Auf einer Wahlkampfkundgebung der Linken Neukölln ist es am Samstagabend zu Gewaltaufrufen gegen den Staat Israel und Angehörige des israelischen Militärs gekommen.

Formuliert hat die Aussagen der auf Einladung der Linken aufgetretene Rapper Dahabflex. Kurz vor dem Ende der Versammlung präsentierte er den Song „Stop the Genocide“ (Stoppt den Völkermord). Darin heißt es unter anderem „Yalla Yalla Intifada – Westbank, Palästina, Gaza“ sowie „Death to the IDF“ (Tod der israelischen Armee).

Beide Slogans wurden von Dahabflex deutlich erkennbar und wiederholt vorgetragen. Sie gelten als klare Gewaltaufrufe gegen den Staat Israel, dessen Einwohner und Mitglieder der israelischen Streitkräfte (IDF).

Besucher tanzen zum Israelhass

Während des Songs tanzten zahlreiche, mehrheitlich jugendliche Besucher der Kundgebung und sangen den Text mit. Eine Palästina-Flagge wurde geschwungen, einzelne Besucher vermummten sich.

Elif Eralp spielt dabei das Feigenblatt.

Stefan Evers (CDU) attackiert die Linke-Spitzenkandidatin.

Noch während des Auftritts betrat Hermann Nehls, Co-Vorsitzender der Linken Neukölln, kurzzeitig die Bühne und machte Fotos. Eine Einordnung oder Distanzierung der Textpassagen erfolgte weder durch ihn noch ein anderes Mitglied der Linken Neukölln unmittelbar im Anschluss an den Auftritt.

Am Sonntag erklärte Nehls: „Der Song gehörte nicht zum vorher mit uns abgesprochenen künstlerischen Programm und wurde am Ende der Veranstaltung spontan aufgeführt.“ Es sei „völlig klar, dass Aufrufe zu Gewalt gegen Personen nicht gehen – weder in Liedtexten noch in anderer Form.“ Die Linke Neukölln werde den Abend „nun intern aufarbeiten“

SPD-Spitzenkandidat Krach: „Lackmustest, wo Linke steht“

Ebenfalls am Sonntag äußerten sich die Spitzenkandidaten von CDU, Grünen und SPD zu dem Vorfall. „Antisemitismus ist bei der Berliner Linkspartei längst kein Ausrutscher mehr, sondern Teil ihres politischen Systems. Elif Eralp spielt dabei das Feigenblatt“, erklärte Stefan Evers (CDU) mit Bezug auf die Spitzenkandidatin der Berliner Linken, die in Neukölln aber nicht anwesend war. Evers forderte Grüne und SPD auf, eine Zusammenarbeit mit der Linken auszuschließen.

Werner Graf von den Grünen sagte: „Aufrufe zur Gewalt und die Infragestellung des Existenzrechts Israels sind niemals akzeptabel. Die Linken-Spitze um Elif Eralp muss unmissverständlich klarmachen, dass auch sie dergleichen nicht hinnimmt, schon gar nicht als Teil des Linken-Wahlkampfes. Ich erwarte hier eine klare Distanzierung. Alles andere lässt daran zweifeln, ob diese Linke in Berlin überhaupt regieren kann und will.“

Steffen Krach, Spitzenkandidat der Berliner SPD, erklärte: „Ich finde es unerträglich, dass die Linke auf ihrer Wahlkampfveranstaltung Israelhass eine Bühne geboten hat. Ich erwarte jetzt nicht nur Worte, sondern das entschlossene Handeln, das Spitzenkandidatin Eralp selbst immer versprochen hat. Das ist jetzt der Lackmustest, wo die Linke Berlin steht.“

Linke-Spitzenkandidatin Eralp: „Absolut inakzeptabel“

Eralp äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorfall. An ihrer Stelle erklärte Landeschefin Kerstin Wolter, sie sei „stinksauer über den Liedtext, der dort offenbar gesungen wurde“. Ein Aufruf zur Tötung von Zivilisten und Soldaten „geht gar nicht“, sagte sie und forderte von der Linke Neukölln Aufklärung und „Konsequenzen“.

Später bezog Eralp dann doch Stellung. „Wie meine Parteivorsitzende Kerstin Wolter verurteile ich den Auftritt in Neukölln aufs Schärfste. Aufrufe zur Gewalt und zur Tötung von Menschen sind absolut inakzeptabel“, teilte sie am Nachmittag der Deutschen Presse-Agentur mit. „Ich bin entsetzt, die Verantwortlichen hätten sofort intervenieren müssen.“

Eralp erklärte weiter: „Der Bezirksverband Neukölln hat den Sänger eingeladen, ich erwarte, dass dort aufgeklärt wird, wie es zu so einer Grenzüberschreitung kommen konnte, und dass es Konsequenzen gibt. Ich stehe klar für den Schutz von jüdischem Leben und gegen jede Form von Antisemitismus.

Dahabflex-Song klarer Aufruf zur Gewalt

Der Begriff „Intifada“ heißt wörtlich „abschütteln“, bezeichnet aber vor allem die gewaltsamen und auf beiden Seiten tödlichen Aufstände der palästinensischen Bevölkerung gegen die israelische Besatzung in den Jahren 1987 bis 1993 (erste Intifada) und 2000 bis 2005 (zweite Intifada).

Durch Attacken und Selbstmordanschläge wurden dabei mehr als 1000 Israelis getötet. Die Zahl der durch das israelische Militär getöteten Palästinenser lag um ein Vielfaches höher. Kombiniert mit dem Aufruf „Yalla“ – arabisch für „Los“ oder „Los geht’s“ – stellt die Parole einen eindeutigen Gewaltaufruf dar.

Linke spricht von 1000 Gästen in Neukölln

Der Auftritt des wegen seiner politischen Statements und Texte umstrittenen Rappers – Dahabflex bezieht sich etwa positiv auf die palästinensische Terrororganisation PFLP – war Teil einer Kundgebung unter dem Titel „Wütend auf den Kapitalismus“. Diese hatte der Theaterregisseur Volker Lösch gemeinsam mit der Linken organisiert.

Neben den Auftritten von Dahabflex und der Rapperin Antifuchs gab es von Lösch moderierte Gespräche mit Kandidierenden der Linken in Neukölln und Treptow‑Köpenick. Daneben traten zahlreiche Akteure aus der Zivilgesellschaft auf, unter anderem Deborah Feldman und Matthias Lilienthal, Intendant der Berliner Volksbühne. Parteiangaben zufolge besuchten rund 1000 Menschen die Kundgebung.

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Innerhalb der Berliner Linken gilt der Neuköllner Kreisverband wegen seiner Position zum Krieg im Nahen Osten als problematisch. Immer wieder hatten Vertreter und Mandatsträger mit Israelkritik auf sich aufmerksam gemacht, den Vorwurf des Antisemitismus aber weit von sich gewiesen.

Als besonders exponiert gelten dabei der Bürgermeisterkandidat Ahmed Abed sowie der 2025 direkt in den Bundestag gewählte Ferat Kocak. Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Berliner Linken für die Abgeordnetenhauswahl, hatte den Vorwurf des Antisemitismus gegen Mitglieder der Partei zuletzt stets zurückgewiesen.