Nach dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung haben der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) eine beim Senat eingegangene Lösegeldforderung entschieden zurückgewiesen. „Das Land Berlin lässt sich nicht erpressen“, erkärten sie in einer gemeinsamen Pressemitteilung am Freitagnachmittag.

Damit bestätigten sie die am Donnerstagabend vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) veröffentlichte Meldung, dass Lösegeldforderungen an das Land Berlin eingegangen sein sollen. Zur Höhe der Forderungen machten Wegner und Spranger keine Angaben.

Gegen die mutmaßlichen Täter hätten in enger Zusammenarbeit das Landeskriminalamt Berlin, die Staatsanwaltschaft und die Sicherheitsbehörden des Bundes die Ermittlungen aufgenommen, hieß es weiter. Auch die Untersuchungen zu Inhalt und Umfang der abgeflossenen Daten liefen mit großer Intensität weiter, teilten Wegner und Spranger mit.

Zuvor war am Morgen eine Sondersitzung einberufen worden. Das hatte eine Sprecherin der Senatskanzlei auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) mitgeteilt. „Heute Morgen um 9.30 Uhr hat eine gemeinsame Sitzung mit dem Regierenden Bürgermeister, und der Innensenatorin mit Sicherheitsbehörden aus Bund und Ländern stattgefunden.“

Für 15.30 Uhr ist eine Senatssitzung geplant, bei der die Mitglieder der Landesregierung sowie alle Fraktionschefs über die Lage nach dem Hackerangriff informiert werden sollen.

Die Handlungsfähigkeit unseres Staates steht nicht zum Verkauf.

Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch

Dem Tagesspiegel war die Darstellung am Donnerstagabend nicht bestätigt worden. Intern sei eine Lösegeldforderung oder Erpressung des Berliner Senats bislang nicht kommuniziert worden, hatten Insider erklärt.

Der Senat müsse schnell ein belastbares Bild der Bedrohungslage gewinnen und das Parlament umfassend informieren, hatte Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch noch vor der Erklärung von Wegner gefordert. „Sollte die Lösegeldforderung tatsächlich von den Angreifern stammen, muss klar sein: Die Handlungsfähigkeit unseres Staates steht nicht zum Verkauf“, so die Grünen-Politikerin.

Auch AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker forderte umfassende Aufklärung. „Offensichtlich versucht der Senat, die Angelegenheit bis zur Wahl möglichst kleinzuhalten. Diese Salamitaktik ist inakzeptabel“, kritisierte sie.

Es müsse auf den Tisch kommen, was über die Angreifer bekannt sei und in welchem Umfang die Hacker Zugriff auf die IT der Berliner Verwaltung hatten. Für Brinker stellen sich noch weitere Fragen: „Besteht die Möglichkeit, dass durch den Hack Einfluss auf die Organisation der Wahl zum Abgeordnetenhaus oder gar auf deren Ergebnisfeststellung genommen wird?“

Cyberangriff war tagelang unbemerkt geblieben

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Angriff bereits deutlich früher begonnen hatte als bislang bekannt. Wie die Senatskanzlei am Mittwoch auf Nachfrage erklärte, hat die Senatsverkehrsverwaltung erstmals am 7. August einen Datenabfluss gemeldet. Warum die Behörde genau wie die ebenfalls betroffene Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erst sieben Tage später – am 14. August – vom Netz getrennt wurde, ist unklar.

Zudem bestätigte die Senatskanzlei, dass im Zuge der laufenden Untersuchungen weitere Datenabflüsse festgestellt wurden. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Geschäftsbereich der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auch personenbezogene oder sonstige nicht-öffentliche Daten betroffen sind“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Senatskanzlei erhielt laut einer Sprecherin der Senatskanzlei am 25. August 2026 entsprechende Hinweise. Der Datenabfluss sei am 26. August 2026 durch die betroffene Senatsverwaltung bestätigt worden.

Indirekt bestätigte Florian Hauer, Chief Digital Officer des Landes Berlin, in seinem Statement die anhaltende Unwissenheit des Senats in Bezug auf den Hackerangriff. „Sobald wir belastbare Erkenntnisse zum Umfang und Inhalt der Daten haben, werden wir die zuständigen parlamentarischen Gremien und Stellen informieren“, sagte Hauer. Derzeit gehe er davon aus, dass der Angriff eingedämmt werden konnte. Eine Festlegung klingt anders.

Viele Fragen bleiben offen

Bereits am Montag hatte der zuständige Staatssekretär erkennen lassen, dass Senat und Sicherheitsbehörden bei der Untersuchung des Vorfalls vor zahlreichen offenen Fragen stehen. Wann der Angriff erfolgte, wer ihn warum durchgeführt hat und ob der Angriff beendet und das Landesnetz wieder sicher sei, vermochte Hauer Tagesspiegel-Informationen zufolge auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht zu erklären. „Es ist zu früh, eine absolute Entwarnung zu geben“, sagte Hauer am Montag. Die Mitteilung vom Mittwoch scheint ihn darin zu bestätigen.

Tagesspiegel-Informationen zufolge sind aktuell zahlreiche Mitarbeiter des US-Unternehmens Crowdstrike damit befasst, den erfolgreichen Angriff auf das Berliner Landesnetz zu untersuchen. Da sämtliche Senatsverwaltungen und Landesbehörden von dem Scan umfasst sind, dürfte die Kontrolle noch Tage anhalten. Nicht ausgeschlossen ist, dass noch weitere Datenverluste erkannt werden.

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Am vergangenen Sonntag waren die beiden betroffenen Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Mobilität wieder ans Netz genommen worden. Sie seien „grundsätzlich arbeitsfähig“, hieß es dazu aus der Senatskanzlei. Tagesspiegel-Informationen zufolge stimmt das nur zum Teil. Während einzelne Mitarbeiter berichten, bereits seit Montag wieder störungsfrei arbeiten zu können, berichten andere von massiven Einschränkungen.

In der Folge würden aktuell viele Mitarbeiter private Internetzugänge fürs berufliche Surfen nutzen, wie ein Mitarbeiter dem Tagesspiegel-Newsletter „Checkpoint“ erklärte. Dadurch wiederum entstehen neue Risiken für die IT-Sicherheit. (mit dpa)