Mittlerweile ist der Regen in den Augsburger Raum zurückgekehrt. Viele Landwirte warteten seit dem Frühjahr vergeblich auf Niederschläge, stattdessen litten ihre Felder unter der Hitze. Mittlerweile ist die Ernte 2026 weit fortgeschritten, die vorläufige Erntebilanz zeigt die Auswirkungen von Hitze und Trockenheit deutlich. Landwirtschaftlichen Betrieben drohen massive Einbußen, die Folgen der schwachen Ernte spüren einige Landwirte schon jetzt.

Erntebilanz 2026: Zwischen katastrophal und unterdurchschnittlich

„Heute kann ich mit Sicherheit sagen: Es ist das schlechteste Jahr, das ich erlebt habe“, bilanziert Wolfgang Teifelhart, der Kreisobmann im Landkreis Aichach-Friedberg des Bayerischen Bauern Verbands. Durch die Dürre wurden die Unterschiede in der Qualität der Böden in seinem Landkreis noch deutlicher: „Auf leichten Böden fiel die Ernte schwach bis katastrophal aus, auf den besseren Böden bleiben die Erträge aber auch unter dem Durchschnitt.“ Derzeit laufe die Maisernte, wie bereits bei der Getreideernte fallen die Erträge schwach aus. Auch für den Mais kam der Regen zu spät.

Erntebilanz: Von Durchschnitt bis Totalausfall

Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Augsburg (AELF) erklärt, wie die Ernte und die Ernteaussichten in den Landkreisen Augsburg und Aichach-Friedberg ausfallen:

  • Winterweizen: Auf guten Standorten mit hoher Wasserspeicherkapazität ergaben sich durchschnittliche Erträge. Auf den Standorten mit geringer Wasserspeicherkapazität waren die Erträge etwa 40 Prozent unter dem Durchschnitt.
  • Wintergerste: Durchschnittliche Erträge.
  • Winterraps: Erträge etwa zehn Prozent unter dem Durchschnitt.
  • Sommergerste, Hafer und Erbsen: Erträge etwa 30 Prozent unter dem Durchschnitt.
  • Ackerbohnen: Nahe an einem Totalausfall.
  • Soja: Je nach Wasserspeicherkapazität werden durchschnittliche oder leicht unterdurchschnittliche Erträge erwartet.
  • Kartoffeln: Je nach Standort werden Erträge etwa 30 bis 50 Prozent unter dem Durchschnitt erwartet.
  • Zuckerrüben: Es werden stark unterdurchschnittliche Erträge zwischen 30 und 40 Prozent unter dem Durchschnitt erwartet.
  • Silomais: Je nach Standort werden 25 bis 50 Prozent weniger Ertrag erwartet.
  • Grünland: Der gesamte Jahresertrag aller Nutzungen wird etwa 40 Prozent unter dem Durchschnitt liegen.

„Wir sprechen von bis zu 50 Prozent Ausfällen auf der Einnahmenseite“, erklärt Teifelhart. Auch sein Kollege aus dem Landkreis Augsburg, Martin Mayr, zeichnet ein ähnliches Bild: „Im Hochfeld gibt es Flächen, wo es mehr geregnet hat und die Böden besser sind, da sind die Ausfälle geringer. Aber auf schlechteren Böden gibt es auch hier große Verluste.“ Er sorgt sich besonders um Betriebe mit Viehbestand, denn dort fehlt es an Futtervorräten für den Winter. Die ersten Landwirte reagieren schon jetzt.

Konsequenzen der schwachen Ernte 2026: „Die Schlachtzahlen steigen schon jetzt.“

Durch die Hitze seien viele Wiesen verbrannt und Futter für die Kühe nachzukaufen ist teuer: „Eigentlich fehlt es allen Landwirten an Futter, regional lässt sich das nicht ausgleichen.“ Die ersten Landwirte reagieren bereits auf den Futtermangel: „Die Schlachtzahlen nehmen jetzt schon zu. Wer zu wenig Futter für den Winter hat und keines nachkaufen kann, muss einige Tiere abgeben“, so Mayr. Dazu kommen die enormen finanziellen Verluste, welche die Betriebe zum Sparen zwingt.

„Die Betriebskosten steigen von Jahr zu Jahr und müssen auch bezahlt werden, wenn die Ernte schlecht ist“, erklärt Teifelhart und ergänzt: „Das heißt, die Kosten steigen, aber auf der Einnahmenseite fehlt die Hälfte.“ Das würde einigen kleineren Betrieben schwer zusetzen, schließlich sei es nur schwer möglich, die Verluste auszugleichen: „Wer Rücklagen hat, kann auf die zurückgreifen. Ansonsten wird man bei den Investitionen sparen und sich auf das Nötigste beschränken müssen.“ Die Folgen der schwachen Ernte durch die Hitze wiegen also schwer. Aber können sich landwirtschaftliche Betriebe an Sommer wie diesen anpassen?

Wie können sich die Landwirte an Dürre und Hitze anpassen?

Laut dem AELF könnte der Anbau von Sorten mit geringem Wasserbedarf und von frühreifen Sorten zunehmen. Dadurch könnten die Winterwasservorräte besser genutzt und die Trockenzeiten besser überstanden werden. „Wir können aber nicht alle dasselbe anbauen. Die Entscheidung, was angebaut wird, ist immer auch eine finanzielle“, merkt Teifelhart an. Er hofft darauf, dass dieser Sommer eine Ausnahme war: „Wenn es so trocken und heiß wie in diesem Sommer ist, kann man ohnehin nicht viel machen.“