Vor 25 Jahren

Diesen Sportwagen traute Opel kaum jemand zu

29.08.2026 – 13:34 UhrLesedauer: 4 Min.

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Der Opel Speedster: 900 Kilo nackter Fahrspaß ohne Servolenkung, ohne ESP, ohne Kompromisse. (Quelle: Opel/Dani Heyne)

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Keine Servolenkung, kein ESP, der Motor hinter den Sitzen: Vor 25 Jahren brachte Opel einen Sportwagen auf die Straße, der kaum zur Marke zu passen schien.

Wer einen Opel Speedster fahren möchte, muss zunächst in ihn hereinkommen. Die Tür ist klein, der Schweller breit, das Dach niedrig. Hat man sich schließlich in den Sitz gefädelt, wartet die nächste Überraschung: Besonders viel Opel ist hier nicht. Oder anders: Grundsätzlich gibt es nicht viel. Gebaut wurde das Ganze auch nicht in Rüsselsheim, sondern bei Lotus im englischen Hethel. Der Speedster fällt aus dem Raster.

Von Genf zur Serienproduktion

Die Geschichte beginnt im März 1999. Opel zeigt auf dem Genfer Autosalon eine Speedster-Studie auf Basis des Lotus Elise. Sie stößt nach Angaben des Herstellers auf so viel Resonanz, dass der Vorstand bereits im Mai über die Produktion entscheidet. Im Juni kündigt Opel an, den Zweisitzer tatsächlich zu bauen.

Verantwortlich für das Projekt war Doris Bernhardt. Die damals 38-jährige promovierte Materialwissenschaftlerin arbeitete seit 1991 bei Opel und hatte Anfang 1999 die Leitung des Speedster-Projekts übernommen. Ein Jahr nach der Studie steht in Genf die Serienversion. Und Bernhardt bringt die Anforderungen in der Entwicklung damals in einem Satz auf den Punkt: Lässt das Ergebnis den Speedster dynamischer fahren?

DSC0320Schriftzug im Stil der 2000er: Rüsselsheim hoffte auf 10.000 verkaufte Exemplare, am Ende wurden es gerade 7.207.8.jpegVergrößern des BildesSchriftzug im Stil der 2000er: Rüsselsheim hoffte auf 10.000 verkaufte Exemplare, am Ende wurden es nur 7.207. (Quelle: Opel/Dani Heyne)

Was nicht beim Fahren hilft, kann weg

Eine Servolenkung bekommt der Speedster nicht. Eine Klimaanlage ebenfalls nicht, auch Sitzheizung und Zentralverriegelung fehlen. Elektrische Fensterheber spart Opel ebenfalls ein, in die Fensterkurbeln werden Löcher gefräst – aus Gewichtsgründen. Nach einer zeitgenössischen Darstellung erwägen die Entwickler sogar, auf einen Bremskraftverstärker zu verzichten. Ganz ohne Zugeständnisse an ein Straßenauto geht es allerdings nicht. ABS, Fahrerairbag, Gurtstraffer und Überrollbügel sind an Bord.

Möglich wird die Gewichtsdiät vor allem durch die Zusammenarbeit mit Lotus. Für General Motors sind die Briten keine Unbekannten: Von 1986 bis 1993 gehörte Lotus zum amerikanischen Konzern. Nun liefert die Elise die technische Grundlage für den Speedster.

Unter der Kunststoffkarosserie steckt ein geklebtes Aluminiumchassis. Die Räder hängen rundum an Doppelquerlenkern. Der Motor sitzt quer hinter Fahrer und Beifahrer und treibt die Hinterräder an. Trotzdem ist der Speedster keine Elise mit Opel-Blitz. Opel zeichnet eine eigene Karosserie und baut einen eigenen Motor ein. Der 2,2-Liter-Vierzylinder aus der damals neuen Ecotec-Familie leistet 147 PS. Laut damaliger Opel-Ankündigung wiegt der Aluminiummotor 138 Kilogramm.

Maximale Reduktion: Der Startknopf lockt dort, wo heute wahrscheinlich ein Bildschirm prangen würde.Vergrößern des BildesMaximale Reduktion: Der Startknopf lockt dort, wo heute wahrscheinlich ein Bildschirm prangen würde. (Quelle: Opel/Dani Heyne)

Auch der Innenraum beweist, was die Entwickler unter Konzentration auf das Wesentliche verstanden. Zwei Rundinstrumente müssen reichen. Das Aluminiumchassis bleibt sichtbar. Geschaltet wird mit einem Aluminiumknauf, gestartet per Knopfdruck. Immerhin gibt es einen Kofferraum. Hinter dem Motor liegen 206 Liter Stauraum. Für ein Wochenende zu zweit reicht das – vorausgesetzt, beide einigen sich vorher darauf, was zu Hause bleibt.