Das Wichtigste in Kürze
- Die deutschen Erdgasspeicher waren am 28. August 2026 nach den Daten der europäischen Speicherdatenbank AGSI+ zu 52,24 Prozent gefüllt. Für den 27. August weist dieselbe Datenbank 51,95 Prozent aus – gegenüber rund 69,6 Prozent am 27. August 2025 und rund 94,8 Prozent am 27. August 2024.
- Zwischen dem 17. und dem 28. August kamen im Schnitt 0,20 Prozentpunkte je Tag hinzu. Um die deutsche Vorgabe zum 1. November im Mittel aller Speicher zu erreichen, wären nach Berechnung von NETZ-TRENDS rund 0,27 Prozentpunkte je Tag nötig.
- Ob der Bund die Befüllung erneut bezahlen lässt und wer die Kosten trägt, ist offen. Die deutsche Gasspeicherumlage lag zuletzt bei 0,289 Cent je Kilowattstunde – rund 58 Euro im Jahr für einen Haushalt mit 20.000 Kilowattstunden.
Die Seite der Bundesnetzagentur, auf der der Verlauf der deutschen Speicherfüllstände in Prozent veröffentlicht wird, trug an diesem Samstag den Stand 29. August 2026, 8:47 Uhr. Die Behörde weist dort darauf hin, dass die Daten werktäglich aktualisiert werden und vorläufig sind.
Nach den Werten der europäischen Speicherdatenbank AGSI+ von Gas Infrastructure Europe lagen die deutschen Untergrundspeicher am 28. August 2026 bei 52,24 Prozent. Am Tag zuvor waren es 51,95 Prozent. Zum Vergleich: Am 27. August 2025 wies dieselbe Datenbank rund 69,6 Prozent aus, am 27. August 2024 rund 94,8 Prozent. Auf denselben Kalendertag bezogen liegt der Füllstand damit rund 17,7 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert.
Für Haushalte mit Gasheizung ist das keine abstrakte Größe. Was im Speicher liegt, wenn die Heizperiode beginnt, entscheidet mit darüber, wie stark die Nachfrage im Winter auf den Markt drückt – und ob der Staat noch einmal eingreift, wie er es 2022 getan hat. Damals kaufte der deutsche Marktgebietsverantwortliche Trading Hub Europe im staatlichen Auftrag Gas ein; parallel wurde eine Gasspeicherumlage auf den Gasverbrauch erhoben.
Die gesetzliche Vorgabe steht am 1. November, nicht im Dezember
In Deutschland schreibt die Gasspeicherfüllstandsverordnung feste Termine vor. Die Bundesnetzagentur weist die Vorgaben auf derselben Seite aus, auf der sie die Füllstände veröffentlicht: Zum 1. November müssen Kavernenspeicher und vier südliche Porenspeicher zu 80 Prozent gefüllt sein, sechs weitere Porenspeicher zu 45 Prozent. Zum 1. Februar gilt eine deutlich niedrigere Marke von 30 Prozent, für einzelne Anlagen abweichend.
Betroffene Speicher in Deutschland
Vorgabe
Quelle: Bundesnetzagentur, Füllstandsvorgaben nach der deutschen Gasspeicherfüllstandsverordnung, abgerufen am 29. August 2026. Die Vorgaben gelten je Speicheranlage, nicht als Landesdurchschnitt.
Weil die Vorgaben je Anlage und nicht als Durchschnitt gelten, ergibt sich über alle deutschen Speicher hinweg ein gemischter Wert. Der Geschäftsführer des deutschen Marktgebietsverantwortlichen Trading Hub Europe, Torsten Frank, bezifferte ihn gegenüber dem Politico-Newsletter „Energie und Klima“ auf 70 Prozent zum 1. November; die Nachrichtenagentur dts gab die Äußerung am 27. August wieder. Frank nannte es demnach nicht gesichert, dass diese Marke erreicht wird.
