Nordrhein-Westfalen feiert seinen Landesgeburtstag an diesem Wochenende mit einem großen Bürgerfest. In der Innenstadt von Münster präsentieren sich am sogenannten NRW-Tag Polizei, Rettungskräfte, Feuerwehr, Tourismus, Kultur, Wissenschaft, Bundeswehr, Kirche und Unternehmen. Auch die Justiz und Landesverwaltung zeigen unter dem Motto „Demokratie und Vielfalt” ihre Arbeit.

Am Morgen eröffnete die stellvertretende Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) am Aasee zusammen mit Landtagspräsident André Kuper und Münsters Oberbürgermeister Tilmann Fuchs (Grüne) den Tag. Auf den zehn Bühnen war neben zahlreichen Vertretern der Landesregierung auch Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) unterwegs.

Neubaur: Die Vielfalt zählt


Münster feiert: zum Auftakt des NRW-Tages mit einem Konzert auf dem Domplatz. - © David Ebener/dpa

Münster feiert: zum Auftakt des NRW-Tages mit einem Konzert auf dem Domplatz. – © David Ebener/dpa

Neubaur appellierte an die Besucher, sich für Meinungs- und Pressefreiheit, die Freiheit von Kunst und Kultur sowie gegen Diskriminierung und Rassismus einzusetzen. Das sei Demokratie und am Ende Grundlage allen wirtschaftlichen Erfolges. „Wir sind ein Land mit ganz unterschiedlichen Regionen, die auch ihre Unterschiede um Himmels willen behalten sollen. Aber wir in Nordrhein-Westfalen wissen, wenn es darauf ankommt, dann zählt eben nicht Einfalt, sondern dann zählt Vielfalt”, sagte sie.


Der deutsche Indie-Rapper Zartmann tritt als Top Act von „Münster Mittendrin” auf dem Domplatz auf. - © David Ebener/dpa

Der deutsche Indie-Rapper Zartmann tritt als Top Act von „Münster Mittendrin” auf dem Domplatz auf. – © David Ebener/dpa

Sie erinnerte an den Mut der Engländer nach dem Zweiten Weltkrieg, das Land NRW zu gründen, und sprach sich gegen die aus, die in die Zeit vor 80 Jahren zurückfallen wollen. Sie sprach von Rechtsextremen, die Angst und Verunsicherung vor Terror versprühen und mit „Lügen immer wieder behaupten, dass sie dieses Problem als Einzige erkennen und als Einzige das Problem auch wirklich benennen.” Oder sie benannte Islamisten, die versuchen, „uns als Gesellschaft auseinanderzutreiben”.

Landtagspräsident: Wir stehen für einander ein


Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) bei der Eröffnung des 80. Landesjubiläums in Münster. - © David Ebener/dpa

Vize-Ministerpräsidentin Mona Neubaur (Grüne) bei der Eröffnung des 80. Landesjubiläums in Münster. – © David Ebener/dpa

Landtagspräsident André Kuper (CDU) betonte: „80 Jahre Demokratie bedeuten 80 Jahre Zusammenhalt und Zuversicht in Nordrhein-Westfalen. Die Geschichte unseres Landes und unseres Parlaments zeigt: Wir finden Lösungen, akzeptieren einander und stehen in Krisen füreinander ein. Egal, ob Stadt oder Land: Leben und Leben lassen vereint uns.”

Wüst mit politischer Selbstkritik


Sonst meist auf Verbrecherjagd, diesmal mit „Spaßbrille” - NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beim Landesjubiläum in Münster. - © David Ebener/dpa

Sonst meist auf Verbrecherjagd, diesmal mit „Spaßbrille” – NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) beim Landesjubiläum in Münster. – © David Ebener/dpa

Bei einer Podiumsdiskussion zum Thema „Wie schützen wir unsere Demokratie?” im „WDR”-Stadtgespräch zeigte sich Wüst selbstkritisch. „Die Politik hat gerade in den letzten Jahren immer mehr versprochen als sie dann gehalten hat”, sagte der Ministerpräsident. Deshalb weniger Versprechen, mehr von dem machen, sagte Wüst.

Stadtfest am Freitag


Landtagspräsident André Kuper (CDU, l.) bei der Eröffnung, rechts Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Grüne). - © David Ebener/dpa

Landtagspräsident André Kuper (CDU, l.) bei der Eröffnung, rechts Münsters Oberbürgermeister Tilman Fuchs (Grüne). – © David Ebener/dpa

Den Auftakt zu den dreitägigen Feierlichkeiten gab es am Freitagabend mit dem Stadtfest „Münster mittendrin”. Neben anderen Stars stand der Deutschrapper Zartmann („Tau mich auf”) auf der Bühne vor dem Dom. Seriös eine Besucherzahl zu nennen, sei nicht möglich, hatte die Stadt im Vorfeld gesagt. Beobachter gehen von mehreren 100.000 Gästen an den drei Tagen aus.


Ministerpräsident Hendrik Wüst (2.v.r.) äußerte sich auf einer Podiumsdiskussion. - © David Ebener/dpa

Ministerpräsident Hendrik Wüst (2.v.r.) äußerte sich auf einer Podiumsdiskussion. – © David Ebener/dpa

Als Landesgeburtstag gilt der 23. August – im Jahr 1946 vor 80 Jahren wurde NRW an diesem Datum aus der Taufe gehoben. Zum 60. Landesgeburtstag 2006 wurde zum ersten Mal ein Nordrhein-Westfalen-Tag gefeiert und seit 2012 im regelmäßigen Turnus von zwei Jahren. Den bislang letzten NRW-Tag 2024 organisierte Köln. Vor zwei Jahren kamen nach Veranstalterangaben 110.000 Menschen ans Rheinufer. In den Jahren zuvor war die Großveranstaltung sowohl 2020 als auch 2022 der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Sommerkonzert am Abend

Weite Teile der Innenstadt um Dom, Prinzipalmarkt, Aasee und Schlossplatz waren für den Verkehr weiträumig abgesperrt. Am Samstagabend spielt die Philharmonie Südwestfalen beim Sommerkonzert der Landesregierung vor dem Hauptsitz der Univerwaltung auf dem Schlossplatz. Die Veranstaltung wird im WDR-Fernsehen ab 20.15 Uhr übertragen.

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