Ruhig ging es bei den Freien Wählern in Augsburg selten zu. Allein innerhalb des vergangenen Jahres gab es eine aufreibende Listenaufstellung, Austritte, persönliche Skandale. Nun platzt die nächste Bombe. Parteichefin Raluca Sandner wird vorzeitig ihr Amt aufgeben. Am 20. September ist eine Mitgliederversammlung anberaumt. Entsprechende Informationen bestätigt Sandner unserer Redaktion. Sie nennt vor allem berufliche Gründe. Doch im Hintergrund spielen sich seit Monaten heftige Auseinandersetzungen ab. Es geht um Macht, Intrigen und verletzte Eitelkeiten.

Ein Blick zurück: Sandner galt als Gesicht des Neuaufbruchs der Partei. Im Oktober 2025, Sandner war gerade drei Wochen Mitglied der Freien Wähler, wurde sie als Nachfolgerin von Angelika Lippert gewählt. Sander, so wurde damals kolportiert, passte gut in die Strategie des schwäbischen Bezirkschefs und Digitalministers Fabian Mehring, die Freien Wähler in der Großstadt attraktiv zu machen: jung, intelligent, weiblich, mit Migrationshintergrund. Der Start verlief suboptimal – bei der Listenaufstellung kam es zum Showdown zwischen der Partei und dem dahinter stehenden Verein. Die Personalie Peter Hummel, der damals noch für die Freien Wähler im Stadtrat saß, den das Lager der „Erneuerer“ aber wegen seiner Vorgeschichte – Hummel wurde 2021 wegen Verleumdung und Beleidigung verurteilt – loswerden wollte, vervollständigte die Misere.

Aktuelle Chefin der Augsburger Freien Wähler war zuvor bei der CSU in Göggingen aktiv

Dennoch, man schien sich zusammenzuraufen. Sandner war Parteichefin, der frühere Kanu-Weltmeister Hannes Aigner wurde OB-Kandidat. Bei der Kommunalwahl holten die Freien Wähler starke 6,2 Prozent und zogen als Fraktion in den Stadtrat ein. In der neuen Regierungskooperation stützen sie Oberbürgermeister Florian Freund (SPD). Recherchen unserer Redaktion legen nun nahe, dass es schon lange zuvor bröckelte. Aus gut informierten Kreisen heißt es, dass sich bereits im Wahlkampf ein tiefer Graben zwischen Sandner auf der einen Seite und Aigner sowie dem langjährigen Stadtrat Hans Wengenmeir auf der anderen Seite aufgetan habe. Sandner sagt: „Hannes Aigner hat mich im Wahlkampf isoliert, weil er die Macht wollte.“ Fraktionschef Aigner formuliert seine Kritik an Sandner diplomatischer: „Die Zusammenarbeit zwischen Fraktion und Parteiführung ist nicht auf dem Niveau erfolgt, wie wir uns das gewünscht haben“, sagt er.

Sandner war vor ihrem Eintritt bei den Freien Wählern im CSU-Ortsverband in Göggingen aktiv. Dort habe sie, berichten CSU-nahe Kreise, mit Diffamierungen versucht, den Ortsverband zu übernehmen. Als sie gemerkt habe, dass sie gescheitert war, sei sie ausgetreten. „Egal, wo sie hingeht. Sie hinterlässt eine Spur der Verwüstung“, sagt ein CSU-Insider. Sandner sei eine „Narzisstin“. Ähnlich harsch sei sie schließlich auch bei den Freien Wählern vorgegangen. Von einem Mitglied heißt es: „Die Frau ist herrschsüchtig. So etwas habe ich noch nie erlebt.“

Sie will neue Parteichefin der Freien Wähler in Augsburg werden

Sandner weist die Vorwürfe zurück. „Ich habe von Beginn an aufrichtig versucht, den Freien Wählern zu helfen, sie zu professionalisieren“, sagt sie. Sandner sieht die scharfen Attacken auf sie in dem Unvermögen begründet, „eine selbstbewusste Frau an der Spitze der Partei auszuhalten“. Es sei schlichtweg Frauenfeindlichkeit. Dem Vernehmen nach besteht zwischen Sandner und der Fraktion kaum noch Kontakt. Auch die Parteispitze ist demnach gespalten. Da ist auf der einen Seite Sandner, ihr Ehemann Florian Sandner sowie Fritz Stütz als Schatzmeister, auf der anderen Seite die langjährigen Stadträte Hans Wengenmeir und Regina Stuber-Schneider.

Dass Sandner ihr Amt vorzeitig aufgibt, habe aber nichts mit dem Streit in der Partei zu tun, betont sie. „Das ist mir ziemlich egal. Mich motiviert das eher“, sagt die Diplom-Juristin. Sie habe vor Kurzem eine Vollzeitstelle angenommen und deshalb nicht mehr die Kapazitäten, die Partei zu führen. Auch ihre Familie sei zu kurz gekommen. Eine mögliche Nachfolgerin scheint schon bereitzustehen. Zuletzt kursierte das Gerücht, dass Stadträtin Susanne Rößner die Parteiführung übernehmen könnte. Auf Anfrage unserer Redaktion bestätigt Rößner, dass sie für das Amt der Parteivorsitzenden kandidieren werde. Ihr Ziel sei, Fraktion und Partei wieder näher zusammenzubinden. Ähnlich wie in der Fraktion, in der es „sehr, sehr gut harmoniere“.

Susanne Rößner möchte neue Parteichefin der Freien Wähler in Augsburg werden.

Icon vergrößern

Susanne Rößner möchte neue Parteichefin der Freien Wähler in Augsburg werden.
Foto: Freie Wähler

Schließen

Icon Schließen

Icon vergrößern

Icon verkleinern

Icon Pfeil bewegen

Susanne Rößner möchte neue Parteichefin der Freien Wähler in Augsburg werden.
Foto: Freie Wähler

Für Sandner endet ihre knapp einjährige Amtszeit Mitte September. Sandner sagt, sie sei mit sich im Reinen. Die Unterstützung der Mitglieder habe sie jederzeit gespürt. Mindestens ein Jahr hätte sie noch Parteichefin bleiben können. Aber auch darüber hinaus hätte sie gute Chancen gehabt, ist Sandner überzeugt: „Wenn ich gewollt hätte, wäre ich wiedergewählt worden.“