0,20 Prozentpunkte am Tag – nötig wären rund 0,27
Wie weit der Weg tatsächlich ist, lässt sich mit den öffentlich zugänglichen Werten nachrechnen. Am 17. August wies AGSI+ für Deutschland 50,06 Prozent aus, am 28. August 52,24 Prozent. Das sind 2,18 Prozentpunkte in elf Tagen – im Schnitt 0,198 Prozentpunkte je Tag. Über einen längeren Zeitraum betrachtet ergibt sich ein ähnliches Bild: Am 1. Juli lag der Füllstand bei rund 41 Prozent, bis zum 28. August kamen 11,2 Punkte in 58 Tagen hinzu, also etwa 0,19 Punkte je Tag.
Vom 28. August bis zum 1. November sind es 65 Tage. Bei 0,198 Punkten je Tag käme Deutschland damit auf rund 65,1 Prozent. Um im Mittel 70 Prozent zu erreichen, wären rund 0,27 Punkte je Tag nötig – gut ein Drittel mehr als zuletzt. Für die 80-Prozent-Marke, die für einen Teil der Anlagen gilt, wären es rund 0,43 Punkte je Tag, mehr als das Doppelte des aktuellen Tempos.
Eigene Darstellung NETZ-TRENDS auf Basis von Daten von AGSI+ (Gas Infrastructure Europe). Die gepunktete Linie ist eine Fortschreibung mit dem Tempo vom 17. bis 28. August 2026 und keine Prognose; die Marke von rund 70 Prozent im Mittel ist eine Angabe von Trading Hub Europe.
Das ist eine Fortschreibung, keine Prognose. Einspeicherraten schwanken mit Preis, Temperatur und verfügbaren Transportkapazitäten, und ein einzelner kühler Septemberabschnitt oder ein Preisrutsch am Großhandelsmarkt kann die Kurve in beide Richtungen verschieben. Die Rechnung sagt nur, was passiert, wenn sich das Tempo der zurückliegenden Wochen fortsetzt.
Warum sich das Einspeichern derzeit kaum lohnt
Der Grund für das langsame Tempo liegt nicht in fehlender Technik, sondern im Preis. Speicher füllen sich normalerweise, weil Gas im Sommer billiger ist als im Winter – der Sommer-Winter-Spread ist die Marge, aus der sich die Einspeicherung finanziert. Dieser Abstand hat sich verkehrt.
Der europäische Referenzpreis TTF lag nach einem Bericht von Euronews vom 26. August 2026 am Dienstagnachmittag bei über 66 Euro je Megawattstunde, nachdem er zuvor 68 Euro erreicht hatte. In demselben Bericht ordnet Natasha Fielding, bei Argus Media zuständig für Gas, LNG, Kohle und Biomasse, die Speicherstände ein: „In den vergangenen 15 Jahren waren die Bestände nur ein einziges Mal ähnlich niedrig, nämlich 2021.“ Der EU-weite Füllstand lag laut demselben Bericht am 24. August bei 62,99 Prozent, in den Niederlanden bei 44,3 Prozent.
Die Initiative Energien Speichern (INES), der Verband der deutschen Speicherbetreiber, hatte diesen Punkt bereits im Frühjahr benannt. In ihrer Szenarienrechnung vom 12. Mai 2026 hielt sie 76 Prozent zum 1. November für technisch erreichbar – ausdrücklich unter der Bedingung, dass die Marktbedingungen mitspielen. Technisch stehe die Kapazität zur Verfügung, entscheidend seien die Anreize, sie auch zu nutzen.
Im Süden Deutschlands sind die Speicher am leersten
Der Durchschnittswert verdeckt ein regionales Gefälle. Nach der von dts wiedergegebenen Darstellung von Trading Hub Europe zeigten drei Anlagen im Süden besonders niedrige Stände: Wolfersberg, Inzenham-West und Breitbrunn. Frank stellte nach dieser Wiedergabe zugleich klar: Niedrige Füllstände im Süden seien nicht gleichbedeutend mit einem erwarteten Engpass in Bayern oder Baden-Württemberg, weil Importe über Österreich möglich blieben.
