Mit Blumen und einer Gedenktafel haben heute rund 50 Menschen in München-Ramersdorf an die Gräueltaten des rechtsextremistischen „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) erinnert. Vor 25 Jahren war an diesem Ort der Feinkosthändler Habil Kilic ermordet worden. Auch der anderen Opfer wurde gedacht.
Opfer-Familie Kilic nimmt nicht teil
An der Gedenkveranstaltung am Tatort nahmen Vertreter vom Türkenrat München, dem Stadtrat und dem Bezirksausschuss sowie Anwohner und Nachbarn teil. Familienangehörige des Opfers Habil Kilic waren nicht vor Ort, sie leben in der Türkei.
Gonca Onal vom Türkenrat München sagte: „Wir sind hier, um uns zu erinnern, um nicht zu vergessen und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.“ Sie appellierte an die gesamte Gesellschaft, sensibel zu sein, bei wachsender Gewalt, Hass, Rassismus und Antisemitismus.
„Was tun wir heute, damit Hass und Ausgrenzung keinen Platz mehr haben?“ Gonca Onal, Türkenrat München
Grausamer Mord vor 25 Jahren
Das Opfer Habil Kilic war damals 38 Jahre alt, seine Tochter war zwölf. Die Täter kamen am 29. August 2001 am helllichten Tag in seinen Feinkostladen in München-Ramersdorf. Kilic stand hinter dem Verkaufstresen, als ihn zwei Kopfschüsse trafen.
Die Polizei ermittelte lange in eine völlig falsche Richtung – wie auch bei den anderen Opfern mit Migrationsgeschichte. Die Angehörigen und das Umfeld wurden verdächtigt, Kontakte etwa zu Drogendealern, zur Mafia oder zu Waffenhändlern zu haben – eine Stigmatisierung, an deren Folgen die Hinterbliebenen bis heute leiden.
Die zehn Morde des NSU
Unter den NSU-Opfern sind vier weitere Männer aus Bayern: Theodoros Boulgarides aus München sowie Enver Simsek, Abdurrahim Özüdogru und Ismail Yasar aus Nürnberg.
Insgesamt wurden zwischen den Jahren 2000 und 2007 acht Menschen mit türkischen und einer mit griechischen Wurzeln sowie eine deutsche Polizistin von NSU-Mitgliedern getötet.
Die Haupttäter des NSU, Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt, sind tot. Sie starben am 4. November 2011 nach einem gescheiterten Banküberfall in einem Wohnmobil in Eisenach. Die überlebende Mittäterin Beate Zschäpe wurde im Juli 2018 vom Münchner Oberlandesgericht zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt und verbüßt diese in einer Justizvollzugsanstalt.