Seine Pläne waren imponierend, viele große Häuser schätzten seine Expertise und seine funkelnde Virtuosität. Sobald zwischen Berlin, München, Pesaro und Düsseldorf eine italienische Partitur aufzuschlagen war, taten die Intendanten gut daran, ihn als Dirigenten einzukalkulieren. Sie wussten aber auch, dass Fogliani nicht nur gebildet, sondern auch äußerst liebenswert war. Mit ihm war jedwedes Musizieren eine Ensembleleistung. Nun ist Fogliani im Alter von 50 Jahren gestorben, wie sein Agent Alessandro Ariosi unserer Redaktion bestätigte. Weitere Informationen über die Ursache seines Todes wurden nicht genannt.

Geboren wurde Fogliani 1976 in Messina. Er studierte zunächst Komposition in Bologna, anschließend Dirigieren am Mailänder Giuseppe-Verdi-Konservatorium und an der Accademia Chigiana in Siena. Sein Debüt beim Rossini Opera Festival in Pesaro gab er 2001 mit „Il viaggio a Reims“. Es war der Auftakt zu einer internationalen Karriere, die ihn an die Scala in Mailand, an die Opernhäuser von Rom, Venedig und Neapel, an die Bayerische Staatsoper, nach Zürich, London und zu zahlreichen bedeutenden Festivals führte. Seine besondere Liebe galt dem Belcanto – Rossini, Donizetti und Bellini –, doch sein Repertoire reichte weit darüber hinaus. Seit 2012 war er zudem musikalischer Leiter des Rossini-Festivals in Bad Wildbad; seit 2021 lehrte er Dirigieren am Konservatorium Alessandro Scarlatti in Palermo.

Ein wichtiger künstlerischer Lebensmittelpunkt wurde für ihn die Deutsche Oper am Rhein. Seit der Spielzeit 2017/18 war Fogliani Erster Gastdirigent des Hauses in Düsseldorf und Duisburg. In diesen Jahren leitete er eine beeindruckende Zahl von Vorstellungen und wurde zu einem prägenden, verlässlichen Partner des Ensembles. Verdis „Otello“ und „Macbeth“, Donizettis „I puritani“, „Don Pasquale“, „Maria Stuarda“, „Lucia di Lammermoor“, „L’elisir d’amore“ und „La fille du régiment“ gehörten ebenso zu seinen Aufgaben wie Rossinis „La Cenerentola“, „Il barbiere di Siviglia“ und „L’italiana in Algeri“.

Zuletzt leitete er die Premiere von „Il trovatore“, Kostenpflichtiger Inhalt über die wir schrieben: „Die Düsseldorfer Symphoniker lassen sich von Antonino Fogliani zu einer Italianità inspirieren, die bei aller dramatischen Zuspitzung leichtfüßig bleibt. Die Musik scheint oft selbst zu erschauern vor den Extremsituationen, die sie schildert.“ Oder vor einigen Jahren über Bellinis „Beatrice di Tenda“: „Die Duisburger Philharmoniker unter Antonino Fogliani funkeln und schunkeln superb.“ Und im Juli 2027 sollte er die Neuproduktion von Arrigo Boitos „Mefistofele“ übernehmen.

Das Publikum der Rheinoper, aber auch deren Ensemble haben Wunderbares mit ihm erlebt. Sein Tod ist ein schmerzlicher Verlust.