Denkbar sei je nach Szenario „eine regionale Mangellage theoretisch“, wird er in der Meldung der Nachrichtenagentur dts vom 27. August zitiert. Die Transportlage bezeichnete er demnach als heikel, weil Gas erst im Marktgebiet verfügbar sein müsse, bevor es eingespeichert werden könne. Ob Trading Hub Europe wie 2022 erneut im staatlichen Auftrag Gas einkaufen würde, ließ er nach dieser Wiedergabe offen; das hänge von der Abstimmung mit dem deutschen Bundeswirtschaftsministerium und der Bundesnetzagentur ab.
Zugleich liegt der Bundesnetzagentur ein Stilllegungsantrag vor
Parallel zur Befüllungsfrage läuft ein zweiter Vorgang, der dieselben Anlagen betrifft. Das bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie forderte in seiner Pressemitteilung 197/26 vom 7. Mai 2026 den Bund auf, einen Stilllegungsantrag abzulehnen, den das Unternehmen Uniper nach Darstellung des Ministeriums bei der Bundesnetzagentur eingereicht hat. Die Anzeige einer Stilllegung ist ein im deutschen Energiewirtschaftsrecht vorgesehenes Verfahren; über sie entscheidet die Behörde. Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger wird dort mit dem Satz zitiert: „Ohne die bayerischen Gasspeicher gibt es keine sichere Energieversorgung.“
Das Ministerium beziffert die Kapazität der bayerischen Speicher – genannt werden Bierwang, Breitbrunn/Eggstätt, Wolfersberg, Schmidhausen und Inzenham-West – auf über 30 Terawattstunden und verweist zusätzlich auf die in Österreich gelegenen, an das deutsche Netz angebundenen Anlagen Haidach und 7Fields. Auch in Österreich wird derzeit über den künftigen Speicherbedarf gestritten – dort allerdings mit unterschiedlichen Zahlen von Ministerium und Regulierungsbehörde. Der Bund müsse Rahmenbedingungen schaffen, „die einen wirtschaftlich rentablen Betrieb der Speicher ermöglichen“, heißt es in der Mitteilung. Eine Stellungnahme von Uniper zu dem Vorgang lag NETZ-TRENDS nicht vor; eine Anfrage war bis zum Redaktionsschluss an diesem Samstagabend nicht möglich.
Die Kostenfrage ist gestellt, aber nicht beantwortet
Für Haushalte hängt an der Speicherfrage vor allem ein Betrag. Die deutsche Bundesregierung hat die Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026 abgeschafft; sie sollte ursprünglich bis zum 31. März 2027 laufen. Nach der Mitteilung der Bundesregierung vom 3. Dezember 2025 übernimmt seither der Bund die Kosten. Die Entlastung bezifferte sie für 2026 auf über drei Milliarden Euro, davon rund eine Milliarde für private Haushalte. Bei anderen Posten der Wärmerechnung geht die Bewegung derzeit in die Gegenrichtung: Das deutsche Bundeskabinett hat Ende August Eckpunkte zum Wärmenetzpaket beschlossen, die für Mietwohnungen eine Mehrbelastung von bis zu 0,50 Euro je Quadratmeter zulassen sollen, und der CO₂-Preis bleibt 2027 im Korridor von 55 bis 65 Euro.
Rechenbeispiel: was eine Umlage einen Haushalt gekostet hat
Die deutsche Gasspeicherumlage lag vor ihrer Abschaffung bei 0,289 Cent je Kilowattstunde. Für einen Haushalt mit Gasheizung und 20.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch ergab das nach Angaben der Bundesregierung rund 58 Euro im Jahr.
Ob und in welcher Höhe eine neue Umlage entstünde, ist nicht entschieden. Der Betrag zeigt lediglich die Größenordnung, um die es bei diesem Finanzierungsweg geht – und er gilt für Deutschland, nicht für Österreich oder die Schweiz.
