Grenzstadt in Estland mögliches Ziel

Ein möglicher Ort könnte die estnische Grenzstadt Narva sein, in der überwiegend russisch gesprochen wird. In russischen Telegramkanälen wird bereits von einer „Volksrepublik Narva“ gesprochen, berichtet der britische „Telegraph“. Möglich wäre auch ein sogenannter „False-Flag“-Angriff. Dann würde Russland Estland zum Beispiel wahrheitswidrig beschuldigen, russische Bürger verletzt oder getötet zu haben.

Ein Einmarsch in das Baltikum müsste keine so großangelegte Militäroperation sein wie die Eroberung der Krim, sagte Justin Bronk, leitender wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Thinktank Royal United Services Institute, dem „Telegraph“. Moskau könnte „möglicherweise ein recht kleines Stück Grenzgebiet einnehmen“, sagte er – gerade genug, um die Bereitschaft der Nato zu testen, Artikel 5 auszulösen, der alle Mitgliedstaaten zum Beistand für den angegriffenen Staat verpflichtet.

imago images 0865156034Vergrößern des BildesBundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Kabinettsklausur: Er befürchtet weitere hybride Angriffe Russlands. (Archivbild) (Quelle: IMAGO/dts Nachrichtenagentur/imago)

Dobrindt: Es deutet auf weitere Eskalation hin

Neben solchen militärischen Nadelstichen kann Putin aber auch mit hybrider Kriegsführung angreifen. Die Sorge vor Cyberattacken und Sabotage ist in Europa bereits groß. Mit einer gemeinsamen Sicherheits-Taskforce wollen die Anrainerstaaten der Ostsee jetzt hybriden Bedrohungen besser entgegentreten. Derartige Bedrohungen hätten zuletzt deutlich zugenommen, sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) am Freitag nach einem Ministertreffen in Flensburg und warnte: „Die hybriden Aktivitäten, denen unsere Länder ausgesetzt sind, deuten auf eine weitere Eskalation hin.“ Schon bald wollen sich die betroffenen Staaten demnach erneut treffen, um über den Umgang mit der russischen Schattenflotte zu beraten.

Stubb: Russen können viel wirtschaftliche Härte ertragen

Der finnische Präsident Stubb warnte auch, dass man niemals unterschätzen sollte, „wie viel wirtschaftliche Härte die Russen ertragen können“. Weder die Inflation, die Bankenkrise, das Zinsniveau noch die hohen Verluste russischer Soldaten würden den Krieg beenden. Was aber zu einem Ende führen könne, wäre, „wenn sie das Gefühl bekommen, dass das derzeitige Regime bedroht ist“, so Stubb. Russland müsse also zu dem Schluss kommen, dass es für das Regime keinen Vorteil mehr bringe, den Krieg fortzusetzen. Dann müsse Moskau nur noch klären, wie es seinen eigenen Sieg definiere.

Die Ukraine hingegen sei im Moment in einer stärkeren und besseren Position als zu jedem anderen Zeitpunkt dieses Krieges. Das gelte militärisch, politisch und finanziell. „Die Ukraine hat die Oberhand und sie wird diesen Krieg gewinnen“, sagte Stubb. Ein Sieg sei, „wenn man überlebt, wenn man unabhängig bleibt, wenn man ein souveräner Staat bleibt“.