Beim 1. FC Köln wurde am Samstag nicht nur der 3:2-Erfolg gegen die TSG Hoffenheim als Segen empfunden, sondern auch die Tatsache, dass Said El Mala zu diesem Sieg lediglich ein einziges Tor beigetragen hatte. Dieser Klub hatte ja zuletzt den Eindruck erweckt, er werde demnächst in Dynamo El Mala oder Lokomotive Said umbenannt, weil der Personenkult um den 20 Jahren alten Noch-nicht-Nationalspieler ziemliche Ausmaße angenommen hatte. Nicht zuletzt hatten dazu auch die Klubmedien und das Klubmarketing beigetragen, indem sie vor zehn Tagen die Vertragsverlängerung des vielfach umworbenen Linksaußen mit viel Humor, aber auch einigem Prominenten-Pomp in die Welt getragen hatten.

Andererseits hatte es der Klub nicht in der Hand, die Medienpräsenz seines Spielers zu kontrollieren, der sogenannte Transfermarktjournalismus hat seine eigene Bühne geschaffen, der betroffene Fußballer braucht sich nicht mal zu äußern. Selbst ein ansonsten noch unbefangener Jung-Profi wie El Mala spürt seine eigene öffentliche Dauer-Gegenwart als Belastung. Auf die Frage, wie der Sommer für ihn gewesen sei, nachdem er ihn auf dem internationalen Transfermarkt verbracht hatte, gab El Mala am Samstag eine von Herzen kommende Antwort: „Sehr wild! Wilder als ich gedacht hätte“, erwiderte er.

1. FC Köln

:Die große El-Mala-Frage

Wechselt das Talent des 1. FC Köln in diesem Sommer zum BVB? Beim FC zweifeln die Verantwortlichen zunehmend daran. Denn je länger sich der Transfer hinzieht, desto mehr verschlechtert sich die Position seines aktuellen Klubs.

SZ PlusVon Philipp Selldorf

Sein Tor zum vorübergehenden 1:1 war die beste Form der Vergangenheitsbewältigung. Said El Mala spielt jetzt bekanntlich mit der Zehn auf dem Rücken, aber (noch) nicht mit der Umsicht des Spielmachers. Einige seiner couragierten Sololäufe gegen eine Überzahl von Hoffenheimer Verteidigern hätten vielleicht ein ergiebigeres Ende gefunden, wenn er den Ball zum Mitspieler geleitet hätte, statt um jeden Preis aufs Tor schießen zu wollen. Letzteres ist immer noch eher das Merkmal seiner ungeschliffenen Spielweise als ein Egoismus, der durch den Starkult entsteht.

Zugang Thijs Dallinga dreht das Spiel mit zwei Treffern

Dass er nach 65 Minuten mit muskulären Problemen den Platz verlassen musste, war wohl eher eine Folge seines forcierten Draufgängertums als eine Bedrohung für den Erfolg des FC. Gesundheitliche Sorgen sind erstmal nicht entstanden. El Malas Wochenendfreude wurde durch nichts getrübt, als er am TV-Mikro versicherte, er sei „überglücklich, hier zu sein“ – auf Kölner statt auf Dortmunder oder Leipziger Grund und Boden.

Das Scheinwerferlicht auf der Kölner Bühne gehörte darüber hinaus einem Spieler, der wahrscheinlich in weiten Teilen Deutschlands bisher nur Spezialisten bekannt gewesen ist. Der niederländische Zugang Thijs Dallinga drehte das Spiel mit zwei Treffern (72./82.), vor knapp zwei Wochen erst hatte der Klub den 26-Jährigen vom FC Bologna ausgeliehen. Dort steht seit Saisonbeginn Domenico Tedesco in der Verantwortung als Cheftrainer, und wer sich jetzt fragt, warum er so einen tollen Torjäger einfach gehen lässt – in der Serie A hatte Dallinga binnen zwei Spielzeiten bloß fünf Tore erzielen können.

In Köln habe der neue Angreifer schon im Training seine Qualitäten gezeigt, versicherte Trainer René Wagner: „In der Box ist er brandgefährlich.“ Einstweilen ist die Strafraum-Gefahr nur geliehen, im kommenden Sommer könnte er für zehn Millionen Euro fest in den Kader eingereiht werden. Die erste Kaufempfehlung kam von der Nummer Zehn höchstpersönlich. „Thijs ist ein super Junge. Der hat unglaubliche Qualitäten. Das hat man vom ersten Tag an gemerkt“, sagte Said El Mala.