Wie eine künftige strategische Gasreserve bezahlt werden soll, ist offen. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche benannte gegenüber dem Handelsblatt am 3. August 2026 zwei Wege: „Es gibt zwei Finanzierungsoptionen. Das eine ist eine Umlage, das zweite ist die Haushaltsfinanzierung.“ Vielleicht gebe es ein Mischmodell, das müsse in der Koalition und mit dem Markt besprochen werden. Zusätzliche Kosten für Unternehmen in wettbewerbsschwierigen Lagen wollte sie nach diesem Bericht vermeiden.
Was in den Mitteilungen nicht steht
Auffällig ist, was in der öffentlichen Darstellung fehlt. Die Abschaffung der Gasspeicherumlage wurde im Dezember 2025 als Entlastung um über drei Milliarden Euro kommuniziert – ohne Angabe dazu, was die Befüllung der Speicher in den Folgejahren kosten würde und aus welchem Topf. Umgekehrt nennt die Ministerin in dem Handelsblatt-Bericht vom 3. August zwar zwei Finanzierungswege, aber weder einen Betrag noch einen Zeitpunkt.
Einordnung: drei offene Punkte
- Ob die deutschen Speicher die Vorgabe zum 1. November erreichen, hängt an den kommenden neun Wochen. Die zurückliegenden elf Tage reichten rechnerisch nicht.
- Ob der Bund erneut staatlich beauftragt einkaufen lässt, ist nach der wiedergegebenen Aussage von Trading Hub Europe nicht entschieden.
- Ob eine Finanzierung über eine Umlage kommt und wie hoch sie wäre, ist ebenfalls offen. Erst diese Entscheidung macht aus einer Speicherzahl einen Betrag auf der Jahresabrechnung.
Was als Nächstes ansteht
Der nächste feste Termin ist der 1. November. Bis dahin veröffentlicht die Bundesnetzagentur ihre Füllstände weiter an jedem Werktag; AGSI+ aktualisiert die europäischen Werte täglich. Die Initiative Energien Speichern aktualisiert ihre Szenarien regelmäßig; die für diesen Beitrag ausgewertete Fassung stammt vom 12. Mai 2026. Wann ein Gesetzentwurf zur strategischen Gasreserve vorgelegt wird, war zum Redaktionsschluss an diesem Samstagabend nicht bekannt.
Für Haushalte in Deutschland heißt das zunächst: Die Speicherzahl allein ändert an der laufenden Rechnung nichts. Relevant wird sie in dem Moment, in dem aus ihr eine politische Entscheidung über Beschaffung und Finanzierung folgt. Bis dahin ist sie ein Frühindikator – und einer, der sich täglich öffentlich nachsehen lässt.
Wie bewerten Sie die aktuelle Speicherlage vor dem Winter? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gerne in die Kommentare.
Quellen
- Bundesnetzagentur: Verlauf der Speicherfüllstände in Prozent, letzte Aktualisierung 29. August 2026, 8:47 Uhr
- Gas Infrastructure Europe: AGSI+ Speicherdaten, Werte für Deutschland zum 27. und 28. August 2026 sowie zu den Vorjahresstichtagen
- Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie: Pressemitteilung 197/26 vom 7. Mai 2026
- Bundesregierung: Abschaffung der Gasspeicherumlage, Mitteilung vom 3. Dezember 2025
- Initiative Energien Speichern: INES-Gas-Szenarien, Mitteilung vom 12. Mai 2026
- Euronews: Bericht zu europäischen Gaspreisen und Speicherständen vom 26. August 2026, mit Zitat von Natasha Fielding (Argus Media)
- Handelsblatt: Bericht vom 3. August 2026 mit Äußerungen von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche
- Nachrichtenagentur dts, Meldung vom 27. August 2026, mit Äußerungen von Torsten Frank (Trading Hub Europe) gegenüber dem Politico-Newsletter „Energie und Klima“
- Eigene Berechnung NETZ-TRENDS auf Basis der AGSI+ Werte vom 1. Juli, 17. August und 28. August 2026
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