Mit einem Jahr malte ihre Tochter wie jedes Kind mit Fingerfarben und Wasserfarben auf einem Kindertisch. Die Kleine fragte ihre Mama Carolin H. immer wieder, ob sie malen dürfte, wie sie der Redaktion erzählte. Als sie fast zwei Jahre alt war, überlegten Mama und Oma sich, mit ihr in ein Geschäft für Künstlerbedarf zu fahren, um ihr eine kleine Leinwand zu kaufen. Die Familie wohnt in der Südpfalz, die Eltern kommen aber aus Baden-Baden.

Doch die Kleine wollte keine kleine Leinwand. Sie bestand auf eine Leinwand, die größer war als sie selbst. So erzählte es die Mama Carolin H. der ka-news-Redaktion. Also fuhren Oma, Mama und Enkelin mit drei 80×100-Zentimeter-Leinwänden nach Hause. Ihre Mama habe sich damals schon gefragt, ob die Kleine überhaupt bis ans Ende der Leinwand kommt. Im Alter von zwei Jahren sind Kinder in der Regel nicht größer als 90 Zentimeter. Doch der Wunsch der fast Zweijährigen wurde erhört. Im Februar begann sie dann mit ihrem ersten Werk.

Sie weiß genau, welche Farben sie kombinieren möchte

„Beim ersten Werk hat sie sich beigebracht, wie sie Farben einsetzt“, sagt Carolin H. Die Mama erzählt, die kleine habe ganz genau gewusst, welche Farbtöne und welche Mengen sie aus den Acryltuben haben wolle. „Sie hat so oft gefragt, ob sie malen darf, dass wir ihr dann ein Atelier bei den Großeltern eingerichtet haben“, erzählt die Mama.

Das zweijährige Mädchen aus der Südpfalz erstaunt mit hochformatigen Acrylgemälden.

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Das zweijährige Mädchen aus der Südpfalz erstaunt mit hochformatigen Acrylgemälden.
Foto: Carolin H.

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Das zweijährige Mädchen aus der Südpfalz erstaunt mit hochformatigen Acrylgemälden.
Foto: Carolin H.

Seit ihrem ersten Werk im Februar habe ihr Tochter 13 hochformatige Bilder fertiggestellt – mehr als ein Gemälde pro Monat. Sie nutzt neben Bürsten, Schwämmen und Pinseln gerne auch mal ein Spielzeugauto zum malen. Die Mama benennt die Gemälde im Anschluss und fotografiert sie für ihre Website und für den eigens für ihre Tochter angelegten Instagram-Account. Vom 23. bis 25. Oktober stellt das zweijährige Mädchen die Gemälde auf der Ausstellung in Burg Stettenfels aus.

Kein „Krikelkrakel“, sondern Kunst

Kunst von Zweijährigen werde laut Carolin H. schnell als „Krikelkrakel“ abgetan. Deswegen habe sie dem Kurator bei der Vorführung der Werke erst einmal nicht erzählt, dass ihre Tochter so jung sei. „Der Kurator schätzte die Summe der Werte auf einen vierstelligen Betrag“, erinnert sich die Mama. Als sie ihm sagte, die Künstlerin sei erst zwei Jahre alt, habe er sie ungläubig angeschaut.

Auch auf Instagram, wo die Mutter den Entstehungsprozess der Werke dokumentiert, habe es Kaufinteressenten gegeben, die Beträge in ähnlicher Summe hätten zahlen wollen. Sie würde das Gesicht ihrer Tochter und den Wohnort streng geheim halten, so die Mutter. Tatsächlich ist die Frontalansicht der Kleinen nicht zu sehen, lediglich das Profil. Sie nutze Instagram auch, damit ihr die Menschen glauben, dass die Werke nicht von ihr selbst seien.

„Einen Fuß in der Tür haben“

Doch die Präsenz in den sozialen Medien sei wichtig, „um in der Kunstwelt einen Fuß in der Tür zu haben.“ Nach der Ausstellung sollen aber nicht alle 13 Werke verkauft werden – Lieblingsbilder und das Erstbild will die Mama behalten. Das künstlerische Geschick scheint in der Familie zu liegen. „Ich gewann als Kind in der Grundschule den europäischen Kunstwettbewerb und in dem Haus meiner Eltern hängen Aquarellgemälde meiner Mutter“, sagt Carolin H.