Nach dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung haben der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) den Versuch einer Erpressung des Landes bestätigt – und entschieden zurückgewiesen. „Das Land Berlin wird sich nicht erpressen lassen“, sagte der Regierende am Freitagnachmittag.

Indirekt bestätigte Wegner die am Donnerstagabend vom Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) veröffentlichte Meldung, wonach eine Lösegeldforderung an das Land Berlin eingegangen sein soll. Zur Höhe der Forderungen machten Wegner und Spranger am Freitag keine Angaben. Auch dazu, wer die Erpresser sind, trafen beide keine Aussage. Fragen waren im Anschluss an das wenige Minuten dauernde Statement nicht zugelassen.

Zuvor hatte Wegner in einem ungewöhnlichen Schritt die Fraktionsvorsitzenden aller im Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien zu einer Informationsrunde eingeladen. Tagesspiegel-Informationen zufolge nahmen daran auch Vertreter von Staatsanwaltschaft, Landeskriminalamt und dem Institut für Sicherheit in der Informationstechnik teil. Die bislang vorliegenden Informationen scheinen aber auch dort dürftig.

Täter formulierten ein Ultimatum

Fest steht aktuell anscheinend nur, wie viele Daten im Zuge des spätestens am 7. August gestarteten Hackerangriffs abgeflossen sind. 5,7 Tera-Byte – sprich 5700 Giga-Byte – Daten der Senatsverwaltung für Umwelt und Verkehr sollen Tagesspiegel-Informationen zufolge kopiert worden sein. Um welche Daten genau es sich dabei handelt, ist Gegenstand laufender Untersuchungen. Zugang zum Landesnetz verschafften sich die Täter offenbar durch den Klick eines Mitarbeiters auf eine Phishing-Mail.

Vage sind bislang auch die Angaben dazu, wer hinter der Attacke steckt. Tagesspiegel-Informationen zufolge haben die Behörden Hinweise auf eine Gruppe, die in der Vergangenheit durch ähnliche Attacken aufgefallen ist. Darauf, dass staatliche Akteure hinter der Aktion stecken, gebe es derzeit keine Hinweise. Die Erpressung selbst soll durch Einträge im Darknet und die persönliche Kontaktaufnahme zu einem Berliner Staatssekretär kommuniziert worden sein. Angeblich wurde ein Ultimatum formuliert: Freitagnachmittag, 16 Uhr.

Die Handlungsfähigkeit unseres Staates steht nicht zum Verkauf.

Bettina Jarasch, Grünen-Fraktionsvorsitzende

Der Senat müsse schnell ein belastbares Bild der Bedrohungslage gewinnen und das Parlament umfassend informieren, hatte Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch noch vor der Erklärung von Wegner gefordert. „Sollte die Lösegeldforderung tatsächlich von den Angreifern stammen, muss klar sein: Die Handlungsfähigkeit unseres Staates steht nicht zum Verkauf“, so die Grünen-Politikerin.

Auch die ebenfalls zu dem Krisentreffen eingeladene AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker forderte umfassende Aufklärung. „Offensichtlich versucht der Senat, die Angelegenheit bis zur Wahl möglichst kleinzuhalten. Diese Salamitaktik ist inakzeptabel“, kritisierte sie.

Spranger: Wahl ist nicht gefährdet

Es müsse auf den Tisch kommen, was über die Angreifer bekannt sei und in welchem Umfang die Hacker Zugriff auf die IT der Berliner Verwaltung gehabt hätten. Für Brinker stellen sich noch weitere Fragen: „Besteht die Möglichkeit, dass durch den Hack Einfluss auf die Organisation der Wahl zum Abgeordnetenhaus oder gar auf deren Ergebnisfeststellung genommen wird?“

Zumindest diese Sorge versuchte Innensenatorin Spranger zu zerstreuen. „Nach jetzigem Stand ist die Wahlumgebung sicher“, sagte sie und erklärte, es seien aus den für die Durchführung der wahlrelevanten Bereiche „keinerlei Daten abgeflossen“.

Cyberangriff war tagelang unbemerkt geblieben

Am Mittwoch war bekannt geworden, dass der Angriff bereits deutlich früher begonnen hatte als zunächst kommuniziert. Wie die Senatskanzlei am Mittwoch auf Nachfrage erklärte, hat die Senatsverkehrsverwaltung erstmals am 7. August einen Datenabfluss gemeldet. Warum die Behörde genau wie die ebenfalls betroffene Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erst sieben Tage später – am 14. August – vom Netz getrennt wurde, ist unklar.

Zudem bestätigte die Senatskanzlei, dass im Zuge der laufenden Untersuchungen weitere Datenabflüsse festgestellt wurden. „Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass im Geschäftsbereich der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt auch personenbezogene oder sonstige nicht-öffentliche Daten betroffen sind“, heißt es in der Pressemitteilung.

Die Senatskanzlei erhielt laut einer Sprecherin der Senatskanzlei am 25. August 2026 entsprechende Hinweise. Der Datenabfluss sei am 26. August 2026 durch die betroffene Senatsverwaltung bestätigt worden.

Indirekt bestätigte Florian Hauer, Chief Digital Officer des Landes Berlin, in seinem Statement die anhaltende Unwissenheit des Senats in Bezug auf den Hackerangriff. „Sobald wir belastbare Erkenntnisse zum Umfang und Inhalt der Daten haben, werden wir die zuständigen parlamentarischen Gremien und Stellen informieren“, sagte Hauer am Mittwoch. Er gehe davon aus, dass der Angriff eingedämmt werden konnte, ergänzte er. Am Freitag äußerte sich Hauer nicht persönlich.

Viele Fragen bleiben offen

Bereits am Montag hatte der zuständige Staatssekretär erkennen lassen, dass Senat und Sicherheitsbehörden bei der Untersuchung des Vorfalls vor zahlreichen offenen Fragen stehen. Wann der Angriff erfolgte, wer ihn warum durchgeführt hat und ob der Angriff beendet und das Landesnetz wieder sicher sei, vermochte Hauer Tagesspiegel-Informationen zufolge auch unter Ausschluss der Öffentlichkeit nicht zu erklären. „Es ist zu früh, eine absolute Entwarnung zu geben“, sagte Hauer am Montag. Die Mitteilung vom Mittwoch scheint ihn darin zu bestätigen, genau wie das Statement Wegners vom Freitag.

Tagesspiegel-Informationen zufolge sind aktuell zahlreiche Mitarbeiter des US-Unternehmens Crowdstrike damit befasst, den erfolgreichen Angriff auf das Berliner Landesnetz zu untersuchen. Da sämtliche Senatsverwaltungen und Landesbehörden von dem Scan umfasst sind, dürfte die Kontrolle noch mehrere Tage anhalten. Nicht ausgeschlossen ist, dass noch weitere Datenverluste erkannt werden.

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Am vergangenen Sonntag waren die beiden betroffenen Senatsverwaltungen für Stadtentwicklung und Mobilität wieder ans Netz genommen worden. Sie seien „grundsätzlich arbeitsfähig“, hieß es dazu aus der Senatskanzlei. Tagesspiegel-Informationen zufolge stimmt das nur zum Teil. Während einzelne Mitarbeiter berichten, bereits seit Montag wieder störungsfrei arbeiten zu können, berichten andere von massiven Einschränkungen.

In der Folge würden aktuell viele Mitarbeiter private Internetzugänge fürs berufliche Surfen nutzen, wie ein Mitarbeiter dem Tagesspiegel-Newsletter „Checkpoint“ erklärte. Dadurch wiederum entstehen neue Risiken für die IT‑Sicherheit. (mit dpa)