Solarbonus in Deutschland: Lieber langsam anfangen
Zwei unterschiedliche Machbarkeitsstudien haben untersucht, ob ein solches Modell auch in Deutschland funktionieren könnte. Die erste erschien im Juli im Fachjournal „Renewable Energy“, die zweite wurde von dem energiepolitischen Sprecher der Grünen im Bundestag, Michael Kellner, in Auftrag gegeben und vom Beratungsunternehmen Neon Neue Energieökonomik erstellt.
In der ersten Studie geht es vor allem um die Frage, ob der Solarbonus überhaupt etwas bringt und die Menschen tatsächlich ihr Verhalten verändern. Dazu hat es dem Autor zufolge bisher keine Studien gegeben. Mögliche Verhaltesänderungen im Vorfeld schon festzustellen hält er deshalb für besonders wichtig – ansonsten wäre der Solarbonus nur ein teures Geschenk, das dem Stromsystem wenig nützt.
Er empfiehlt daher, nicht wie in Australien direkt mit dem Solarbonus zu starten, sondern das Modell stufenweise einzuführen. So könnte man zunächst nur ausgewählte Haushalte mit Smart Metern einbeziehen und diese per Textnachricht, App oder Mail auf die Möglichkeit des kostenlosen Stroms hinweisen. Sobald das Zeitfenster eintritt, könnte der Netzbetreiber anhand der Smart-Meter-Daten messen, ob sich das Verhalten des Verbrauchers auch wirklich verändert.
Netzbetreiber könnten auf diese Weise untersuchen, ob das Gratisstromangebot wirklich genutzt wird und gegebenenfalls Anpassungen vornehmen, wenn es unvorhergesehene Nebeneffekte gibt. Erst danach würde man das Angebot an alle Haushalte ausrollen.
Gratis-Strom nur für Haushalte mit Smart Meter?
Der Studienautor erwähnt auch am Rande, dass kostenloser Strom positive soziale Effekte haben könnte, da ärmere Haushalte in diesen Zeiten in den Genuss von Aktivitäten kommen könnten, die sie üblicherweise meiden, um Geld zu sparen. Man denkt hier an das Einschalten von Klimaanlagen oder Unterhaltungselektronik.
Die Studie im Fachjournal geht allerdings davon aus, dass teilnehmende Haushalte Smart Meter installiert haben und dadurch zielgenaue Messungen möglich wären. Die sind aber in Deutschland eher rar gesät: Es gibt kaum Haushalte mit intelligenten Stromzählern. Deshalb hat die zweite Machbarkeitsstudie einen anderen Ansatz: Für die Haushalte ohne Smart Meter gibt es eine feste Menge an Stromstunden, die jedes Jahr gratis sind. Das senkt die gesamte Stromrechnung ab – laut Studie um rund 43 Euro pro Jahr bei einem Stromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden im Jahr.
Für Haushalte mit Smart Meter würde das System genauso funktionieren wie in Australien und Großbritannien. Zu bestimmten Zeiten wird der Strom kostenlos angeboten, vermutlich profitieren diese Haushalte dann noch mehr. Dadurch entstünde ein neuer Anreiz für Haushalte ohne intelligenten Zähler, einen Smart Meter zu installieren.
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