Die Enttäuschung über den Auftritt seiner Schützlinge war Kickers-Trainer Michael Schiele nach dem Würzburger 0:3 (0:2) beim aktuellen Drittliga-Spitzenreiter MSV Duisburg deutlich anzumerken. „Wir haben heute hoffentlich Lehrgeld bezahlt und werden die Dinge in Zukunft besser machen“, sagte er: „Wir sind mit dem Platz nicht zurechtgekommen, wir sind mit der Offensive des Gegners nicht zurechtgekommen, wir waren schlecht in den Zweikämpfen und haben viele Duelle verloren“, bilanzierte er, nachdem er eine Woche nach dem 1:2 im in der ersten DFB-Pokal-Runde gegen Erstligist 1. FC Köln nun auch sein erstes Punktspiel seit dem Amtsantritt im März verloren hatte.
Ihre Punkte für den angestrebten Klassenerhalt müssen die Drittliga-Fußballer vom Dallenberg gewiss gegen andere Gegner holen als an diesem Samstag vor der stimmungsvollen Kulisse an der Wedau, wo der MSV sich gerade anschickt, nach dem knapp verpassten Aufstieg im Frühjahr in dieser Saison seiner Favoritenrolle gerecht zu werden. Seit ihrem Wiederaufstieg 2025 haben die Duisburger zu Hause kein einziges Spiel verloren. Und doch war es auch für Schiele einigermaßen ernüchternd, wie leicht sich seine Schützlinge an diesem Nachmittag von dem in allen Belangen besseren Gegner herumschubsen ließen wie kleine Schulbuben, die die Großen nicht mitspielen lassen wollen. Die Kickers wirkten über weite Phasen der Partie schlichtweg überfordert von der Wucht, die die Hausherren entwickeln konnten.
David Abrangao ist nur schwer zu ersetzen
Dass David Abrangao mit einer Blessur an der Gesäßmuskulatur ausgefallen war, tat noch ein übriges. Die Rothosen können den von der SpVgg Greuther Fürth ausgeliehenen linken Flügelspieler derzeit offensichtlich nicht adäquat ersetzen. Die Gastgeber hatten diese Außenbahn denn auch schnell als Schwachstelle im Kickers-Konstrukt ausgemacht und schon beim ersten Gegentreffer ließ sich Abrangao-Vertreter Eliot Muteba allzu leicht übertölpeln. Doch nicht nur er war in der ersten Halbzeit in den direkten Duellen meist zweiter Sieger. „Wir haben auch in den ersten Saisonspielen in den ersten Minuten Fehler gemacht, diesmal sind wir dafür aber bestraft worden“, stellte Torhüter Johann Hipper fest. Der hatte bereits nach einer Viertelstunde zweimal hinter sich greifen müssen und MSV-Goalgetter Lex Tyler Lobinger, Sohn des früh verstorbenen Ex-Stabhochspringers Tim Lobinger und mit nunmehr vier Treffern aktueller führender der Drittliga-Torschützenliste, hatte einen Doppelpack erzielt.
Zweimal waren die Duisburger über die linke Würzburger Abwehrseite recht mühelos durchgekommen, zweimal kam Lobinger im Strafraum gegen Kickers-Verteidiger Leo Eberle zum Abschluss (9., 15.). Und schon waren die Weichen für diese Partie gestellt. Auf den Rängen feierte der Heim-Anhang dem dritten Dreier im dritten Saisonspiel entgegen, während im Gästeblock lange Zeit ungewohnte Leere herrschte. Auf der Autobahn hatte es am Vormittag in der Nähe von Montabaur in Rheinland-Pfalz einen schweren Unfall gegeben. Viele Kickers-Anhänger standen lange Zeit im Stau. Der Bus mit dem lautstarken Stimmungskern kam erst in der 51. Spielminute im Duisburger Stadion an.
Die spät eingetroffenen Anhänger sahen ein nach der Halbzeitpause neu formiertes Kickers-Team, das gegen einen Gegner, der nun spürbar einen Gang herausgenommen hatte, das Spiel zumindest etwas beruhigen konnte. „Die zweite Halbzeit war einigermaßen in Ordnung“, fand Schiele. Mehr aber ach nicht. Die Kickers, die in der ersten Halbzeit noch Glück hatten, dass, als Patrick Sussek alleine auf Hipper zugestürmt war, das Schiedsrichter-Team fälschlicherweise auf Abseits entschieden hatte, kassierten noch einen dritten Treffer: Diesmal blieb als Ebrahim Farahnak und Daniel Hägele Duisburgs Christian Viet ins Abseits stellen wollten, die Fahne unten. Der MSV-Mittelfeldspieler hatte keine Mühe mit dem 3:0 endgültig den Deckel auf den Duisburger Sieg zu machen.
Und die Kickers, die hatten in Halbzeit zwei immerhin auch zwei Torchancen: Einmal konnte der immerhin fleißige Tim Kraus den Ball nicht über die Linie des MSV-Tores drücken, sondern wurde abgeblockt. In der Schlussphase verpasste der eingewechselte Jermain Nischalke eine Ergebnisverbesserung, als er aus kurzer Distanz freistehend den Kasten verfehlte (90.+1). Dass der Heimsieg auch in der Höhe verdient war, daran gab es am Schluss aber keinerlei Zweifel. „Heute hat man gemerkt, was 3. Liga bedeutet. Auch vor einer solchen Kulisse haben viel zum ersten Mal gespielt. Wir wissen, dass wir viel besser spielen können und dass wir das in Zukunft auch auf den Platz bringen müssen“, bilanzierte Kraus am Ende den Kickers-Nachmittag.
Fußball: 3. Liga, Männer
MSV Duisburg – FC Würzburger Kickers 3:0 (2:0)
Duisburg: Braune – Bitter (64. Jessen), Fleckstein, Ens, Coskun – Noß (64. Symalla), Viet, Casar (74. Besuschkow), Bulic, Sussek (74. Kother) – Lobinger (64. Krüger).
Würzburg: Hipper – Eberle (46. Evina), Hägele, Farahnak – Omore, Kinsombi, Franjic (77. Ochs), Embaye (46. Kiefersauer), Muteba (58. Hemmerich)– Kraus (71. Nischalke), Bonga.
Schiedsrichter: Niclas Rose.
Zuschauende: 19.783.
Tore: 1:0, 2:0 Lex Tyler Lobinger (9., 15.), 3:0 Christian Viet (71.).