Eines steht fest: Schützenkönigin Daniela I. (Kempen) wird nicht als „Sonnenkönigin“ in die Geschichte der Anrather St.-Sebastianus-Bruderschaft eingehen: Am Samstag hatte wegen der Regens die Eröffnungsparade nach der Festmesse ausfallen müssen. Das konnte die gute Stimmung aber kaum trüben. Zum Schützenfest-Freitag gehört unter anderem der Sternzug von Kneipe zu Kneipe. Drei Kneipen waren geöffnet, in jeder wurde ein Bier getrunken.

Die Zahl der Security-Mitarbeiter war auf fünf aufgestockt worden. Der Grund: In den vergangenen beiden Jahren waren Unruhestifter auf den Kirmesplatz bekommen, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Diesmal wurde endlich mal wieder friedlich und unbeschwert gefeiert. „Wir fühlen uns besser, wenn ihr da seid“, erklärte Präsident Alexander Oerschkes den Sicherheitsleuten. Ob er sich bald besser fühlen wird? Am Samstagabend verkündete das Schützen-Urgestein, dass ihm die Ankündigung schwerfalle. Aber aus gesundheitlichen Gründen würde er auf der Mitgliederversammlung im November sein Amt gerne abgeben.

Und er zog schon jetzt eine positive Bilanz: „1993 begann meine erste Präsidentschaft. Und ich habe fast alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte.“ So konnte binnen vier Jahren der Altersdurchschnitt in der Bruderschaft um knapp zehn Jahre reduziert werden. Aktuell ist der ehemalige Schützenkönig und das Ehrenmitglied Bernd Straeten mit seinen 79 Jahren der älteste aktive Schütze im Regiment.

Was die Anrather Schützen ebenfalls auszeichnet, ist ihr hoher Frauenanteil: Schon zum fünften Mal stellt die Bruderschaft mit Daniela Kempen die Schützenkönigin. Ex-Königin und jetzt eine der beiden Ministerinnen Natascha Hermann ist die Tochter von Alexander Oerschkes. Er äußerte jetzt folgenden Wunsch: „Ich würde mich freuen, wenn wir im November zum ersten Mal eine Präsidentin bekämen.“ Er wünscht sich aber auf jeden Fall eine jüngere Person.

Im Zelt überzeugte neben DJ Yeti auch die Band Good Vibes. Im Zelt war an allen Tagen schwer was los, und das im positiven Sinne. Bis ein Uhr nachts darf im Anrather Schützenfest gefeiert werden. Der Schützenplatz bietet nach der Umgestaltung vor einigen Jahren nur noch Raum für ein Fahrgeschäft – es ist ein sehr großes und sehr schönes Kinderkarussell. Ansonsten vermisste man nichts auf dem Festplatz. Gelobt wurde die Art und Weise, wie der neue Generaloberst Jürgen Mews sein Amt ausübt. Er hatte es von Rolf Kater übernommen.

Kein Schützenfest ohne Ehrungen und Auszeichnungen – außerdem gab es eine Beförderung: Heike Gkana ist jetzt Adjutantin. Bezirksbundesmeister Mike Kunze war aus Lank-Latum mit einigen Auszeichnung im Gepäck nach Anrath gekommen: Er verlieh Bernd Paasch das Silberne Verdienstkreuz und Guido Kocks den Hohen Bruderschaftsorden. Einige der Verdienste von Bernd Paasch: Er war Königsoffizier, gehörte mehr als zehn Jahre dem Bruderschaftsvorstand an und war Kassierer bei den Schwarzen Husaren. Dafür gab es aus den Reihen der Zeltbesucher reichlich Applaus. Guido Kocks gehört seit 26 Jahren den Schwarzen Husaren. Das Silberne Verdienstkreuz war dem langjährigen Schießmeister der Bruderschaft bereits im Jahre 2009 verliehen worden.

Im vergangenen Jahr hatte sich Daniela Kempen entschlossen, zum zweiten Mal den hölzernen Königsvogel von der Stange zu holen, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass es keinen Mitbewerber beziehungsweise keine Mitbewerberin geben werde. Auch jetzt hat sich noch niemand als Königsbewerber geoutet. Man darf also gespannt sein auf das, was am Montag um 18.30 Uhr geschehen wird. Wenn sich jemand findet, wird die Kandidatin oder der Kandidat die Treffsicherheit an einer neuen Location unter Beweis stellen können: Den mobilen Schießstand, der sich gegenüber dem alten Schießstand befindet, hat die Stadt für zehn Jahre gepachtet.