BIG-Ratsfraktion fordert Sondersitzung zum Schwarte-Projekt in Gladbeck
Die BIG-Ratsfraktion verlangt eine Sondersitzung des Gladbecker Stadtrates zum ehemaligen Rathaus-Café Schwarte. Bildmontage: KI

Die BIG-Ratsfraktion will den Gladbecker Stadtrat kurzfristig mit dem ehemaligen Rathaus-Café Schwarte befassen. Im Mittelpunkt stehen die Vergabe und der bisherige Sanierungsverlauf, die finanziellen Auswirkungen sowie das weitere Vorgehen am Willy-Brandt-Platz.

Gladbeck – 29.08.2026 – Die Fraktion hat am 21. August 2026 bei Bürgermeisterin Bettina Weist die unverzügliche Einberufung des Rates nach § 47 Abs. 1 GO NRW verlangt. Die nächste reguläre Ratssitzung ist nach Angaben im Antrag erst für den 24. September 2026 vorgesehen. Die Verwaltung hat dem Begehren der BiG stattgegeben. Doch sie ruft den Rat nicht unverzüglich (also innerhalb einer Woche) ein. Stattdessen hat die Stadt Gladbeck eine Ratssondersitzung für den 9. September eingeplant.

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BIG sieht Aufklärungsbedarf bei Kosten und Vergabe

Nach Darstellung der BIG-Ratsfraktion hat das ehemalige Rathaus-Café Schwarte inzwischen eine erhebliche finanzielle und öffentliche Bedeutung für Gladbeck erreicht. Nach den Angaben im Antrag wurde die Immobilie zusammen mit dem ehemaligen Grundstück Schwarte für rund 1,59 Millionen Euro von der Stadt erworben.

Für die geplante Sanierung seien weitere Aufwendungen von mehr als 1,4 Millionen Euro vorgesehen. Damit geht es nach Einschätzung der BIG insgesamt um öffentliche Mittel in einer Größenordnung von rund drei Millionen Euro.

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Die Fraktion fordert deshalb eine nachvollziehbare Darstellung, auf welchen politischen, haushaltsrechtlichen und wirtschaftlichen Grundlagen die Mittel eingesetzt werden. Auch bereits eingegangene Verpflichtungen und noch entstehende Kosten sollen offengelegt werden.

Die aktuellen NGZ-Recherchen hatten zuletzt bereits eine höhere Gesamtsumme für das Schwarte-Projekt ausgewiesen. Kauf, Sanierung und weitere Ausgaben summieren sich demnach inzwischen auf rund 3,397 Millionen Euro. Die NGZ hatte die aktuellen Kosten des Schwarte-Projekts detailliert aufgeschlüsselt.

Neun Minuten zwischen Antrag und Akteneinsicht

Besonderen Aufklärungsbedarf sieht die BIG bei der zeitlichen Abfolge des Vergabe- und Entscheidungsverfahrens.

Im Antrag verweist die Fraktion darauf, dass die PFG-Fraktion für den 11. August 2026 um 10 Uhr eine Akteneinsicht in den Vergabevorgang „Ehemaliges Rathaus-Café Schwarte“ vorgesehen habe. Erst neun Minuten zuvor, um 9.51 Uhr desselben Tages, sei der BIG-Fraktion eine Mitteilung über die Auftragsvergabe zugestellt worden.

Die BIG will deshalb geklärt wissen, wann die Verwaltung den Antrag der PFG-Fraktion auf Akteneinsicht erhalten hatte und wann der Termin vereinbart beziehungsweise bestätigt wurde.

Stadtrat soll über weitere Maßnahmen entscheiden

Nach den aktuellen Informationen der BIG hatten am Schwarte-Objekt zwischenzeitlich bereits Bau- beziehungsweise Sanierungsmaßnahmen begonnen. Die Fraktion will verhindern, dass während der laufenden politischen Klärung weitere Ausgaben oder Verpflichtungen zulasten des städtischen Haushalts entstehen.

Bereits seit dem Kauf der Immobilie durch die Stadt Gladbeck steht das Gebäude am Willy-Brandt-Platz im Mittelpunkt der kommunalpolitischen Diskussion. Über den Kauf des ehemaligen Rathaus-Cafés durch die Stadt hatte die NGZ bereits im Januar 2024 berichtet.

Die Stadt hatte anschließend nach einer neuen gastronomischen Nutzung gesucht. Zwischenzeitlich war unter anderem ein Jazz-Café vorgesehen. Die NGZ berichtete damals über die geplante Nachfolgelösung für das Rathaus-Café Schwarte.

BIG beantragt zunächst nichtöffentliche Beratung

Die BIG-Ratsfraktion schlägt für die Sondersitzung eine Aufteilung in einen nichtöffentlichen und einen öffentlichen Teil vor.

Zunächst sollen geschützte Informationen zu Vergaben, Verträgen, Liegenschaften und weiteren vertraulichen Vorgängen beraten werden. Anschließend soll der Rat öffentlich über die finanziellen Auswirkungen, die Wirtschaftlichkeit, die Verwendung öffentlicher Mittel, die kommunale Prioritätensetzung und das weitere Vorgehen beraten.

Vertrauliche Inhalte des nichtöffentlichen Teils sollen dabei nicht öffentlich gemacht werden. Die BIG begründet ihren Vorschlag damit, dass einerseits bestehende Schutzinteressen gewahrt und andererseits die politische Beratung über den Einsatz öffentlicher Mittel für die Gladbecker Öffentlichkeit nachvollziehbar geführt werden könne.

Auch ein möglicher Verkauf soll geprüft werden

Nach vollständiger Unterrichtung soll der Rat über das weitere Vorgehen entscheiden. Im Antrag nennt die BIG dabei ausdrücklich mehrere Möglichkeiten: Die begonnenen Sanierungsmaßnahmen könnten fortgeführt, geändert oder beendet werden. Auch alternative wirtschaftliche Handlungsoptionen einschließlich einer möglichen Veräußerung des Objekts sollen geprüft werden.

Ziel müsse es nach Auffassung der BIG sein, weitere vermeidbare finanzielle Belastungen für die Stadt Gladbeck zu verhindern und eine wirtschaftlich vertretbare Lösung für die Stadt zu ermitteln.

Die politische Auseinandersetzung um die Immobilie ist damit erneut auf der Tagesordnung. Zuletzt hatte die NGZ ausführlich über die inzwischen bekannten Kosten des Schwarte-Engagements berichtet. Auch die wirtschaftliche Verantwortung und der Einsatz städtischer Mittel stehen dabei im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion.

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