Zwei Musikerinnen sitzen mit ihren Instrumenten, einer Geige und einem Cello, vor Notenständern und lächeln sich gegenseitig an. Im Hintergrund stehen zahlreiche Menschen in einer Bahnhofshalle und beobachten das Duo.

AUDIO: „hell:wach“: Rund 20 Ensembles spielen Konzertmarathon in Hannover (3 Min)

Stand: 30.08.2026 12:05 Uhr

Klassik dort, wo man sie nicht erwartet: Bei „hell:wach“ in Hannovers Innenstadt haben am Samstag Ensembles der freien Szene unter anderem eine U-Bahnstation, ein Café und ein Kaufhaus bespielt. Das passt zur neuen Musikstrategie der Stadt.

von Agnes Bührig

Samstagnachmittag an Hannovers U-Bahnstation Kröpcke: Während unten die Bahnen durchfahren, spielt das LFKN-Quartett im Zwischengeschoss Schuberts Lied „Die Taubenpost“. In dem Quartett musizieren Vorstandsmitglieder des Landesverbands Freie Klassik Niedersachsen mit Geige, Bratsche, Akkordeon und Gesang.

Den Menschen allen Alters, die in einem Ring um die Musiker stehen, gefällt das. „Ich finde das richtig schön, weil es mal etwas ganz anderes ist, so von der Atmosphäre her“, schwärmt ein Passant.

Gesucht: Neue Impulse für die Klassik-Szene

Musik mehr Menschen zugänglich zu machen ist das erklärte Ziel der Stadt Hannover. In ihrer jüngst vorgestellten Musikstrategie präsentiert die Verwaltung Musik als kulturelle Schlüsselressource der Stadtentwicklung. Doch gerade im Bereich der Klassik werde es nicht ewig so weitergehen wie bisher, sagt Almut Wille, die beim Kulturbüro Hannover als Musikkoordinatorin arbeitet. Die Klassik-Szene benötige neue Impulse.

„Die freie Szene ist ganz nah dran an den Menschen“, beobachtet Wille. „Auf sehr agile und kreative Weise setzt sie neue Veranstaltungskonzepte um, die aufzeigen, welche Wege die klassische Musik einschlagen kann – und zukünftig wahrscheinlich auch muss.“

Öffentliche Konzertprobe vor dem Teeladen

Drei Musiker spielen Blechblasinstrumente auf einer belebten Fußgängerzone, während eine große Gruppe von Zuschauern aufmerksam zuhört.

Auch für das Quintett Neues Haus Brass bleiben am Samstag viele Menschen, die in Hannovers Innenstadt unterwegs sind, stehen.

Musik, der man näherkommen kann: Vor dem Schaufenster des Teeladens Paper & Tea, der Teeproben anbietet, gibt das Quintett Neues Haus Brass eine Konzertprobe. Weitere Ensembles sind in einem Kaufhaus, einem Hotel und einem Café in der Innenstadt Hannovers unterwegs.

Auf dem Opernplatz, an Ständen von Musikland Niedersachsen, einer Servicestelle für professionelles Musikleben, ist Raum fürs Gespräch. Ein wichtiges Thema dabei ist die Probensituation.

Günstige Proberäume fehlen

„In der freien Klassikszene merken wir sehr stark, dass es in den letzten Jahren schwierig geworden ist, günstige Räume für Proben zu finden“, erzählt Maria Pache vom Verein Freie Klassik Niedersachsen. „Alles ist teuer geworden und alle müssen aufs Geld schauen. Orte, wo man ohne Weiteres umsonst oder gegen eine kleine Spende proben kann, gibt es kaum noch.“ Also müssten kreative Lösungen her, findet Pache.

Auch bei der Stadt Hannover sieht man diesen Bedarf. In der Musikstrategie ist festgeschrieben, dass sich ein Think Tank aus unterschiedlichsten Vertretern bilden soll, um Räume zu sichern und neue zu finden. Zugleich erschweren klamme Kassen in den Kommunen die Umsetzung.

„Hannover entwickelt sich zur Musikstadt!“

In der U-Bahnstation Kröpcke hat inzwischen das trio.s übernommen und präsentiert ein Stück des italienischen Komponisten Giovanni Battista Pergolesi aus dem 18. Jahrhundert. Fahrgäste hasten vorbei, manche werden aufmerksam, bleiben stehen. Der Stimmung jedenfalls gibt die klassische Musik etwas Friedliches. Eine Dame fasst es so zusammen: „Hannover entwickelt sich zur Musikstadt!“

Intendant Bodo Busse lächelt und  hält ein bunt gestaltetes Programmheft mit der Aufschrift "Staatsoper Hannover" in die Kamera.

Neben Klassikern wie „Fidelio“ und „Madama Butterfly“ kommt in der neuen Spielzeit auch der „Räuber Hotzenplotz“ auf die Bühne.

Philipp Schmid und Hans-Jürgen Mende

Zwischen Mitte September und Ende Oktober helfen Hans-Jürgen Mende und Philipp Schmid wohltätigen Projekten im Norden.

Cello in warmer Lichtstimmung

Hier präsentiert Ihnen NDR Kultur ausgewählte Konzerte im Video-Livestream sowie musikalische Highlights on-demand.