Es ist der schlimmste Albtraum, den sich werdende Eltern vorstellen können: ein Baby, das plötzlich viel, viel zu früh auf die Welt drängt – und das weit weg von zu Hause, in einem fremden Land. Für ein junges Paar aus Moers ist er wahr geworden. Aus ein paar unbeschwerten Urlaubstagen mit der Familie auf Korfu werden für die P.s im Mai von jetzt auf gleich die wohl furchtbarsten und angsteinflößendsten Monate ihres Lebens.

Am 9. Mai kommt der kleine Leon in der 27. Schwangerschaftswoche per Notkaiserschnitt zur Welt. „Völlig unerwartet, viel zu früh, viel zu klein, viel zu zerbrechlich und noch lange nicht bereit für diese Welt“: So beschreibt Vater Stefan P. die Situation in einem Spendenaufruf, den er wenig später über die Spendenplattform GoFundMe einrichtet. Leon wiegt damals nur 785 Gramm – so viel wie fünf bis sechs Äpfel oder zwei Taschenbücher. Stefan P. möchte Geld für einen Ambulanzflugsammeln, um seinen Sohn und seine Frau nach Deutschland zu bringen.

„Das Krankenhaus auf Korfu war nicht auf die Versorgung eines so extremen Frühchens vorbereitet“, sagt der Moerser. „Deshalb musste unser Sohn auf das griechische Festland in ein Krankenhaus mit Neonatologie verlegt werden. Anfangs hieß es, Leon könnte vielleicht Ende Juli nach Hause. Wir klammerten uns an diese Hoffnung. Doch aus Tagen wurden Wochen – und aufgrund verschiedener Komplikationen liegt unser kleiner Junge inzwischen seit über drei Monaten im Inkubator.“

Leons Alltag im griechischen Krankenhaus besteht seinerzeit aus medizinischer Versorgung, Geräten und einem Krankenhauszimmer. Doch was ein so kleines Wesen am meisten brauche, nämlich Liebe, tröstenden Hautkontakt und Nähe, sei ihm dort nicht geboten worden, sagt P. Seine Mama habe ihn nur einmal am Tag für etwa eine halbe Stunde sehen und bei ihm sein dürfen.

Jede Minute fühlt sich an wie eine Ewigkeit

„Für Eltern ist es kaum auszuhalten, das eigene Kind so selten besuchen zu dürfen und zu wissen, dass es mit all der Angst und dem Schmerz der Behandlungen alleine ohne mütterlichen Trost klarkommen muss“, beschreibt der Vater die Verzweiflung in diesen Tagen. „Jede Minute, in der man sein eigenes Kind nicht sehen kann, fühlt sich wie eine Ewigkeit an.“

Auch für Leon ist die Situation damals belastend. Dann kommen weitere Komplikationen hinzu. Stefan P. und seine Frau wollen nicht länger einfach nur hoffen, dass sich die Situation irgendwann von selbst verändert; sie wissen, dass sie handeln müssen.

„Wir möchten Leon und seiner Mama die Chance geben, gemeinsam nach Deutschland verlegt zu werden – in eine familienfreundliche Klinik, in der die Mutter-Kind-Bindung gefördert wird und Nähe endlich wieder möglich ist“, schreibt P.. „Känguruhen: Haut an Haut. Eine Mama, die ihr Baby zu jeder Zeit in den Arm nehmen darf. Eine Familie, die zusammen sein kann.“ Für viele Menschen seien diese Dinge selbstverständlich, sagt P.. Für Leon und seine Mama waren sie ein großer Wunsch.

Ein Ambulanzflug kostet zwischen 20.000 und 40.000 Euro

Das Problem: Ein Ambulanzflug mit Intensivmedizin von Griechenland nach Deutschland kostet zwischen 20.000 und 40.000 Euro. Alleine als Familie konnten die P.s das nicht stemmen. Am 17. August richtete Stefan P. deshalb den Spendenaufruf ein.

Innerhalb kürzester Zeit kam darüber so viel Geld zusammen, dass der Ambulanzflug gebucht werden konnte – noch vor Erreichen des Spendenziels von 35.000 Euro. Einen Teil konnten die P.s privat zuschießen. Insgesamt, heißt es, sei die finanzielle Lage nach Monaten im Ausnahmezustand aber angespannt. Deshalb ist der Spendenaufruf auch noch aktiv. 28.316 Euro sind bis zum 28. August zusammengekommen. Die NRZ hatte zuerst berichtet.

Am 24. August konnten Leon und seine Mama sicher zurück nach Deutschland transportiert werden. Sie befinden sich mittlerweile in einem Moerser Krankenhaus.

Wer für die Familie spenden möchte, gelangt über www.gofundme.com auf die Webseite der Spendenplattform.