Franz Fischer ist gesundheitlich angeschlagen. Seit seinem Schlaganfall vergangenen Oktober ist er nicht mehr richtig auf die Füße gekommen. Als sein Lebenswerk, seine Augsburger Kinos Thalia und Mephisto samt den Gastronomien, in die Insolvenz schlitterten, war er in einer Rehaklinik. Er sagt, er habe mit dem Verlust „schnell abgeschlossen“, aber im Gespräch merkt man, dass es nicht so ist. Fischer blickt zurück auf die vergangenen Jahrzehnte, die großen wirtschaftlichen Herausforderungen der letzten Jahre, die den Betrieb erschwerten. Der 68-Jährige schaut aber auch nach vorn – und hat Pläne.

Franz Fischer sitzt im Rollstuhl und ist zum Pflegefall geworden. Der Diabetiker erkrankte während der Corona-Pandemie an Long Covid, was ihm schwer zu schaffen machte. „Bis 2019 lief alles gut. Die Besucherzahlen im Kino und der Gastro waren in Ordnung.“ Dann kamen die Pandemie und gesundheitliche Tiefschläge. Die Überbrückungshilfen des Staates flossen nicht so wie zugesagt und die Kosten stiegen an. „Und es gab zwei schlechte Sommer 2024 und 2025.“ Die Einnahmen aus dem Freiluftkino Lechflimmern, mit denen er das im Sommer nicht so gut besuchte Kino und die Gastronomien querfinanzierte, blieben aus. „Da kam dann alles zusammen.“ Wann lässt sich genau festhalten – nämlich in die Zeit, in der er sich wochenlang in der Uniklinik Augsburg und später in der Rehaklinik aufhielt.

Franz Fischer beeinflusste über Jahrzehnte die Kinolandschaft in der Region

Damals musste er loslassen, was er sich gemeinsam mit seiner Partnerin Ellen Gratza über Jahrzehnte aufgebaut hatte. Sie beiden lernten sich im Grauen Adler im Lechviertel kennen, einer Kneipe, die ein Treffpunkt für viele Augsburger war. Franz Fischer war Mitbegründer des Asta-Kulturzentrums, das dort beheimatet war. Er studierte Wirtschaftswissenschaften und Soziologie an der Universität Augsburg. Damals engagierte er sich in der Studierendenvertretung Asta, wo er schnell den Posten des Kulturreferenten innehatte. Ab 1978 wurde ein beachtliches Programm auf die Beine gestellt: Die Band Erste Allgemeine Verunsicherung startete etwa ihre Deutschlandtournee im Hörsaal 1.

Im Grauen Adler gab es Arbeitskreise in den Bereichen Theater, Fotografie, Film, es gab eine Wohnungsvermittlung und es gab viele Veranstaltungen. Selbst Harald Schmidt trat dort an einem Brecht-Abend auf. In den 80er Jahren rief das Paar das erste Augsburger Filmfestival – die Tage des unabhängigen Films – ins Leben. Die Faszination für den Film ließ die beiden nicht mehr los: 1988 übernahmen sie die Schauburg in Lechhausen. 1990 boten sie erstmals Open-Air-Kino auf dem Uni-Campus an, schnell gab es weitere Gastspiele am Friedberger Baggersee, an der Europawiese in Gersthofen oder im Familienbad am Plärrer, wo es bis heute das Lechflimmern gibt. In vielen Jahren begrüßte Fischer dort Regisseur Marcus H. Rosenmüller (Wer früher stirbt, ist länger tot; Trautmann) als Gast, zu dem er eine Freundschaft pflegt.

Ein Bild aus besseren Tagen: Franz Fischer und Marcus H. Rosenmüller, der oft beim Augsburger Lechflimmern zu Gast war.

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Ein Bild aus besseren Tagen: Franz Fischer und Marcus H. Rosenmüller, der oft beim Augsburger Lechflimmern zu Gast war.
Foto: Wolfgang Schick

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Ein Bild aus besseren Tagen: Franz Fischer und Marcus H. Rosenmüller, der oft beim Augsburger Lechflimmern zu Gast war.
Foto: Wolfgang Schick

Als das Thalia, City (heute Mephisto) und Savoy 1999 in Konkurs gingen, griffen Franz Fischer und Ellen Gratza zu und gaben die Schauburg auf. Zeitweise waren sie in Ulm, Neuburg und später auch in Ingolstadt aktiv – die Ingolstädter Altstadtkinos, die auch von der Insolvenz betroffen waren, wurden inzwischen vom Münchner Christian Pfeil übernommen. Fischer ist froh, die Kinos in guten Händen zu wissen.

