieben (!) Gegenspieler in unmittelbarer Nähe durch und traf eiskalt zur wegweisenden Führung. Sein zweites Tor resultierte aus einer Vorlage von Deniz Undav, der hinter Pejcinovic agierte und auch das 3:0 von Tiago Tomas vorbereitete.

In Ansätzen war bereits ein blindes Verständnis zwischen Pejcinovic und Undav zu erkennen. Der Weg ist damit geebnet, dass beide zu einem gefürchteten Duo avancieren. Die Torjägerkrone dürfte Harry Kane vom FC Bayern München zwar auch in dieser Saison nicht zu nehmen sein, im Verbund werden Pejcinovic und Undav den Engländer jedoch überflügeln.

Bereits im vergangenen Jahr stellte der VfB das beste Nicht-Bayern-Duo, als Undav (19) und Ermedin Demirovic (12) aber insgesamt fünf Tore weniger als Kane (36) erzielten. Mit Pejcinovic, der nochmal mehr Explosivität und eine bessere Technik als der Bosnier mitbringt, wird sich das ändern. Die Bundesliga hat ein neues Traum-Duo – und damit auch der DFB!

imago-sport-1081617829.jpgIMAGOTrotz Verbleib von Said El Mala: Der 1. FC Köln steigt ab

Von Jochen Tittmar

Der FC geht nach dem Aufstieg in seine zweite Saison im Oberhaus. Mit Jakub Kaminski hat man einen der besten Akteure des Kaders verloren, mit Said El Mala verlängerte jedoch der absolute Unterschiedsspieler.

Die bisher getätigten Transfers sind meist jung, die erfahreneren Neuen haben noch nie auf einem Niveau wie in der Bundesliga gespielt. Die große Frage wird sein, ob sich der Kader des Klubs, der im Vorjahr nur drei Zähler vor dem Relegationsplatz landete, wirklich verbessert hat.

Ich glaube nicht. Auch hat man in Rene Wagner einen Rookie auf der Trainerposition. Der 38-Jährige übernahm im Vorjahr gewiss in einer schwierigen Lage, riss mit sechs Punkten aus sieben Spielen aber keine Bäume aus.

Hinzu kommt das traditionell schwierigere zweite Jahr sowie das in guten Zeiten sensationelle Umfeld. Doch läuft es nicht, kann dieses schnell toxisch werden. Das wird in der neuen Spielzeit der Fall sein – Köln ist trotz El Malas Klasse insgesamt zu schwach aufgestellt und muss wieder in die 2. Liga runter.

Die SV Elversberg wird zu Heidenheim 2.0 und stürmt als Aufsteiger in die Conference League

Von Christian Guinin

Als die SV Elversberg im vergangenen Sommer in Folge des denkbar knapp verspielten Bundesliga-Aufstiegs in der Relegation gegen den 1. FC Heidenheim beinahe jeden Leistungsträger ziehen lassen musste, stand für viele der direkte Abstieg in die Drittklassigkeit schon so gut wie fest. Die Saarländer straften ihre Kritiker jedoch Lügen und hielten nicht nur souverän die Klasse, sondern stiegen als Tabellenzweiter nach 34 Spieltagen sogar direkt ins deutsche Oberhaus auf.

Für die kommende Saison rechnet nun erneut eine Vielzahl von Fans und Experten mit dem umgehenden Gang zurück in die 2. Bundesliga – und ein weiteres Mal wird die Spielvereinigung über sich hinauswachsen und sämtliche Prognosen widerlegen. Dabei nimmt sich Elversberg ausgerechnet den einstigen Relegations-Gegner Heidenheim zum Vorbild und stürmt vom Aufstieg direkt in die Conference League.

Mit Zweitliga-Bomber Noel Futkeu (leihweise von Eintracht Frankfurt), Cole Campbell, den man für eine vereinsinterne Rekordablöse von sechs Millionen Euro vom BVB loseiste, Maurice Krattenmacher, Noah Darvich (leihweise vom VfB Stuttgart), und dem letztjährigen Dauerbrenner Lukasz Poreba, welcher nach seiner Leihe fest vom HSV verpflichtet wurde, hat sich Elversberg clever verstärkt.

