Wer an diesem Samstagvormittag durch den Olympiapark läuft, der sieht sie schon vereinzelt: Festivalgänger in glitzernden Tops, mit bunten Kopfbedeckungen und faltbaren Trinkflaschen am Hosenbund. Sie sind auf dem Weg zu Münchens größtem Open-Air-Festival, dem Superbloom. Während in der Ferne noch die letzten Soundcheck-Töne zu hören sind, stehen die Fans schon vor den Eingängen Schlange. Die Ersten waren heute Morgen bereits um fünf Uhr hier, sieben Stunden vor Einlass. Warum so früh? Sie wollen zu Nico Santos und hoffen auf einen Platz in der ersten Reihe. Der Singer-Songwriter gehört zu den Headlinern am Samstag.
Dabei muss eigentlich niemand von den Besuchern befürchten, heute keinen Platz vor den Bühnen zu bekommen. Etwa 10 000 Tickets wurden verkauft, am Sonntag werden doppelt so viele Menschen erwartet. Dass das fünftägige Festival alles andere als ausverkauft ist, merkt man auf dem Gelände am Samstag schnell. Die Wege rund um den Olympiasee sind leer, es sind keine Menschenmassen zu sehen.
Zwischen lila schimmerndem Lametta und Girlanden sitzt am Seeufer ein Grüppchen auf Sandsäcken und Liegestühlen. Das Wasser plätschert, der Moderator spricht über das Nervensystem, viele haben die Augen geschlossen. Es ist der erste Programmpunkt des Tages: ein Atem-Workshop im SuperBrain-Bereich. Ein entspannter Start in einen langen Festivaltag. Mika Noé, der wenig später auf die NeoNeo-Stage direkt nebenan auftritt, bedankt sich bei jeder einzelnen Person, die gekommen ist. „Frieden“ heißt das bekannteste Lied des Indie-Newcomers aus Berlin.

Mika Noé bei seinem Auftritt auf der NeoNeo-Stage.
Foto: Catherina Hess
Textsicher singt die Menge bei Jolle mit.
Foto: Catherina Hess
Die anfängliche Ruhe durchbricht eine bunte Parade aus Stelzenläufern in farbenfrohen, schwingenden Kostümen und schwarz gekleideten Tänzern, die sich gekonnt zu Hip-Hop-Beats bewegen. Von den Seiten ernten sie Applaus.
Viele Besucherinnen und Besucher sind für die späteren Acts da: Zartmann, Nico Santos und SDP. Aber auch der Name Berq fällt häufig. Paula Pulina, 20, ist mit zwei Freundinnen da und trägt ein Merch-Shirt des Sängers. „Ich freue mich einfach, dass es nicht ausgefallen ist“, sagt sie mit Blick auf die Änderungen in diesem Jahr, denn einige geplante Auftritte wie von Ayliva und Paul Kalkbrenner wurden abgesagt. Die drei Abiturientinnen wollen auch am Sonntag auf das Festival gehen. Das Line-up der Einzelkonzerte von Montag bis Mittwoch würden sie auch cool finden, aber Karten haben sie keine. „Jedes Mal 90 Euro, das kann man sich ja nicht leisten“, sagt die 19-jährige Sara Schreglmann.
Das Olympiastadion ist aufgrund von Umbauarbeiten bei dieser Auflage des Superbloom gesperrt, als Ersatz dient der Hans-Jochen-Vogel-Platz, wo die große Bloom-Stage aufgebaut wurde. „Die Wege sind nicht so lang wie sonst“, meint Lisa Müller, 27, die das zweite Jahr in Folge aus Ingolstadt zum Superbloom gekommen ist.
Festival in München
:Highlight im Olympiapark: Alles Wichtige zum Superbloom-Festival
Mit dem Superbloom steht am letzten Augustwochenende ein Jahreshighlight für viele Münchener Pop-Fans an. Was in diesem Jahr anders ist und was das Festival zu bieten hat: Antworten auf die wichtigsten Fragen
Vor der großen Bloom-Stage wird jedenfalls ordentlich gekreischt, als Jolle um 14 Uhr die Melodie zu „Alle Märchen sind gelogen“ anstimmt. Textsicher singt die Menge mit. Es ist der Song, mit dem ihre Karriere im vergangenen Jahr Fahrt aufnahm. Geflochtene Zöpfe, die dank Extensions bis auf den Boden reichen, eine weite Hose mit Camouflage-Muster, der Hals und die Hände sind tätowiert – Jolle singt über ihre psychische Gesundheit, Träume und Gefühle. Anfang September kommt ihr erstes Album raus, heute dürfen ihre Fans schon einige der neuen Lieder live hören.
So langsam füllt sich das Gelände am Samstagnachmittag, die entspannte Stimmung aber bleibt. Wer es in der heißen Sonne nicht aushält, der sucht sich einen schattigen Platz unter den Bäumen, auf den kleinen grünen Anhöhen, die überall auf dem Gelände zu finden sind. Ausruhen ist wichtig, der Tag und das Wochenende sind lang und: Die Highlights kommen erst noch.
