Ein kurzer, energischer Zug am Startseil lässt die Kettensäge laut aufheulen. Das Knattern und Dröhnen begleitet jeden einzelnen Handgriff, Späne fliegen durch die Luft. Doch davon darf sich der Künstler Guntram Prochaska nicht ablenken lassen.

Seine Arbeit erfordert hohe Präzision

Denn seine Kunst ist Millimeterarbeit, bei der Präzision und Ruhe gefragt ist. „Ich muss die Kettensäge so stillhalten, dass man sich theoretisch den Fingernagel damit feilen könnte“, sagt Prochaska im Gespräch mit ka-news am 12. August. Normalerweise werden mit Kettensägen Bäume gefällt und Holz zerkleinert. Doch in seinen Händen wird sie zu einer Art Stift, der in das Holz zeichnet und so in den meisten Fällen, ein Gesicht zum Vorschein bringt.

Multiple Artist Guntram Prochaska.

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Multiple Artist Guntram Prochaska.
Foto: Franziska Gebhard

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Multiple Artist Guntram Prochaska.
Foto: Franziska Gebhard

Es ist kein leichtes Unterfangen, das ihn auch körperlich erschöpft. Es sei zäh, sich mit dem Material auseinanderzusetzen. Zum Material Holz habe er sich schon früh hingezogen gefühlt. Bereits im Alter von vier Jahren ritzte er mit den Nähnadeln seiner Mutter Gesichter in Stöcke. Die Liebe zur Natur und zu Bäumen scheint in der Familie zu liegen, denn sein Vater war Förster. Doch das sei nicht alles, ihn fasziniere die Lebendigkeit von Holz. „Es ist echt. Es lebt und verändert sich“, sagt er. Darum lackiere er seine Kunstwerke nie – sie sollen leben und altern können.

„Ich hauche gefallenen Bäumen neues Leben ein“

Prochaska arbeitet ausschließlich mit bereits toten Bäumen, die beispielsweise durch Stürme beschädigt wurden. „Ich hauche gefallenen Bäumen neues Leben ein“, sagt er und lächelt. Neu belebt hat er Ende Juli den Stumpf des zweiten Hügel-Baumes in der Günther-Klotz-Anlage. Dieser knickte beim Unwetter am Donnerstag, 16. Juli, ab.

Mount Klotz: Kaputter Baum wird Kunstwerk am 20. Juli 2026.

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Mount Klotz: Kaputter Baum wird Kunstwerk am 20. Juli 2026.
Foto: Thomas Riedel

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Mount Klotz: Kaputter Baum wird Kunstwerk am 20. Juli 2026.
Foto: Thomas Riedel

Der Künstler ist selbst auf die Fest-Leitung mit seiner Idee zugegangen. Vor Ort zeigte sich: Das Holz ist nicht zu stark beschädigt und eignet sich für eine Skulptur. „So entstand der gute Geist auf dem Hügel, der über das Fest-Gelände wacht“, sagt er.

Der Natur ein Gesicht verleihen

Gesichter in verschiedenen Formen, meist mit Glupschaugen, mal lächelnd, mal ernst dreinschauend, prägen den Großteil seiner weltweit bekannten Skulpturen, die in rund 40 Ländern stehen.

Doch wieso Gesichter? „Diese Gesichter sind wie Wächter, die auf die Natur schauen“, erklärt Prochaska. Gleichzeitig könne die Natur dadurch selbst ein Gesicht bekommen.

Skulpturen von Guntram Prochaska in seinem Skulpturen-Garten in Grötzingen.

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Skulpturen von Guntram Prochaska in seinem Skulpturen-Garten in Grötzingen.
Foto: Franziska Gebhard

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Skulpturen von Guntram Prochaska in seinem Skulpturen-Garten in Grötzingen.
Foto: Franziska Gebhard

Welche Form sich genau bildet, hänge vorrangig vom Holz selbst ab. Bevor er die Säge ansetzt, schaut er sich das Holz genau an. Welche Gegebenheiten, wie Risse oder Maserungen, kann er in sein Kunstwerk einbinden? Oft erreiche er beim Arbeiten eine Art „Flow“. „Wenn ich die Kettensäge anwerfe, erschrickt das Holz so sehr, dass es mir seine Form preisgibt“, sagt er scherzhaft.

Die Säge als Instrument

Der Grötzinger Künstler bezeichnet sich selbst als „Multiple Artist“. Denn neben den Skulpturen malt er und macht Musik. Ebenfalls zutreffend sei die Bezeichnung „Holzsägekomponist“. Menschen hätten ihm schon immer fasziniert bei der Arbeit beobachtet. Deswegen entschied er sich, Performances zu entwickeln, in denen seine Holzbearbeitung auf Musik trifft. Manchmal werde die Säge dabei selbst zum Instrument.

Multiple Artist Guntram Prochaska neben seinen Holzskulpturen.

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Multiple Artist Guntram Prochaska neben seinen Holzskulpturen.
Foto: Franziska Gebhard

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Multiple Artist Guntram Prochaska neben seinen Holzskulpturen.
Foto: Franziska Gebhard

Wer den Künstler und seinen Skulpturen-Garten selbst erleben möchte, hat dazu am 12. und 13. September im Rahmen der „offenen Ateliers Durlach und Grötzingen“ die Möglichkeit.