Genossenschaft

von Konstantin Henß, MDR SACHSEN

Stand: 28.08.2026 15:18 Uhr

Steigende Mieten und wenig bezahlbare Wohnungen verteuern das Leben in den Großstädten. Auch in Leipzig. Einige Menschen wollen das nicht mehr hinnehmen: Sie schließen sich privat zu Genossenschaften zusammen, bauen ihre eigenen Wohnungen schaffen so dauerhaft bezahlbaren Wohnraum. Ein Beispiel ist das Projekt Leika in Connewitz.

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Als Melanie Lotte Storch 2019 zum ersten Mal von der Idee von Leika hörte, ging es um eine Entwicklung, die Leipzig bis heute beschäftigt: Rund um den Leopoldpark zwischen der Leopoldstraße und der Wolfgang-Heinze-Straße sind ihrer Aussage nach Grundstücke, die zuvor der Stadt gehört hätten, an private Investoren verkauft worden. Entstanden seien Wohnungen im oberen Preissegment. „Wir dachten uns, das ist nicht das, was Leipzig oder Connewitz braucht“, so Storch.

Über fünf Stockwerke hinweg werden barrierefreie Wohnungen und Sozialwohnungen entstehen.

Also tat sie sich mit Freunden zusammen und schmiedete einen Plan. Die Idee: Statt Wohnraum als Ware für den höchstmöglichen Preis zu betrachten, soll ein Grundstück dauerhaft gemeinschaftlich genutzt werden. Leika war geboren und erhielt den Zuschlag für ein Grundstück an der Wolfgang-Heinze-Straße 29, im sogenannten Konzeptvergabeverfahren. Dabei war nicht allein das Geld entscheidend, sondern die Frage, welches Konzept dem Viertel am meisten bringt.

20 Sozialwohnungen – dauerhaft

Das Ergebnis soll ein Haus mit 36 Wohnungen werden: 20 davon sind laut Melanie Storch Sozialwohnungen, 16 freifinanzierte Wohnungen. Für die Sozialwohnungen benötigten Interessenten einen Wohnberechtigungsschein. Die freifinanzierten Wohnungen würden teurer vermietet und sollen helfen, die geförderten Wohnungen zu bezahlen.

Das Grundgerüst des Hauses steht. Die unterschiedlichen Räume und Wohnungen werden mittels eingezogener Wände aufgeteilt.

Der Rohbau steht, im Herbst beginnt der Innenausbau in den Genossenschaftswohnungen.

Besonders findet Melanie Lotte Stroch die langfristige Bindung. Während Sozialwohnungen häufig nur für einen begrenzten Zeitraum gefördert und anschließend frei vermietet werden können, sollen die Leika-Wohnungen dauerhaft Sozialwohnungen bleiben.

Damit reagiert das Projekt auf ein Problem, das in Leipzig immer größer wird. Die monatliche Gesamtmiete ist laut Stadt Leipzig von 8,67 Euro im Jahr 2021 auf 10,25 Euro pro Quadratmeter im Jahr 2025 gestiegen. Damit liegt die Miete hier über dem Durchschnitt in Sachsen und bundesweit.

Im Raum auf der Dachterrasse des Leika wird ein Gemeinschaftsraum entstehen.

Im Raum auf der Dachterrasse des Hauses wird ein Gemeinschaftsraum entstehen.

Für Storch ist die Entwicklung nicht nur eine Statistik. Sie erlebt sie selbst. Das Haus, in dem sie wohnt, sei von einem börsennotierten Unternehmen gekauft worden. Seitdem werde die Miete „so oft es geht“ erhöht. „Lange können wir es uns da auch nicht mehr leisten zu wohnen“, sagt sie. Und: „Der Wohnungsmarkt ist grausam in deutschen Goßstädten.“

Genossenschaft als Gegenmodell

Genau hier sieht Storch die Stärke von Genossenschaften. Anders als bei einem profitorientierten Unternehmen würden bei Leika die Bewohnerinnen und Bewohner selbst entscheiden, was mit den Mieteinnahmen passiere.

Gewinnmaximierung ist nicht das, was die Leute, die hier wohnen, als oberstes Ziel haben.

Melanie Lotte Storch | Mitgründerin

Das Modell hat allerdings seinen Preis und zwar zunächst in Form von viel persönlichem Einsatz. Die Gründung, Finanzierung und Planung wurden jahrelang ehrenamtlich organisiert. „Es ist wirklich viel Arbeit, viel Schweiß, wirklich viele graue Haare“, sagt Storch. Teilweise hätten Mitglieder wegen der Belastung auch eine Pause gebraucht.

Die Gruppe bezahlt das Haus über Bankkredite, Fördergelder von Stadt und Land und mit eigenem Geld. Auch Menschen, die später nicht selbst dort wohnen, können Genossenschaftsanteile kaufen und damit den Bau unterstützen.

Mietshäuser und Plattenbauten in Leipzig im Juli 2022.

Wohnungsmarkt Mitteldeutschland

Bauen trotz steigender Kosten

Einfacher wurde das Projekt in den vergangenen Jahren nicht. Corona, steigende Rohstoffpreise und das Wegbrechen eines KfW-Förderprogramms hätten die Gruppe vor große Herausforderungen gestellt, berichtet Storch.

Trotzdem ist inzwischen ein Meilenstein erreicht: Im August wurde Richtfest gefeiert. Der Rohbau ist laut Storch weitgehend fertig, als Nächstes beginnt der Innenausbau. Im Sommer 2027 sollen die ersten Bewohnerinnen und Bewohner einziehen.

Ins Erdgeschoss des LEIKA wird eine für alle frei zugängliche Kantine einziehen.

Im Erdgeschoss soll eine für alle frei zugängliche Kantine einziehen.

Das Haus soll dabei mehr sein als ein Wohngebäude. Im Erdgeschoss sind eine Kantine, ein Nachbarschaftstreff und Räume für soziale Träger geplant. Außerdem entstehen barrierearme Wohnungen und sogenannte Cluster-Wohnungen für Menschen mit mehrfachen Behinderungen. Dabei haben die Bewohner eigene kleine Wohnbereiche, teilen sich aber die Küche und Gemeinschaftsräume.

Ein Modell für Leipzig?

Leika will deshalb nicht nur ein einzelnes Wohnprojekt bleiben. Storch glaubt, dass Genossenschaften grundsätzlich helfen können, den angespannten Wohnungsmarkt zu verändern:

Ich glaube absolut, dass Genossenschaften Lösungen für das Wohnproblem in jeder Stadt sind.

Melanie Lotte Storch | Mitgründerin einer Genossenschaft

Einfach übertragen lässt sich das Modell allerdings nicht. Vor allem die Grundstückspreise seien ein Problem. Kommunen müssten Flächen zur bereitstellen, die gemeinwohlorientierte Projekte auch bezahlen können. „Da an den Meistbietenden zu verkaufen, das funktioniert nicht“, findet Storch.

Eine Maschine vermisst die Wände mit Hilfe von Lasern.

Mit Hilfe von Lasern werden die Wohnraumgrößen vermessen.

Leika konnte auf dem Grundstück in Connewitz entstehen, weil nicht nur nach dem höchsten Preis entschieden wurde. Für Storch ist das ein entscheidender Punkt: Leipzig brauche nicht noch mehr Luxuswohnungen, sondern Wohnraum, den sich die Mehrheit der Stadtgesellschaft leisten kann.

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MDR (kk)