Hamburg
Polizei, Zoll und Finanzamt haben am Wochenende bei einer Großkontrolle in Ottensen diverse Verstöße festgestellt.
Florian Quandt
In Altona und Hamburg-Mitte fällt fast jede zweite geplante Lebensmittelkontrolle aus. Neue Zahlen zeigen, wie groß die Lücke ist.
Kiez, Schanze, Ottensen: Ausgerechnet in Hamburg-Mitte und Altona finden deutlich weniger Lebensmittelkontrollen statt als vorgesehen. Neue Zahlen von Foodwatch zeigen, wie groß die Lücke ist.
Mitte Juli kontrollierten Einsatzkräfte einen Dönerladen an der Großen Rainstraße in Ottensen. Dabei stießen die Kontrolleure auf massive Hygienemängel – mit Folgen. Der Imbiss wurde kurzerhand geschlossen.
Eine Kontrolle, bei der die Behörden fündig wurden. Doch wie oft wird überhaupt richtig hingeschaut?
Weniger Lebensmittelkontrollen als vorgesehen
Deutlich seltener als vorgesehen, zeigt der aktuelle Kontrollreport der Verbraucherschutzorganisation „Foodwatch“. In Altona standen 2025 insgesamt 1890 Routinekontrollen auf dem Plan. Durchgeführt wurden nur 977 – 51,7 Prozent. Damit blieb fast jede zweite vorgesehene Kontrolle aus. 2024 waren es noch 1078 Kontrollen und damit 57 Prozent des Solls.
Noch größer ist die Lücke in Hamburg-Mitte – und damit unter anderem auf St. Pauli. Dort sollten 2530 Kontrollen stattfinden. Tatsächlich waren es 1255: 49,6 Prozent.
Harburg und Eimsbüttel erfüllen Kontrollsoll deutlich besser
Andere Bezirke kommen deutlich näher an ihr Soll: Harburg erreichte 86,2 Prozent, Hamburg-Nord 85,8 Prozent und Eimsbüttel 80,3 Prozent. Hamburgweit lag die Quote bei 69,7 Prozent.
Auch die Gastronomie selbst hält regelmäßige Kontrollen für wichtig. „Wir sind natürlich sehr daran interessiert, dass diese Kontrollen stattfinden“, sagt Bernd Aufderheide, Präsident des Hamburger Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (DEHOGA), zur MOPO. Sie gäben für alle Beteiligten Sicherheit: für die Gäste und die Gastronomen.
Gleichzeitig warnt Aufderheide davor, Hygieneverstöße einzelner Betriebe auf die gesamte Branche zu übertragen. „Diese Pauschalierung ist natürlich Blödsinn.“ Der Verband weise seine Mitglieder auf die Vorschriften hin und biete auch Schulungen zu Hygienethemen an.
Personalmangel bremst Kontrollen in Altona
Dass die Zahlen in Altona seit Jahren sinken, hatte die MOPO bereits Anfang August berichtet. 2023 gab es dort noch 1451 planmäßige Kontrollen, 2025 waren es nur noch 977. Bis Anfang Mai dieses Jahres kamen 250 planmäßige Kontrollen zusammen.
Insgesamt zählt der Bezirk 1854 kontrollpflichtige Betriebe. Eine ausgefallene Kontrolle bedeutet allerdings nicht automatisch ein unkontrolliertes Restaurant. Wie oft ein Betrieb überprüft werden soll, richtet sich nach seinem Risiko. Die vorgesehenen Abstände reichen von wöchentlich bis einmal in drei Jahren.
Brisant ist: Ob diese Intervalle bei einzelnen Betrieben eingehalten werden, kann das Bezirksamt nach eigener Aussage nicht auswerten. Auch Verstöße oder wiederholt auffällige Betriebe werden nicht zentral statistisch erfasst.
Warum so viele Routinekontrollen ausfallen
Als Grund für die niedrige Kontrollzahl nennt Altona vor allem fehlendes Personal. Schon Anfang August erklärte das Bezirksamt der MOPO, man versuche, die Lage „im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten“ zu bewältigen. Ab Herbst solle eine Nachwuchskraft übernommen werden.
Dem „Abendblatt“ nannte der Bezirk inzwischen weitere Gründe: längere krankheitsbedingte Ausfälle, eine Person im Mutterschutz und eine Fachkraft, die inzwischen andere Aufgaben übernommen habe. „Wir setzen uns dafür ein, die personellen Kapazitäten der Lebensmittelüberwachung nachhaltig zu stärken“, sagte Bezirkssprecherin Monia Wachsen der Zeitung.
Das könnte Sie auch interessieren:
Bis dahin bleibt die Kontrolllücke groß: Allein 2025 fanden in Altona 913 der vorgesehenen 1890 Routinekontrollen nicht statt. Was die Kontrolleure dabei möglicherweise entdeckt hätten, lässt sich nicht sagen. Der Dönerladen in Ottensen zeigt zumindest, was passieren kann, wenn sie hinschauen.