Ein weltweit verehrter Rockstar, ein Sänger vor dem Herrn, ein viel zu früh gestorbener, liebenswerter Mensch – all diese Beschreibungen treffen auf Freddie Mercury zu. Der charismatische Frontmann der Band Queen hat sich im München der frühen 80er-Jahre überaus wohl gefühlt. Von 1979 bis 1985 verbrachte er viel Zeit in der bayerischen Landeshauptstadt, schuf zusammen mit Brian May, Roger Taylor und John Deacon fünf Alben im legendären Musicland Studio und genoss Freiheiten, die ihm London nicht mehr bieten konnte.
Für Freddie Mercury war München mehr als eine Zwischenstation seiner Weltkarriere. Es war ein Stück Heimat. Die Stadt wurde für ihn Anfang der 1980er-Jahre zu einem kreativen Rückzugsort, zu einem persönlichen Nightlife-Labor und zu einem Ort, an dem der Queen-Sänger zeitweise erstaunlich frei von den Zwängen des globalen Popgeschäfts leben konnte. Zwischen der Studioarbeit am Arabellapark, langen Nächten in der City und engen Freundschaften in der Münchner Szene entstand über die Jahre eine besondere Bindung: München gab Mercury Raum, sich (beispielsweise mit Schnauzbart) neu zu erfinden – als Künstler ebenso wie als Privatmensch mit all seinen Obsessionen.
München bot Freddie Mercury genau jene Mischung, die ihn anzog: ein erstklassiges Studio, internationale Stars, die sich in der Stadt tummelten, offene Menschen, die ihm entspannt begegneten und eine erstaunlich vielfältige, schwule Szene. Im von Giorgio Moroder gegründeten Musicland Studio im Keller des Arabella-Hochhauses entstanden zahlreiche bedeutende Hits von Queen, darunter unvergessene Klassiker wie „Crazy little thing called love”, „Another one bites the dust”, „One vision” oder „It’s a hard life”. Von letzteren beiden Songs wurden die dazugehörigen Videos ebenfalls in München gedreht. Die Stadt war also Kulisse für Ton- und Bildaufnahmen, aber auch für einige nächtliche Exzesse und amüsante Anekdoten. In erster Linie war sie aber ein zentraler Arbeitsort in einer äußerst produktiven Phase der Band.
Gerade das Musicland Studio, das schon Donna Summer in den 70ern zu „I feel love” hingerissen hatte, machte München für Queen attraktiv. Produzent Reinhold Mack, der mit der Band eng zusammenarbeitete und Freddie zum Patenonkel seines Sohnes machte, prägte den Sound mehrerer Queen-Produktionen entscheidend mit. Er riet der Band, technischen Neuerungen aufgeschlossen gegenüberzustehen, sich also beispielsweise dem Synthesizer-Sound zu öffnen. Im Musicland bot sich ein Umfeld, in dem musikalische Ideen schnell, unmittelbar und ohne große Distanz zwischen Künstlern, Technikern und Produzenten umgesetzt werden konnten.
Herbi Alex vor dem Paradiso C PhilipEssinger
Freddie Mercury liebte München auch, weil die Stadt nachts anders tickte als tagsüber. In Bars wie dem Mrs. Henderson, Clubs wie dem Sugar Shack und Restaurants wie Kay’s Bistro trafen sich Stars aus Musik und Film, Szenegrößen und Menschen, die den Weltstar nicht als unnahbare Ikone ansahen. Mercury konnte zwar nie völlig anonym sein, doch München erlaubte ihm ein Stück Normalität – und zugleich genau jene glamouröse, hedonistische Freiheit, die zu seiner Persönlichkeit passte. Besonders die Münchner Schwulenszene der frühen 1980er-Jahre spielte für ihn eine wichtige Rolle. Mit dabei: Schauspielerin und Szenekennerin Barbara Valentin, die für Freddie zu einer engen Freundin wurde. Sie öffnete ihm Türen zur Münchner Nachtwelt, sie beschaffte ihm Drogen und sorgte für reichlich Spaß. Dass München im Film „Bohemian Rhapsody” als eine Art Sündenpfuhl nicht so gut wegkommt, hat sicherlich auch mit dem Alkohol- und Drogenkonsum jener Zeit zu tun.
Während Freddie Mercury Anfang der 80er in London längst ein Superstar war, der auf Schritt und Tritt verfolgt wurde, konnte sich München als eine Art Gegenwelt etablieren. Hier konnte er arbeiten, feiern und Freundschaften pflegen, ohne dass dies gleich in der Öffentlichkeit breitgetreten wurde. München war mondän genug für Freddie Mercury – und zugleich bodenständig genug, um ihm Luft zum Atmen zu lassen. Diese Freiheit war wohl einer der wichtigsten Gründe, warum er immer wieder in die Stadt zurückkehrte und sich hier sogar eine feste Wohnung nahm, während seine Bandkollegen eher nur zu den Studioaufnahmen einflogen.
Entscheidend für Freddies Wellbeing waren aber vor allem die Menschen, die er in München kennengelernt hat: Winnie Kirchberger, Peter Ambacher alias Miss Piggy, Kay Wörsching, Franz Prost, Reinhold Mack, Barbara Valentin und Ingeborg Schober, um nur einige zu nennen. München wurde für Freddie Mercury schnell zu einem Ort, an dem Beruf und Privatleben fast schon miteinander verschmolzen. Die Stadt bot ihm viel zwischenmenschliche Nähe zu Zeitgenossen, die ihn schätzten, beruflich und privat begleiteten und ihn nicht ausschließlich als globale Popikone sahen.
Freddie Mercurys Zuneigung zu München ist nicht vergleichbar mit einer nostalgischen Urlaubsliebe, sondern es ist eher das Ergebnis einer günstigen Konstellation aus Kreativität, Freundschaft und Freiheit. Hier entstand tolle Musik, hier wurde miteinander gefeiert, hier lebte er die schwule Seite seines Lebens besonders intensiv aus. München war für ihn ein wichtiger Resonanzraum – eine Stadt, in der der große Bühnenmensch Freddie Mercury zeitweise einfach Fred (wie ihn viele hier auch nannten) sein konnte. Oder wahlweise auch Fredi Merkur, wie auf der handgeschriebenen Getränkerechnung zu seiner legendären Geburtstagsfeier am 5. September 1985 im Mrs. Henderson (heute Paradiso Tanzbar) zu lesen war. Was bei der Party alles abging, könnt ihr euch übrigens im Video zu Freddie Mercurys Single „Living on my own” ansehen.
Alex Wulkow
Die Queen-Touren von MucTours
Autor Alex Wulkow organisiert mit seiner Stadtführungsagentur MucTours (www.muctours.de) zweimal im Monat Touren durchs Gärtnerplatz- und Glockenbachviertel auf den Spuren von Freddie Mercury und seiner Band Queen. Am 5. September 2026, also am 80. Geburtstag von Freddie, sind es gleich vier an der Zahl. Für die Mittagstour mit Brunch im Hard Rock Cafe am Platzl sind noch Plätze frei.