Die Wetten für Augsburgs Oberbürgermeister Florian Freund waren äußerst wohlwollend. Kaum ein Gast im Schallerzelt ging davon aus, dass der OB seinen ersten Fassanstich am Plärrer mit einer Bierfontäne krönen würde. Und so mancher Plärrerbesucher traute dem Stadtoberhaupt sogar zu, das Fass mit zwei bis drei Schlägen anzuzapfen. Das allerdings gelang nicht: Zum Schluss waren es sechs souveräne Schläge. Vielleicht trug auch eine Geheimwaffe, der „Bürgermeisterschlägel“, zu diesem Ergebnis bei.

Wie viele Schläge brauchte OB Florian Freund beim Plärrer-Fassanstich?

Vor der Bühne hatten sich zahlreiche Schaulustige versammelt, die den Oberbürgermeister in Aktion sehen wollten und die natürlich auf eine Maß Freibier nach dem Anstich spekulierten. Und wie groß das Interesse der Öffentlichkeit an Freunds erstem Plärrer-Auftritt war, zeigten auch die zahlreichen Fotografen, Filmteams und Medienvertreter, die ganz nah auf Tuchfühlung beim OB standen.

Thorbräuchef Max Kuhnle hat in seiner Zeit als Bierlieferant fürs Schallerfestzelt schon so manchen Oberbürgermeister bei seinem Plärrer-Anstich begleitet. „Ich habe echt schon alles gesehen“, sagt er und lacht. „Bürgermeister, die den Zapfhahn mit zwei Schlägen versenkt haben – und solche, die den Hahn mit brachialer Gewalt ganz ins Fass hineingeschlagen haben.“ Weniger als zwei Schläge sind eigentlich nicht möglich, verrät der Profi. „Mit dem ersten Schlag sitzt der Hahn im Fass, der zweite dient Profis nur noch zur Sicherung“, berichtet er.

Obwohl er im Vorfeld trainiert hatte, sah man Florian Freund eine leichte Nervosität an. Schließlich waren die Augen eines vollen Festzeltes auf ihn gerichtet. Aber er hatte eine Geheimwaffe dabei: den OB-Schlägel der Stadt. Dieser besondere Holzhammer wird unter dem Jahr bei der Stadt verwahrt und nur zum Plärrer herausgegeben. Schon Oberbürgermeister Kurt Gribl und auch Eva Weber bedienten sich dieses besonderen „Power-Schlägels“. Der herkömmliche Schlägel ist aus Holz und wiegt rund 600 Gram, erklärte Martin Djuran, der das Fass für den OB vorbereitet hatte. „Der OB-Schlägel hat einen Eisenkern und wiegt mehrere Kilo – mit dem hat man natürlich eine ganz andere Power“, verriet der Mann, der im Schallerzelt für den Ausschank zuständig ist.

„Ich weiß gar nicht, wo dieser Schlägel her ist – ich habe erst vor Kurzem entdeckt, dass es ihn gibt“, freute sich Freund vor dem Anstich. Genau genommen gibt es sogar zwei Schlägel – einen in traditioneller Hammerform und einen mit einem runden Kopf. Weil er mit dem Hammer zuvor bei Riegele trainiert hatte, entschied sich Freund für den Hammer-Schlägel, der ihm offensichtlich Glück brachte.