In der Vorbereitung zeigte man unter anderem beim 5:2-Sieg gegen den letztjährigen Conference-League-Halbfinalisten Racing Straßburg, wozu man fähig ist. Zumindest im ersten Saisondrittel werden einige Bundesligisten die spielerische Klasse unterschätzen, die im Kader der Saarländer steckt. Das und ein wenig Glück reichen am Ende aus, um sich mindestens für den kleinsten europäischen Wettbewerb zu qualifizieren.

elversbergGetty ImagesTim Kleindienst gewinnt das Duell der „Rückkehrer“ mit Niclas Füllkrug deutlich – und ballert sich zurück ins DFB-Team

Von Tim Ursinus

Leichte Muskelbeschwerden verhinderten, dass Gladbachs Tim Kleindienst im DFB-Pokal seine Startelf-Rückkehr nach einer unfassbaren Leidenszeit feierte. Für Bremen traf dafür Niclas Füllkrug bei seinem Debüt sofort vom Punkt.

Trotz des kleinen Rückschlags wird Kleindienst das Duell der „Rückkehrer“ für sich entscheiden – und zwar deutlich! Derart überzeugend, dass ihn Neu-Bundestrainer Jürgen Klopp sogar nach (zum aktuellen Stand) knapp anderthalb Jahren Abstinenz im Laufe der Saison wieder für die deutsche Nationalmannschaft nominieren wird.

Dafür sprechen gleich mehrere Punkte. Zum einen zeigte Kleindienst bis zum Start seiner Leidenszeit im DFB-Team überragende Leistungen (vier Tore in sechs Spielen). Zum anderen hat der 30-Jährige eine beeindruckende Frühform. Das stellte er mit seinem Doppelpack gegen Aston Villa beim 2:1-Testspielsieg eindrucksvoll unter Beweis. Es folgen zwei weitere Treffer in der Vorbereitung, in der Gladbach einen sehr gefestigten Eindruck machte. Insbesondere das Offensiv-Duo Hugo Bolin und Wael Mohya schürt Hoffnungen auf bessere Zeiten, wovon auch Kleindienst profitieren wird.

Füllkrug hat hingegen ein entscheidendes Problem: Es fehlt der Werder-Offensive schlichtweg an Qualität und damit an Spielern, die den in den vergangenen Monaten formschwachen Torjäger konstant mit brauchbaren Bällen füttern können. Bremens Kader wirkt, wie schon in der vergangenen Spielzeit, auch davon abgesehen unausgewogen. Es scheint überlebenswichtig zu sein, dass Jens Stage wohl doch nicht das Weite sucht. Einzig Kleindiensts Körper kann dieses Duell zugunsten von Füllkrug entscheiden.

Borussia Mönchengladbach v 1. FC Heidenheim 1846 - BundesligaGetty ImagesDer FC Schalke 04 hat zu keinem Zeitpunkt etwas mit dem Abstieg zu tun

Von Christian Guinin

Nach dem prognostizierten Conference-League-Einzug der SV Elversberg rechne ich auch dem zweiten direkten Bundesliga-Aufsteiger, dem FC Schalke 04, gute Chancen zu, die Erwartungen zu übertreffen und souverän die Klasse zu halten.

Unter Erfolgstrainer Miron Muslic hat Königsblau schon in der vergangenen Spielzeit gezeigt, dass spielerische und qualitative Defizite mit Einsatzwillen, Kampfgeist und einer gut funktionierenden Defensive wettzumachen sind. Am Ende stand ein überraschender, jedoch äußerst überzeugender Wiederaufstieg zu Buche.

Ohne Frage ist das Oberhaus ein völlig anderes Pflaster als die 2. Bundesliga – von genügend Gegnern wird S04 die eigenen Grenzen aufgezeigt bekommen. Dennoch hat Sportvorstand Frank Baumann im Sommer einen ausgezeichneten Job gemacht und die Knappen mit einem guten Mix aus Qualität, Talent und Erfahrung verstärkt.

Ein relativ einfaches Auftaktprogramm mit Augsburg, Union und Elversberg an drei der ersten vier Spieltagen verschafft Schalke direkt ein ordentliches Punktepolster auf die Abstiegsplätze. Im Anschluss setzt der Flow der letztjährigen Spielzeit ein – und Königsblau beendet die Saison gesichert im Tabellen-Mittelfeld.

