
AUDIO: Braucht Mitteldeutschland wieder Nacht-Taxis für Frauen? (3 Min)
Sicher nach Hause
Stand: 29.08.2026 05:00 Uhr
Nachts allein nach Hause zu gehen ist für viele Frauen kein entspannter Heimweg. Unsicherheit und Angst sind dabei ständige Begleiter. In einigen deutschen Städten gibt es deshalb sogenannte Frauen-Nacht-Taxis. Die Kommunen bezuschussen solche Fahrten. In Mitteldeutschland gibt es das aktuell aber nirgends. Warum ist das so und soll es geändert werden?

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Spät abends sind in Leipzig nur noch wenige Menschen auf den Straßen unterwegs, es ist dunkel und der Nachtbus fährt nur einmal die Stunde. Für viele Frauen gehört hier ein mulmiges Gefühl zum nächtlichen Heimweg, wie sie erzählen.
Eine Frau sagt, sie fühle sich besonders dann unwohl, wenn ihr nachts männliche Personen begegneten – manchmal habe sie sogar das Gefühl, verfolgt zu werden. Eine andere berichtet von eigenen Erfahrungen mit Übergriffen: Sie sei bereits angesprochen, angefasst und verfolgt worden. Auch öffentliche Verkehrsmittel vermittelten nicht immer ein Gefühl von Sicherheit. Gleichzeitig stelle sich die Frage der Kosten: Gerade für Studentinnen seien regelmäßige Taxifahrten oft schlicht zu teuer.
Aus Kostengründen wieder eingestellt
Genau hier setzt die Idee des Frauen-Nacht-Taxis an: Durch einen Zuschuss von der Stadt wird die Fahrt günstiger. In manchen deutschen Städten wie Freiburg oder Osnabrück wird das System genutzt. Auch in Mitteldeutschland gab es in den 1990er und 2000er Jahren mal solche Angebote in Halle, Magdeburg und Jena. Wegen zu hoher Kosten wurden sie aber wieder eingestellt.
Leipzig: Debatte um Frauen-Taxis neu angestoßen
In Leipzig hat eine Online-Petition die Debatte um Frauen-Nacht-Taxis im letzten Jahr neu angestoßen. Die Petition selbst wurde zwar nicht angenommen, aber der Stadtrat hat auf Antrag der Grünen beschlossen, die Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr zu untersuchen.
Stadträtin Marsha Richarz hält ein Frauen-Nacht-Taxi weiterhin für sinnvoll: „Deswegen braucht es so ein Frauen-Nacht-Taxi, um eine Sicherheit in einer großen Stadt wie Leipzig zu gewährleisten. Vor allem nachts, wenn nur noch Nachtbusse fahren, alle Stunde, alle anderthalb Stunden, man am Hauptbahnhof umsteigen muss, wo auch einfach immer viel los ist.“
Deswegen braucht es so ein Frauen-Nacht-Taxi, um eine Sicherheit in einer großen Stadt wie Leipzig zu gewährleisten. Vor allem nachts, wenn nur noch Nachtbusse fahren, alle Stunde, alle anderthalb Stunden, man am Hauptbahnhof umsteigen muss, wo auch einfach immer viel los ist.
Marsha Richarz, Stadträtin für die Grünen Leipzig
Angespannte Finanzen: Städte priorisieren Ausbau des Nahverkehrs
Die Stadt Leipzig sieht das anders. Auf unsere Anfrage schreibt sie: „Positivbeispiele aus anderen Städten zeigen zwar, dass die Akzeptanz der angestrebten Maßnahme bei der Zielgruppe groß ist. Jedoch stellt die Finanzierung der Frauen-Taxis bei der aktuell angespannten Haushaltslage Leipzigs eine Herausforderung dar. Mit Blick auf nicht prognostizierbare und begrenzt messbare Effekte der Maßnahme erscheint eine Finanzierung von Frauen-Taxis über städtische Zuschüsse nicht angezeigt.“
Positivbeispiele aus anderen Städten zeigen zwar, dass die Akzeptanz der angestrebten Maßnahme bei der Zielgruppe groß ist. Jedoch stellt die Finanzierung der Frauen-Taxis bei der aktuell angespannten Haushaltslage Leipzigs eine Herausforderung dar.
Stadt Leipzig
Die Stadt rechnet mit einem fünf- bis sechsstelligen Betrag pro Jahr. Stattdessen soll der Nahverkehr ausgebessert werden. Auch in ganz Mitteldeutschland ist das Bild ähnlich: Erfurt, Chemnitz, Dresden und Zwickau setzen wie Leipzig lieber auf besseren Nahverkehr für alle. Nur Gera hält die Umsetzung für realistisch.
Grüne fordern Stadt Leipzig zum Handeln auf
In Leipzig wollen die Grünen weiter Druck machen. Eigentlich sollte die Stadt ihnen im ersten Quartal dieses Jahres einen Zwischenstand der Untersuchungen vorlegen. Bekommen haben sie ihn laut Marsha Richarz bis heute nicht: „Leipzig sollte auf jeden Fall den von uns beschlossenen Änderungsantrag umsetzen. Sie sollen sich mit der LVB, inklusive den Flexa-Angeboten, mit dem Taxigewerbe und anderen Subunternehmen und Akteurinnen zusammensetzen und sich mit dem Thema Sicherheit im öffentlichen Nahverkehr beschäftigen.“
Auch die Frauen-Taxis sollten für die Grünen dabei mit eingeschlossen werden. Wer sich aktuell abends unsicher fühlt, kann auch das Heimwegtelefon anrufen. Das ist ein ehrenamtliches Angebot, bei dem man am Telefon begleitet wird, bis man zuhause ist.