Bielefeld. Eine Windböe entschied das Rennen im letzten Moment. Europameister Luca Harter mit Schrittmacher André Dippel aus Bielefeld gewannen den 15. Internationalen Steher-Cup denkbar knapp vor Reinier Honig/René Kos aus den Niederlanden und André Hagen/Udo Becker aus Heidenau in einem hart umkämpften Rennen.
Der Steher-Cup startete mit einer Neuerung. Üblich ist es, dass die Startreihenfolge der Fahrer ausgelost wird. Renndirektor Stefan Klare hatte für dieses Rennen aber eine neue Idee. Ein Qualifikationsrennen. Jedes Gespann sollte einzeln auf die Bahn und hatte dann vier Vorbereitungsrunden, um auf Geschwindigkeit zu kommen. Die darauffolgende fünfte Runde wurde gestoppt. Das schnellste Gespann startete so von der ersten Position ins Rennen.
Diese Regelung sorgte bei den Steherfans für Begeisterung, da man so jedes Gespann in Ruhe beobachten konnte. Die Unterschiede zeigten sich schnell. Während einige Schrittmacher eher zu zaghaft den Gashahn aufdrehten und nicht alles möglich machten, überzogen andere und verloren dabei ihren Fahrer aus dem so wichtigen Windschatten.
Bahnradsport: Bielefelder André Dippel wird Steher-Europameister und holt EM-Doppel
Der Wind wird früh zum Faktor
Siegerehrung beim 15. Internationaler Stehercup: Schrittmacher André Dippel und Luca Harter auf Platz eins.
| © Peter Unger
Schon hier merkten Aktive wie Zuschauer: Der böige Wind würde noch eine wichtige Rolle spielen. Nur ein einziger Fahrer überzeugte mit einer blitzsauberen und sehr schnellen Runde. Reinier Honig gewann die Qualifikation mit 15,7 Sekunden und damit fast einer Sekunde Vorsprung auf André Hagen und Luca Harter.
Bevor das Rennen begann, ehrte das heimische Publikum die neuen Europameister. Stolz präsentierten diese das weiße Trikot mit dem sternenbesetzten blauen Brustring. Dann ging es in den ersten Lauf über 75 Runden/25 Kilometer. Die Gunst des ersten Startplatzes nutzte Honig hier nicht konsequent aus. So übernahm schnell Moritz Kaase hinter Matthias Acker vom ausrichtenden RZ Zugvogel den ersten Platz.
Kaase und Kaminski mischen vorne mit
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Kurz darauf zeigte sich auch das neue Bielefelder Gespann Paul Kaminski/Andreas Hildebrandt das erste Mal an der Spitze des Rennens. Munter griffen die beiden Gespanne sich mehrfach an und gestalteten das Rennen unter sich. Als die Favoriten zur Rennhälfte das Tempo erhöhten, war das Intermezzo schnell vorbei. Während sich Kaase noch auf Platz fünf hielt, fiel Kaminski bis auf den achten Platz zurück.
Nun diktierten Jakub Filip und später Reinier Honig das Tempo. Kurz vor Ende des Rennens startete Luca Harter seinen Angriff auf die Spitze des Rennens, musste sich aber knapp dem Niederländer geschlagen geben. Der Tscheche Filip kam auf Platz drei ein, während sich André Hagen aus Heidenau auf Platz vier wiederfand.
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Im zweiten Lauf fällt die Entscheidung
Damit standen die vier Favoriten für den zweiten Lauf fest. Über 105 Runden/35 Kilometer sollte die Entscheidung um den Gesamtsieg fallen. Der aufgefrischte Wind überraschte die Fahrer immer wieder mit Böen aus verschiedenen Richtungen. Mit den schwierigen Bedingungen kamen nicht alle Gespanne gut zu Recht.
Wieder gelang es Moritz Kaase schnell, die Spitze zu übernehmen. Dieses Mal hielt er sich länger dort und konnte Platz eins bei mehreren Angriffen absichern. Im zweiten Renndrittel übernahm der zweite Fahrer aus Tschechien, Oldrich Novotny, ruhig und besonnen geführt von Holger Ehnert aus Chemnitz die Führung. Dahinter belauerten sich die Favoriten. Keiner wollte bei diesen Windbedingungen seine Kräfte zu früh verpulvern.
Dippel und Harter überraschen mit einer frühen Attacke
Reinier Honig war dann der erste, der das Heft in die Hand nahm und an die Spitze zig. Nun zeigte sich, dass Jakub Filip Probleme hatte und von der Rolle kam. Kurze Zeit später traf dies auch seinen Landsmann Novotny. In diesem entscheidenden Lauf wartete Schrittmacher André Dippel (ebenfalls RZ Zugvogel Bielefeld) nicht bis zum allerletzten Moment, sondern attackierte mit Luca Harter deutlich früher und überraschte damit den Niederländer Honig. Auch André Hagen versuchte den Niederländer zu passieren, aber der wehrte den Vorstoß ab.
So lief es in den letzten Runden auf das Duell zwischen Harter an der Spitze und Honig dahinter raus. Honig attackierte noch einmal, schaffte es, sich neben Harter zu schieben. Doch dann passierte es selbst dem Altmeister. Bei Höchstgeschwindigkeit erwischte ihn eine Böe, und er verlor kurz die Rolle. Bei nur noch einer Runde zu fahren war das die Entscheidung. Harter raste als Erster ins Ziel, gefolgt von Honig und Hagen.
In der Addition der Platzziffern lagen nun Harter und Honig gleichauf, doch der letzte, längere Lauf entschied zugunsten von Harter. André Hagen wurde Gesamtdritter. Er verdrängte den Tschechen Filip, der sich im zweiten Lauf noch hinter Kaase mit Platz fünf begnügen musste. Knapp 800 Steherfans feierten die Sieger und Platzierten im letzten Rennen dieses Jahres in Bielefeld.