Franz Fischer vermisst heute das Kaffeehaus, Schulkino und Kinderfilmarbeit

In Augsburg sieht es für ihn anders aus. Fischer hätte sich mehr politische Unterstützung vom Kulturreferenten gewünscht, die nach seiner Aussage ausblieb. Nicht das erste Mal, wie er betont. Wehmut sei das falsche Wort. Er vermisse das Schulkino und die Kinderfilmarbeit. Es schmerze ihn, dass das Kaffeehaus als kultureller Treffpunkt nicht gerettet werden konnte und alle Mitarbeiter ihren Job verloren haben. Fischer ist nicht mehr so viel unterwegs, aber er ist nach wie vor gut vernetzt, hält mit vielen Menschen Kontakt über das Telefon. Kino sei kein einfaches Geschäft mehr, erklärt er. Der Markt habe sich „nach Hause“ verschoben – Netflix und andere Streamingdienste machten den Lichtspielhäusern das Leben schwer. Er wollte ein Kino-Abo einführen und auf seine treuen Kino-Gänger bauen. „Damit hätte man für 19,90 Euro so viele Filme im Monat anschauen können, wie man will“, erklärt er das System, das in ähnlicher Form deutschlandweit an verschiedenen Standorten gibt. Dann wurde er krank.

Das Kaffeehaus war für Fischer ein kultureller Treffpunkt. Es schmerzt ihn, dass es nicht erhalten werden konnte.

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Das Kaffeehaus war für Fischer ein kultureller Treffpunkt. Es schmerzt ihn, dass es nicht erhalten werden konnte.
Foto: Silvio Wyszengrad

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Das Kaffeehaus war für Fischer ein kultureller Treffpunkt. Es schmerzt ihn, dass es nicht erhalten werden konnte.
Foto: Silvio Wyszengrad

Heute ist sein Betrieb zerschlagen. Daniela Bergauer und Michael Hehl (Liliom) haben das Thalia übernommen und bieten auch Open-Air-Kino im Plärrerbad an. Melanie Rudolf betreibt seit dieser Saison den Kiosk im Familienbad, das „Risto Kaffeehaus im Thalia“ von Roberto Ravalli und Sandro Buetta sind im ehemaligen Kaffeehaus aktiv. Die Gastronomie im Kulturhaus Abraxas wird wie berichtet Tobias Emminger weiterführen. Das Staatstheater Augsburg hat für das Mephisto einen fünfjährigen Mietvertrag abgeschlossen. Dort sollen kleinere Produktionen und besondere Formate laufen. „Diese Kooperation habe ich noch eingefädelt“, sagt der 68-Jährige.

Der ehemalige Kino-Betreiber will jetzt seine Doktorarbeit angehen

Für Fischer zählen nun andere Dinge, seinen Kalender bestimmen Termine bei Ärzten und Physiotherapeuten. „Ich kümmere mich jetzt um meine Gesundheit“, sagt er und betont, dass er zufrieden sei. Er mache sich in anderen Bereichen Gedanken. An der Städteplanung und Stadtpolitik war er von jeher interessiert. Vor über 15 Jahren verfolgte er Pläne, ein Kino in den Augusta Arcaden zu eröffnen. Die Flächen hätten auch als Schauspielhaus für das Theater genutzt werden können. Doch es kam anders. Fischer gehörte auch zu den Befürwortern des 2016 gescheiterten Bürgerbegehrens gegen die Theatersanierung: „Es läuft jetzt noch schlimmer als gedacht.“ Fischer plant nun seine Doktorarbeit anzugehen. Thema: Was eine Stadt in der Größenordnung von Augsburg machen kann, um aus eigener Kraft die Wohnungsnot zu beseitigen. Bereits in seiner Diplomarbeit habe er sich mit alternativen Lösungsmöglichkeiten für die Probleme der Wohnungsversorgung auseinandergesetzt. Für ihn das drängendste Problem dieser Zeit. „11.600 Haushalte stehen auf der Warteliste der Wohnbaugruppe. Da muss die Stadt Augsburg doch mehr auf die Beine bringen, als bisher.“