Kreuzberg – Seine Häuser prägen die Stadt bis heute, auch wenn einige gar nicht mehr existieren. Architekt Josef Kaiser (1910-1991) schuf ikonische Gebäude wie das Kino International oder das Café Moskau in Mitte. Jetzt würdigt die Berlinische Galerie den Architekten mit der Ausstellung „Bauen für die DDR“, zeigt Entwürfe, Handzeichnungen, Fotos und Modelle Kaisers von 1931 bis 1984.

Architekt Josef Kaiser auf einem Foto von 1961
Foto: DLK Foto Dresden/Lucia Maria Kaiser
Zur Eröffnung kamen auch Josef Kaisers Sohn Gert (78) und Lucia Maria Kaiser (63), die Witwe von Kaisers 2023 verstorbenem Sohn Michael. Letzterer hatte den Nachlass seines Vaters bewahrt. Die Familie hat der Berlinischen Galerie nun 900 Pläne, darunter 300 Originalzeichnungen, sowie Lichtpausen, Fotos und Akten übergeben. „Wir freuen uns sehr, dass die Dinge zu sehen sind, mein Vater ist hier“, sagt Gert Kaiser sichtlich stolz.

Josef Kaisers Sohn Gert und Schwiegertochter Lucia Maria in der Ausstellung der Berlinischen Galerie
Foto: Martina Hafner
Kaiser arbeitete nach dem Krieg zunächst als Sänger
Die Karriere Kaisers begann durchaus ungewöhnlich. Nach dem Studium in Prag bewarb er sich bei großen Architekturbüros in Nazi-Deutschland, wurde Mitglied der NSDAP. „Über seine politische Haltung wissen wir leider nicht viel“, sagt Kuratorin Ursula Müller. Sicher sei nur: Sein Entnazifizierungsverfahren dauerte drei Monate, danach war er rehabilitiert.
Nach dem Krieg schlug er zunächst eine andere Karriere ein, studierte Gesang und arbeitete als Erster Tenor im Theater am Nollendorfplatz und in Frankfurt an der Oder. Doch 1950 zog es ihn zur Architektur zurück, er ließ sich in Ost-Berlin nieder. Anfangs baute Kaiser noch im klassizistischen Stil der Sowjetunion, wie man am Kulturhaus Maxhütte in Thüringen aus den 1950er-Jahren sehen kann. Doch bald entwickelte er seinen eigenen Stil, modern, mit leichten klaren Linien.

Blick in die Ausstellung in der Berlinischen Galerie mit einem Modell des Kino International
Im Hansaviertel baute er ein Einfamilienhaus, sein leichter, moderner Stil ist deutlich erkennbar. Ein handtellergroßes Modell davon ist in der Ausstellung zu sehen. „Wahrscheinlich konnte Kaiser es so in einer Tasche über die Grenze bringen“, vermutet Kuratorin Müller. Die Mauer war noch nicht gebaut, man konnte zwischen Ost- und West-Berlin pendeln.
Frage an den Sohn: Warum ging Kaiser nicht in den Westen, sondern entschied sich für die DDR? „Er hatte keine Lust, sich den Wünschen einzelner Bauherren zu fügen, er wollte eigene große Projekte leiten, sodass er alle Gewerke mitbestimmen konnte“, sagt Gert Kaiser. Auch wenn er sich manchmal den Oberen beugen musste. So wollte DDR-Staatschef Walter Ulbricht, dass er das Kino International zwei Meter höher baute. „Mein Vater hat immer geliefert, in gutem Stil und auch bezahlbar. Denn das Geld spielte auch in der DDR eine große Rolle“, weiß Sohn Gert.

Der von Josef Kaiser entworfene Straßenzug vom Strausberger Platz bis zum Alex
Foto: IRS Erkner/Rolf Vetter
Gezeichnet hat Josef Kaiser meist in der Nacht. „Wir Kinder wurden schon mal um zwei Uhr nachts geweckt, um den Zirkel zu halten“, erinnert sich Gert Kaiser. „Tagsüber lief er herum und pfiff das Motiv von Bruckners 7. Sinfonie“, so der Sohn des Architekten weiter.
Der Baumeister entwarf nicht nur den ganzen Straßenzug vom Strausberger Platz bis zum Alex. Er mischte auch bei vielen anderen Projekten mit, zum Beispiel den Wohnkomplexen in Eisenhüttenstadt, dem Palast der Republik, der Charité und hatte somit immensen Einfluss auf den Look der DDR. Einige Kaiser-Bauten wurden nach der Wende abgerissen, das Hotel Berolina hinter dem Kino International oder das DDR-Außenministerium, das direkt neben der Friedrichwerderschen Kirche stand. Dessen Abriss 1995 ist bis heute umstritten. Gert Kaiser sagt: „Ein schöner Bau, er stand nur leider wie ein Riegel am falschen Platz.“
Bis 1. Februar, Alte Jakobstr. 124-128, Mi-Mo 10-18 Uhr, 12 ermäßigt 7 Euro.
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