Nach den Hits von Smokie und ihrem einstigen Frontmann Chris Norman tanzte in den 70er-Jahren die ganze Welt. „Living Next Door to Alice“, „Mexican Girl“, „Don’t Play Your Rock ’n’ Roll to Me“ – auch in der DDR kannte fast jeder die Songs von Smokie. Nur Chris Norman kennt die Hits aus dem Osten nicht. Im KURIER-Interview beichtet der Sänger: Obwohl er oft in der DDR auftrat, blieben ihm die Hits von Puhdys oder Karat fremd.

Die Hits seines Lebens, aber keiner aus der DDR

„Lifelines“ heißt das aktuelle Album, das der einstige Smokie-Frontmann Chris Norman am 17. Oktober und am 15. April 2027 bei seinen Berlin-Konzerten präsentieren wird. Dazu gehören etwa der Beatles-Klassiker „Strawberry Fields Forever“, der Robert-Palmer-Hit „Addicted To Love“ und das legendäre „Whisky In The Jar“ von Thin Lizzy.

Jedes Lied auf der Platte steht für Erinnerungen, für die Emotionen, die Chris Norman im Laufe seiner Karriere geprägt haben. Auch sein Solo-Hit „Midnight Lady“ ist in einer Neufassung dabei, mit dem der Sänger sogar in den 80ern in der DDR auftrat. Der Arbeiter- und Bauernstaat war für ihn kein unbekanntes Land. Jahre zuvor war er bereits mit Smokie in der DDR.

Chris Norman ganz nah bei seinen Fans.

Chris Norman ganz nah bei seinen Fans.

© IMAGO/Agentur Wehnert/M.Gränzdörfer

Schließlich gehörte die britische Band zu den West-Stars, die in der DDR im Fernsehen auftraten und sogar ein Konzert gaben. Die Lieder, die Chris Norman sang, waren im Osten nicht unbekannt.

Daher könnte man nun meinen, dass der Star auf seinen Reisen in die DDR im Gegenzug den einen oder anderen Song aus dem Osten mitbekam, vielleicht sogar sein Leben prägte. Darum fragt der KURIER den Sänger im Interview: „Gibt es Lieder aus der DDR, die Ihnen bis heute in Erinnerung geblieben sind?“

Von Musikern und Erinnerungen

Doch der Star bedauert. „Nein, leider nicht. Ich hatte damals nie wirklich Gelegenheit, Musik aus Ostdeutschland zu hören“, sagt Chris Norman. Ein großes Manko war auch, dass Lieder aus der DDR „im Vereinigten Königreich nie gespielt wurden“, erklärt der Sänger. 
Und bei seinen Reisen durch die DDR bekam Chris Norman von der Musikszene östlich des „Eisernen Vorhangs“ einfach nichts mit.

Auf die Frage nach Treffen mit DDR-Musikern antwortet Norman dem Berliner KURIER: „Damals trafen wir keine ostdeutschen Musiker, und ich war mit Künstlern oder Musik aus Ostdeutschland nicht vertraut. Nach dem Fall der Mauer habe ich mit einigen deutschen Musikern zusammengearbeitet, etwa mit den Puhdys, City und Karat.“

Eine nachträgliche Annäherung über eine Coverversion schließt Chris Norman aus. Andere Weltstars haben es dagegen versucht. Chris de Burgh nahm 2011 für sein Lebenslieder-Album „Footsteps 2“ eine englische Coverversion von Karats „Über sieben Brücken“ auf, „Seven Bridges“.

„Ein Lied aus der DDR war nie Teil meines Lebens“

Chris Norman winkt ab. „Nein, ein Lied aus Ostdeutschland wäre nie Teil meines Lebens gewesen oder hätte eine wichtige Rolle gespielt, da ich keine Lieder aus Ostdeutschland kannte“, sagt er.

Der einstige Smokie-Sänger sagt aber auch: „Wenn es ein Lied oder Lieder gegeben hätte, die ich gekannt hätte und von denen ich das Gefühl gehabt hätte, dass sie Teil meines Hintergrunds sind, würde ich sie natürlich in Betracht ziehen. Leider ist das nicht der Fall.“

Was blieb, ist trotzdem eine echte Verbindung zum Osten — nur eine andere als die musikalische.

Puhdys, Karat, City bei einem Fototermin (2014). Für Chris Norman waren die DDR-Rocklegenden und ihre Hits völlig unbekannt.

Puhdys, Karat, City bei einem Fototermin (2014). Für Chris Norman waren die DDR-Rocklegenden und ihre Hits völlig unbekannt.

© POP-EYE/imago

Über seine heutigen Aufenthalte und Auftritte sagt er: „Ich habe in den vergangenen Jahren Zeit in verschiedenen Teilen Ostdeutschlands verbracht, an Orten wie Dresden, Leipzig und anderen, und ich mag diesen Teil des Landes sehr. Die Menschen sind immer sehr herzlich und freundlich.“

Und Chris Norman ist gerne in Berlin. „Ich finde, es ist eine großartige Stadt. Besonders mag ich den Tiergarten und die Gegend um den Potsdamer Platz, außerdem den Kudamm, Unter den Linden und den Grunewald – das sind alles großartige Orte für einen Besuch.“