Miron Muslic Schalke 2025Getty ImagesWenig Erfolg auf dem Transfermarkt: Auch Carles Martinez bekommt Leverkusen nicht in die Champions League

Von Daniel Buse

Drei Punkte fehlten Bayer Leverkusen in der vergangenen Saison zum Erreichen der Champions-League-Plätze. Vereinfacht muss die Argumentation also sein: Um in die Königsklasse zu kommen, muss die Mannschaft, die der neue Trainer Carles Martinez aufstellt, besser sein als die der Vorsaison, als Erik ten Hag zunächst grandios scheiterte und dann auch sein Nachfolger Kasper Hjulmand nicht mehr als den sechsten Tabellenplatz herausholen konnte. Denn auf die Schwäche der Konkurrenz sollte man sich bei Bayer nicht verlassen.

Doch schon im vergangenen Sommer gab es auf dem Transfermarkt teure Missverständnisse wie Eliesse Ben Seghir, Equi Fernandez oder Loic Bade, als die Wirtz-Millionen zur Verfügung standen. Jetzt investiert Bayer erneut knapp 100 Millionen Euro für vier Spieler. Dabei macht Afonso Moreira bislang einen ordentlichen Eindruck, Miguel muss als Linksverteidiger erst noch zeigen, dass er Alejandro Grimaldo ersetzen kann. Und Facundo Medina ist für 23 Millionen Euro erst einmal nur eine teure Zusatz-Option für die Abwehrzentrale. Mit Kennet Eichhorn fällt das deutsche Top-Talent wegen einer Erkrankung zudem lange aus.

Dass Bayer in diesem Sommer klar besser geworden ist, kann man nicht sagen. Dass das Team in der Bundesliga-Tabelle Bayern, den BVB, Leipzig oder Stuttgart hinter sich lässt, erscheint höchst unwahrscheinlich. Und deshalb heißt es auch in der übernächsten Saison für die Werkself zuschauen, wenn sich die größten Klubs Europas in der Königsklasse duellieren.

Newcastle United v Bayer 04 Leverkusen - Pre-Season FriendlyGetty ImagesEntlassung noch in der Hinrunde: Daniel Thioune muss Clemens Fritz‘ „Kaderplanung“ früh ausbaden

Von Falko Blöding

Immerhin: Diesmal hat bei Werder keine peinliche Pokalblamage die Vorfreude auf die neue Saison getrübt. Von Euphorie am Osterdeich kann aber trotz des 3:0 gegen Außenseiter Lüneburger SK am letzten Wochenende keine Rede sein. Zu holprig verliefen die anderen Vorbereitungsspiele, zu besorgniserregend ist die Verletztensituation und zu groß sind kurz vor dem Start und dem Schließen des Transferfensters noch die Baustellen im Kader.

Eine Gemengelage, die also für Cheftrainer Daniel Thioune eine große Herausforderung darstellt, für die er aber nur bedingt etwas kann. Vielmehr ist er, der nach dem Horst-Steffen-Desaster und holpriger Nachfolgersuche (Stichwort Bo Svensson) im Februar als B-Lösung nach Bremen kam und den Klassenerhalt schaffte, derjenige, der mit dem arbeiten muss, was ihm Sportchef Clemens Fritz zur Verfügung stellt.

Der Ex-Profi im Gewand eines Sportdirektors ist beim Bremer Anhang längst zur Reizfigur geworden. Zahlreiche sportliche Fehlgriffe und andere Wildheiten haben das Vertrauen in seine Fähigkeiten als Manager erschüttert und auch mehrere Entscheidungen dieser Transferperiode haben das Potenzial, schnell zerpflückt zu werden:

  • Ist es nach den Erfahrungen mit Naby Keita oder Victor Boniface ratsam, auf einen großen Namen zu setzen, der zuletzt große körperliche Probleme hatte und um den anderen Klubs augenscheinlich einen Bogen machten? So romantisch das im Falle Niclas Füllkrugs auch sein mag.
  • Supertalent Karim Coulibaly wurde für 20 Millionen Euro und ohne Weiterverkaufsbeteiligung an Racing Straßburg verscherbelt. Das sind etwa 20 Millionen Euro weniger, als Fritz und Co. sich erhofft hatten. Laut Fritz wurde das Angebot für den deutschen U21-Nationalspieler vor gut einer Woche angenommen, um „einen Panikverkauf“ am Ende des Transferfensters zu verhindern. Der Deal mit Chelseas Farmteam wirkt allerdings genau wie ein solcher.
  • Nach wie vor hat Werder keinen fitten Rechtsverteidiger im Kader und die anvisierte Verstärkung für das offensive Mittelfeld lässt nach dem Verkauf Romano Schmids nach Italien weiter auf sich warten.

