Hinweis: Liebe Leserinnen und Leser,
nach dem Hackerangriff auf die Berliner Verwaltung sind die betroffenen Senatsverwaltungen wieder an das Landesnetz angeschlossen, wie das Land Berlin am 23. August 2026 mitteilte. Auch die von den Bezirken genutzten Fachverfahren stehen wieder zur Verfügung. Nach Angaben des Senats konnte es zunächst noch vereinzelt zu Beeinträchtigungen und Verzögerungen kommen. Die gute Nachricht: Nach Informationen des Tagesspiegels können die Wohngeldzahlungen für September wieder aufgenommen werden. Auch neue Anträge auf Wohngeld können online beim ServicePortal Berlin seit dem 25. August 2026 wieder gestellt werden. Der folgende Artikel gibt in seiner Originalfassung vom 21. August 2026 den Stand vor der Wiederherstellung der Systeme wieder.
Die Berliner Verwaltung ist Ziel eines Hackerangriffs geworden. Das gab die Berliner Landesverwaltung am Montag, 17. August 2026 bekannt, wie unter anderem rbb24 berichtete. Demnach soll die „Inkriminierung des Landesnetzes“, wie es die Landesverwaltung der Hauptstadt ausdrückte, am Freitag, 14. August 2026 erkannt worden sein. Die Netze der Berliner Verwaltung wurden daraufhin vom Landesnetz isoliert. Auch eine Woche danach sind die Behörden nicht voll arbeitsfähig. Das könnte nun rund 50.000 Empfängerinnen und Empfänger von Wohngeld betreffen. Es ist unklar, ob die Wohngeldzahlung pünktlich geleistet werden kann.
Hackerangriff: Drohen Verzögerungen beim Wohngeld?
Von dem Hackerangriff war laut rbb24 unter anderem die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen betroffen. Die Behörde zeigt sich für das Wohngeld zuständig, dass in Berlin rund 55.000 Menschen dabei unterstützt, sich das Wohnen noch leisten zu können. Die städtische Plattform statistik-berlin-brandenburg.de gibt an, dass Ende 2025 genau 55.480 Berliner Haushalte mit Wohngeld unterstützt wurden.
„Der Angriff auf die Systeme der Senatsverwaltung trifft unsere Wohnungsämter mitten im Kern ihrer Arbeit“, erklärte Linken-Politikerin Juliane Witt, Bezirksstadträtin für Soziales und Bürgerdienste in Marzahn-Hellersdorf, dem Tagesspiegel. Auch eine Woche nach der Cyberattacke sei das „Fachverfahren für Wohnberechtigungsscheine, Zweckentfremdung und Wohngeld komplett lahmgelegt“. Wohngeld-Anträge könnten derzeit nicht bearbeitet werden. Und auch die Vorbereitung der Auszahlungen für September kann nicht angegangen werden.
Andere Berliner Bezirke bestätigen, dass ihnen derzeit die Hände gebunden sein. „Eine Leistungsbewilligung von Wohngeld und Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) sowie die Erteilung von Wohnberechtigungsscheinen (WBS) sind derzeit weiterhin nicht möglich“, ist etwa auf der Website des Bezirksamts Pankow zu lesen. Das Amt gibt an, dass auch bewilligte Geldleistungen von der Störung betroffen sein können. „Wann die Störung behoben sein wird, ist nicht bekannt. Von Nachfragen zum Bearbeitungsstand bitten wir daher abzusehen“, informiert das Bezirksamt Pankow.
Wohngeld-Auszahlung in Berlin in Gefahr: Gibt es eine alternative Lösung?
Witt betonte, dass es nun die „oberste Priorität“ der Ämter sei, „gemeinsam mit dem Land Lösungen zu finden, damit anstehende Auszahlungen für Wohngeld und BuT die Bürgerinnen und Bürger trotzdem rechtzeitig erreichen.“ Das Wohngeld wird normalerweise so ausgezahlt, dass es spätestens am ersten Tag des Monats auf dem Konto der Empfänger ist. In der Regel ist der letzte Werktag des vorherigen Monats der Auszahlungstag bei den Ämtern, wie aus dem Wohngeldgesetz (WoGG) hervorgeht.
Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) versicherte laut dem Spiegel, dass man mit Hochdruck daran arbeite, die Verwaltung wieder ans Netz zu bekommen und die Wohngeld-Auszahlungen durchzuführen. Er sei auch „vorsichtig optimistisch, dass es schnell gehen kann“.
SPD und Linke bringen unterdessen eine alternative Lösung ins Spiel. „Dieser IT-Gau darf niemanden seine Wohnung kosten“, zitiert der Spiegel Linkenfraktionschef Tobias Schulze. Wie genau eine Alternative aussehen könnte, war zunächst aber unklar.
Welche Folgen könnte der Hackerangriff in Berlin haben?
Wegner betonte laut der Tagesschau, dass es sich um einen sehr ernsten Hackerangriff gehandelt hat. Wie lange der Hacker im System war, sei unklar. Allerdings könne es sein, dass man ihn rechtzeitig gestoppt habe, denn es seien nach bisherigen Erkenntnissen keine sensiblen Daten abgeflossen. Die Ursache für den Cyberangriff steht laut Wegner noch nicht fest. Es gibt aber bereits Kritik an der Cybersicherheit der Verwaltung in Berlin.
IT-Experte Manuel Atug bezeichnete den Schutz gegen Hackerangriffe in der Berliner Verwaltung gegenüber rbb24 als „sehr schlecht“. Diese Analyse habe er bereits vor einiger Zeit getätigt. „Als man uns ein paar Jahre später noch mal gebeten hat, ein Update dazuzugeben, weil man ja gewisse Maßnahmen ergriffen hätte, haben wir feststellen müssen, dass die Cybersicherheit in Berlin noch schlechter geworden ist“, sagte Atug.
Nach dem Cyberangriff fordert der CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers nun, dass man „ein zentrales Digitalbudget und einen Chief Digital Officer mit Durchgriff auf die Ressorts“ bekomme. „Die Gefährdungslage in Berlin ist als Bundeshauptstadt generell hoch. Deshalb muss Cybersicherheit höchste Priorität haben“, sagte Evers der Deutschen Presse-Agentur (dpa).
Auch interessant: Im Zuge einer Wohngeldreform soll unter anderem die 15-Euro-Grenze eingeführt werden. Durch diese sollen einige Berechtigte ihren Anspruch auf die Leistung verlieren.