Berlin – Gratis-Shots am Eingang, Autoscooter zwischen den Konzerten und auf der Bühne die Rapper, mit denen eine ganze Generation groß geworden ist: Beim „Klassentreffen Festival“ auf dem Zentralen Festplatz feierten rund 15.000 Fans eine Reise zurück in die goldenen Zeiten des Deutschraps.
Der Name war Programm. Vor den Bühnen standen vor allem Fans in ihren 30ern, 40ern und 50ern. Menschen, die mit Aggro Berlin, Optik Records und den großen Deutschrap-Hymnen der Nullerjahre aufgewachsen sind. Eko Fresh brachte es auf den Punkt: „Was für ein geiles Festival! Wo andere nicht reinkommen … Ü30, Mann!“ Die Menge jubelte.
Musikalisch reichte die Zeitreise von Hip-Hop-Pionieren wie Torch, Toni-L, Curse, den Stieber Twins und Cora E bis zu den großen Stars der Nullerjahre. Die Flying Steps sorgten mit ihrer Breakdance-Show zusätzlich für Nostalgie.

Lichteffekte machten die Show perfekt
Foto: Redferns
Eko Fresh brachte Köln-Kalk nach Berlin. Gemeinsam mit Kool Savas performte er die Klassiker „Optik Anthem“ und „Deutschlands 1“. Für viele Fans war das mehr als nur ein gemeinsamer Auftritt. Schließlich haben die beiden Rapper nicht nur zusammen Musikgeschichte geschrieben, sondern sich einst auch einen der bekanntesten Beefs des deutschen Hip-Hops geliefert.
Kool Savas sorgte später für den emotionalsten Moment des Festivals. Der Rapper verabschiedete sich von seinem langjährigen DJ-Kollegen, der vor wenigen Wochen überraschend aus dem Leben gerissen wurde. Während seiner Ansprache kämpfte Savas sichtbar mit den Emotionen. Immer wieder stockte seine Stimme, Tränen standen ihm in den Augen. Auf dem ansonsten ausgelassenen Festival wurde es plötzlich still.
Nach den emotionalen Minuten holte Savas badmómzjay auf die Bühne. Mit der Berliner Rapperin holte er eine Vertreterin der neuen Deutschrap-Generation auf das Festival. Gemeinsam performten die beiden den Song „Deine Mutter“. Der Auftritt kam für viele Besucher völlig überraschend.
Den Abschluss des Abends übernahm schließlich Sido. Mit Kitty Kat brachte er einen weiteren Überraschungsgast auf die Bühne. Gemeinsam performten die beiden den Aggro-Berlin-Klassiker „Strip für mich“. Die Menge feierte die unerwartete Reunion frenetisch. Später schaute auch B-Tight noch vorbei und machte die Zeitreise in die frühen Aggro-Jahre perfekt.
Bei seinem Song „Liebe“ kletterte Sido über die Wellenbrecher und mischte sich mitten unter seine Fans. Kurz vor Schluss blickte er in die Menge und musste grinsen. Den Anblick kommentierte er trocken: „Keine Zahnspangen glitzern mich an.“
Mit „Astronaut“ endete das offizielle Set. Doch nach Hause wollte niemand. Immer wieder erklang vor der Bühne das legendäre „Da-da-da-da“. Die Fans wollten nur noch eins hören: den berüchtigten „Arschficksong“. Schließlich ließ sich Sido überzeugen. Zum Abschluss spielte er tatsächlich noch den Kult-Hit aus seinen frühen Aggro-Berlin-Tagen. Tausende Fans grölten jede Zeile mit.
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