Diese Zutaten, gepaart mit einem Auftaktprogramm, das es in sich hat (Freiburg, Leipzig, Köln, Augsburg, Dortmund), haben Potenzial für einen Fehlstart samt Trainerdiskussion, an deren Ende Thioune für die Verfehlungen der sportlichen Leitung den Kopf hinhalten muss.

SV Werder Bremen v Borussia Dortmund - BundesligaGetty ImagesDer SC Freiburg zieht in die Champions League ein

Von Valentin Hüther

Bayern, Dortmund, Leipzig, Leverkusen, Stuttgart – und dann soll ausgerechnet der SC Freiburg einen Platz in der Champions League ergattern? Ja. Denn während sich einige der vermeintlich größeren Konkurrenten noch finden müssen, können sich die Breisgauer einmal mehr auf ihre größte Stärke verlassen: Kontinuität.

Freiburg ist eingespielt, taktisch gefestigt und mittlerweile qualitativ so gut besetzt, dass auch Ausfälle aufgefangen werden können. Dazu kommt: Hinter den absoluten Spitzenteams gibt es keinen Klub, bei dem die Champions-League-Qualifikation als Selbstläufer gelten kann. Leverkusen steckt weiter im Umbruch, auch Leipzig und Stuttgart werden ihre Schwächephasen haben.

Genau dann wird Freiburg da sein. Die Breisgauer werden keine spektakulären Ansagen machen, sondern konstant punkten, die Großen ärgern und gegen die Teams aus der unteren Tabellenhälfte kaum etwas liegen lassen. Das reicht am Ende für die große Überraschung: Platz vier und die Champions-League-Qualifikation.

Fortuna Düsseldorf v Sport-Club Freiburg - DFB Cup 2026/27Getty ImagesMindestens zehn Trainerwechsel noch während der Saison – und kein einziger bei den Aufsteigern

Von Finn Fichtner

Zwar haben Daniel Thioune und Rene Wagner erst in der Vorsaison übernommen und die Klasse gerettet, überzeugt haben sie aber nicht. Für beide dürfte bei der ersten Krise schnell Schluss sein und sollte die Polanski-Fußball-Revolution in Gladbach nicht gelingen, dürfte auch seine Zeit zeitnah ihr Ende finden. Vorteil: Wer schnell tauscht, kann häufiger tauschen und den Trainereffekt gleich mehrfach herbeiwünschen.

Das wird bei den Aufsteigern hingegen gar nicht notwendig sein. Schalke und Elversberg schreiben die fachkundigen Kollegen ja schon richtigerweise ins Mittelfeld oder bis nach Europa. Da dürfte dann im Revier nur Angst herrschen, dass im Winter Miron Muslic die klammen Kassen mit einem Wechsel nach England füllen soll. Die größte Sorge des neuen Trios bereitet mir Paderborn. Aber die geringe Anspruchshaltung dürfte hier Ralf Kettemann eine lange Leine lassen.

Stattdessen wird es für die Trainer im mittelfristigen Saisonverlauf eng, die mit einer viel zu hohen Anspruchshaltung zu kämpfen haben. Liebe Grüße an Martin Demichelis und noch einmal der nette Hinweis, dass Siegrekord und CL-Quali bekanntlich nicht reichen. In Leverkusen droht ein ähnliches Schicksal und um die Diva vom Main mag es ohne wöchentliche Riera-Rants ruhiger werden, aber eben auch nicht besser. Hoffenheim hat derweil mit der Doppelbelastung zu kämpfen.

Unten drin hat Berlin derweil noch einen Bundesliga-Neuling an der Seitenlinie und in Hamburg verlernt man die neu erlernte Demut im Falle einer echten Krise im schweren zweiten Jahr auch wieder schnell. Es braucht nicht viel Fantasie: Diese Saison wird bereits im laufenden Betrieb besonders fleißig getauscht. Noch einmal fleißiger als in den vergangenen fünf Jahren.