Ein Großteil der Brücken in Karlsruhe sind alt und sanierungsbedürftig. Über 60 Prozent stammen aus den 1960er bis 1980er Jahren – und sie befinden sich zum größten Teil nur in befriedigendem oder ausreichendem Zustand. Das geht aus einem Bericht des Tiefbauamts hervor, der bereits aus dem Jahr 2025 stammt. Er wurde in der letzten Sitzung des Haupt- und Finanzausschuss im Juli 2026 diskutiert und soll in der kommenden Sitzung am 22. September erneut auf die Tagesordnung kommen.

Auf die Stadt Karlsruhe kommen damit millionenschwere Maßnahmen zu, um zumindest den derzeitigen Zustand der Brücken zu erhalten.

Experten bewerten Brücken mit Notensystem von 1 bis 4

Nicht nur das Alter setze den Brücken zu, sondern auch der zunehmende Verkehr. Immer mehr Lkws und Autos seien auf den Straßen unterwegs, die außerdem in den letzten Jahrzehnten an Gewicht zugelegt haben.

In dem Bericht werden die Brücken nach einem Notensystem von 1 bis 4 bewertet. Diese Gesamtnoten setzen sich aus einzelnen Noten für Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit zusammen. Das bedeuten die einzelnen Noten:

  • 1,0 bis 1,4: sehr guter Zustand
  • 1,5 bis 1,9: guter Zustand
  • 2,0 bis 2,4: befriedigender Zustand
  • 2,5 bis 2,9: ausreichender Zustand
  • 3,0 bis 3,4: nicht ausreichender Zustand
  • 3,5 bis 4,0: ungenügender Zustand

Ab einer Note von 3,0 werde laut Tiefbauamt eine sofortige Instandsetzung gefordert. Die Hauptprüfung der Brücken erfolge alle sechs Jahre.

Viele Brücken in Karlsruhe schneiden mit „nicht ausreichend“ ab

Eine der schlechtesten Benotungen erhält die mehrspurige Brücke der Durlacher Allee, die über die A5 sowie den Bahnhof Durlach führt. Je nach Bestandteil der Brücke wird die Note 2,5 bis 3,9 vergeben.

Die Brücke der Durlacher Allee über die Gleise am Bahnhof Durlach am 11. August 2026.

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Die Brücke der Durlacher Allee über die Gleise am Bahnhof Durlach am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

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Die Brücke der Durlacher Allee über die Gleise am Bahnhof Durlach am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

Die Gefahr betreffe nicht direkt die Menschen oder Autos auf der Brücke selbst, vielmehr, könnten sich Teile der Brücke lösen und nach unten fallen – also die daruntergelegenen Gleisen oder Straßen treffen. Eine Instandsetzung ist damit laut Notenskala unabdingbar.

Ähnlich schlecht schneiden folgende Brücken ab:

Brücke der Lindenallee

Die Brücke der Lindenallee über die B36 am 11. August 2026.

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Die Brücke der Lindenallee über die B36 am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

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Die Brücke der Lindenallee über die B36 am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

Die Brücke der Lindenallee über die B36 in Richtung Messe Karlsruhe erhält eine 3,4 auf der Notenskala.

Die Vogesenbrücke

Die Vogesenbrücke zwischen dem Entenfang und Grünwinkel am 11. August 2026.

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Die Vogesenbrücke zwischen dem Entenfang und Grünwinkel am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

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Die Vogesenbrücke zwischen dem Entenfang und Grünwinkel am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

Ebenfalls in einem „nicht ausreichendem Zustand“ ist die Vogesenbrücke, die den Entenfang und Grünwinkel miteinander verbindet und als Zubringer aus und Richtung Rastatt viel befahren wird – sie erhält die Note 3,0.

Brücke über die Alb

Die Brücke der B10 über die Alb am 11. August 2026.

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Die Brücke der B10 über die Alb am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

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Die Brücke der B10 über die Alb am 11. August 2026.
Foto: Franziska Gebhard

Auch die Brücke über die Alb erhält eine Note von 3,0 und müsste somit saniert werden.

Instandsetzung und Neubau kosten bis zu 15 Millionen Euro jährlich

Anhand der wahrscheinlichen Zustandsentwicklung der Brücken hat das Tiefbauamt drei Szenarien entwickelt – von günstig bis teuer.

  1. Rund 6 Millionen Euro pro Jahr, hochgerechnet bis in das Jahr 2043, würde in der günstigsten Variante für Instandsetzung und Neubau der Brücken investiert werden. Das entspricht den Ausgaben, die bisher aufgewendet wurden. In diesem Szenario würde sich der Zustand der Brücken weiter verschlechtern.
  2. Den derzeitigen Zustand der Brücken beizubehalten würde laut den Berechnungen des Tiefbauamts rund 8,2 Millionen Euro pro Jahr kosten. Dabei würden zirka 600.000 Euro für die Instandhaltung und 7,6 Millionen Euro für den Neubau aufgewendet werden.
  3. In Szenario drei würde sich der Zustand der Brücken deutlich verbessern. Die Stadt müsste dafür knapp 15 Millionen Euro pro Jahr investieren – etwa 14 Millionen Euro würden davon in den Neubau fließen, der Rest in die Instandhaltung. In der derzeitigen Haushaltslage der Stadt Karlsruhe dürfte dieses Szenario allerdings schwer umsetzbar sein.

Stadtverwaltung setzt auf Szenario 2

Die Stadtverwaltung hat vorgeschlagen, Szenario 2 weiterzuverfolgen. Grundsätzlich hat der Haupt- und Finanzausschuss der Strategie im Juli zugestimmt. Doch Kritik gab es daran, dass die Beschlussvorlage die finanziellen Auswirkungen nicht ausführlich genug darstellt. . Die Umsetzung kann nur im Rahmen der zur Verfügung gestellten Haushaltsmittel erfolgen. Deshalb soll der Beschlusstext bis zur nächsten Sitzung überarbeitet werden – erst dann werde der Ausschuss über das weitere Vorgehen entscheiden.