Die Kinder wollten nicht von der Hüpfburg, die Eltern irgendwann schon: Beim Luegallee-Fest blieb es am Sonntag ansonsten bemerkenswert entspannt. Rund um den Barbarossa-Brunnenplatz und auf der gegenüberliegenden Seite der Luegallee wurde gefeiert, geredet und der Musik gelauscht – ohne Lärm und Hektik, dafür mit viel Gelassenheit.
„Ich komme jedes Mal zum Luegallee-Fest, weil ich einen netten, entspannten Sonntag verleben möchte“, sagte der Oberkasseler Michael. „Ich bin nie verabredet, finde aber immer Leute, die ich kenne.“ „Es ist ein sehr nettes Fest. Gut, dass es die Leute gibt, die es organisieren“, lobte Ratsherr Samy Charchira (Grüne). „Es ist ein Ankerpunkt für die Gemeinschaft. Schön, dass die Nachbarschaft zusammenkommen kann.“
Organisiert wurde das beschauliche Fest erneut von der Interessengemeinschaft (IG) „Wir in Oberkassel“. Federführend war IG-Geschäftsführer und Kassenwart Manfred Simon. „Wir feiern ja nicht nur rund um den Barbarossa-Brunnen und den Barbarossa-Veranstaltungsplatz, sondern auch in der Drakestraße“, erklärte Simon. „Dort haben sich fünf Läden dem Luegallee-Fest angeschlossen.“
Das Herz des Festes blieb jedoch der Barbarossa-Brunnen. Dort stand die Bühne, dort wurden die Gewinner der Tombola-Hauptpreise verkündet – und dort spielte im wahrsten Sinne des Wortes die Musik. Zunächst erfreute das Trio „Jazzbonbon“ mit Dixieland die Ohren. Danach rockte die Schulband des Cecilien-Gymnasiums, „Shades“, gemeinsam mit den „Töchtern Düsseldorfs“ die Bühne. Den musikalischen Abschluss bildeten The Fox.
„Es gab keine Schwierigkeiten, das Programm zusammenzustellen“, sagte Simon. „Auch die Standakquise war einfach. Ich hatte mehr Anfragen als Stände.“
Dass Beate Jürgens mit ihrem Zahnarztpraxisteam dabei ist, steht seit 2012 fest. Damals war Jürgens mit der Eröffnung einer neuen Praxis beschäftigt, fand aber dennoch die Zeit, das Luegallee-Fest mitzugestalten. „Ich habe auch schon vor 2012 als Zahnärztin im Viertel gearbeitet. Damals haben wir Zahngold an Kinderhilfsprojekte gespendet. Mit unserem Stand auf dem Luegallee-Fest wollten wir mehr tun“, sagte Jürgens. „Diesmal sammeln wir Spenden, haben ein Glücksrad aufgestellt, veranstalten eine Tombola und verdoppeln am Ende des Tages alle eingenommenen Spendengelder.“
Für die Tombola hatte das 20-köpfige Praxisteam Freunde, Verwandte, Patienten und Geschäftsleute angesprochen und so mehr als 200 Preise zusammengetragen. „Der Hauptpreis der Tombola ist ein Rundflug über Düsseldorf, gespendet von Flying Hope“, sagte Jürgens. Flying Hope erhalte gemeinsam mit Sterntaler die Spenden.
Flying Hope ist ein gemeinnütziger Verein, der kostenlose Flüge für Kinder vermittelt, die aufgrund ihres körperlichen, geistigen oder seelischen Zustands auf die Hilfe anderer angewiesen sind und nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen. Sterntaler ist ein Verein und eine Stiftung zur Unterstützung hilfsbedürftiger Kinder.
Angesichts des Oberkasseler Publikums hatte Jürgens mit ihrem Team die Preise für das Glücksrad angehoben. „Zuletzt haben wir ein und zwei Euro verlangt. Diesmal kostet einmal Drehen fünf Euro, dreimal Drehen zehn“, sagte die Zahnärztin. „Wir möchten, dass ordentlich Geld für die Kinderhilfsprojekte zusammenkommt. Wir rechnen mit 8000 bis 10.000 Euro.“
Für Jürgens ist es selbstverständlich, Menschen, denen es nicht so gut geht, unter die Arme zu greifen. „Uns widerfährt so viel Gutes, wir haben so ein schönes Leben in Deutschland. Da sollte man etwas von seinem Glück zurückgeben“, meinte sie. „Unsere Spenden fließen in Projekte in Düsseldorf, damit es mehr Düsseldorfern gut geht.“
Neben dem Glücksrad der Zahnärztin stand ein großer gelber US-amerikanischer Schulbus. Er gehört der International School on the Rhine (ISR) in Neuss. Die ISR betreibt seit einigen Jahren auch einen Kindergarten in Niederkassel und wird demnächst im früheren Gebäude des Comenius-Gymnasiums eine Grundschule eröffnen. „Wir sind nicht zum ersten Mal beim Luegallee-Fest dabei“, sagte ISR-Kindergartenleiterin Raduca Ghica. „Aber diesmal suchen wir erstmals nach Schülern für die neue Grundschule. Dann müssen die Kinder, die unseren Kindergarten verlassen, nicht mehr nach Neuss, sondern können im linksrheinischen Düsseldorf bleiben.“