Bielefeld/Nürnberg. Nach dem Spiel wurde ich gefragt, ob ich meinen Text jetzt sofort schreibe, ich schüttelte den Kopf. Denn all das, was darin kreiste, wäre nicht zu veröffentlichen gewesen. Nur so viel, es war eine obskure Mischung aus tiefster Enttäuschung, einer Prise Kopfschütteln und dieser einen Szene des Spiels. Es war der Moment, als Benjamin Boakye aus gar nicht so schlechter Position zu einem Torschuss ansetzte und es dann Einwurf für Nürnberg gab. Kann mal passieren? Durchaus, aber es ist dann auch ein Zeichen von technischem Qualitätsmangel. Leider hat er das nicht exklusiv in der Mannschaft des DSC im Spätsommer dieses Jahres.
Wenn der rheinländische Familienteil zum Kindergeburtstag einlädt und ein Kindergartenkind beim Kirchweihfest mit anschließender Kirmes in das Prozedere eingebunden ist, bleibt statt der Auswärtsfahrt nur noch der Fernseher. Und ich war schon die ganze Woche aufgeregt. Immer noch kein Vollzug in Sachen Neuverpflichtungen oder wenigstens Leihe eines Topstürmers aus der iranischen Liga oder wenigstens ein neuer Doan.
Als dann bei dieser Kirchen-Kirmes-Eröffnungsveranstaltung (kein Witz!) eine männliche Figur aus Stroh am Kirchturm hochgezogen wurde wie aufgehängt, wusste ich nicht so recht, was ich a) davon halten sollte und b), ob das irgendeine Vorbedeutung für das abendliche Arminia-Spiel haben würde. Es hat mich auch noch beschäftigt, wie diese Figur da an der Kirche hing und all diese Kindergartenkinder fröhlich dabei waren.
Der Fall Mohamed Ali Zoma zeigt Arminia, wie es gehen könnte
Der DSC ist natürlich noch nicht im Zustand eines Delinquenten, aber so einige Äußerungen in den Foren und unter Mit-Arminen lassen es fast schon so erscheinen. Und der oben erwähnte Qualitätsmangel, der sich (aktuell?) durch die Mannschaft zieht, ist so offensichtlich, dass selbst der größte Arminia-Optimist eine kurzfristige Verbesserung der Gesamtsituation kaum zu sehen vermag. Und schon wird auch über den Trainer diskutiert.
Einigen wird das als logische Konsequenz erscheinen, aber ich bin mir sicher, dass er niemandem verbietet, Richtung Tor zu schießen. Und Spieler wie Nürnbergs Zoma, der aufgrund zweier Staatsangehörigkeiten (und natürlich ob seiner Leistungen) als italienischer Nationalspieler gehandelt wird, darf den „Club“ nicht verlassen. Und das, obwohl scheinbar Vereine bereit sind, eine Ablösesumme zu zahlen, die den Gesamtwert aller Arminia-Spieler übersteigt. Jaja, das liebe Geld.
Dieser Mohamed Ali Zoma wechselte vor einem Jahr mit 21 Jahren für 800.000 € vom italienischen Mittelklasse-Drittligaverein UC AlbinoLeffe nach Franken. Herr Mutzel, das ist eine Verzehnfachung des Spielerwertes. Und wenn tatsächlich jemand jetzt 20 Millionen zahlen wollte – ach, rechnet bitte die Rendite selbst aus. Ich muss mal mit meiner Beraterin meines Geldinstituts ein ernstes Wort sprechen.
Alles nur leere Worthülsen?
Diese Schlagworte wie Ausbildungsverein, Ablösesummen generieren und so weiter sind leere Worthülsen, wenn das nicht auch häufiger als nur einmal (Louis Oppie zum FC St. Pauli) gelingt. Wohlgemerkt mit einem deutlichen Gewinn und nicht nur einer kleinen Ausbildungsvergütung. Und wenn es stimmen sollte, dass einem Spieler sogar ein Handgeld gegeben worden sein soll, wenn er Arminia verlässt, hat der Fan Mühe, den Mund wieder zuzumachen.
Also hoffen wir doch jetzt auf einen Spieler, der fast kostenfrei zu uns wechseln mag, oder aus der eigenen Jugend stammt und uns erst 15 Tore schenkt und dann für eine hohe Ablösesumme abgegeben wird.
Wie schön es doch wäre, gäbe es in Bielefeld und Umgebung namhafte und international operierende Unternehmen, die bereit wären, da mal so viel Geld reinzupumpen, wie notwendig wäre, um einen ungefährdeten achten Platz in der zweiten Liga belegen zu können. Zu viel Konjunktiv? Ja, leider. Auf der anderen Seite waren im Indikativ drei von vier Spielen in dieser Spielzeit nicht gut. Es gibt in der Liga aber noch 31 Spiele. Hoffen wir auf bessere Zeiten. Und ehrlicherweise müssen wir auch feststellen: Es war schon deutlich schlimmer!
Euer Armine von der Süd!