Stand: 27.08.2026 06:13 Uhr
In den Zoo Hannover sind zuletzt neue Riesenschildkröten einzogen. Anlass darüber nachzudenken, ob Zoos überhaupt noch zeitgemäß sind. Was denken Sie dazu? Stimmen Sie hier ab.
Bei der Geburt süßer Tierbabys oder wenn eine neue Tierart einzieht, sorgen Zoos regelmäßig für Schlagzeilen. Wie zuletzt beim Einzug der Aldabra-Riesenschildkröten in den Zoo Hannover. Eine vom Aussterben bedrohte Tierart, die der Zoo nun züchten möchte. Aber es gibt auch Stimmen, die sagen, dass Zoos nicht mehr zeitgemäß sind. Darüber diskutieren heute Yannic Wittenberg und Lena Kümmel.
Sind Zoos noch zeitgemäß

„Lernen funktioniert immer am besten, wenn man etwas selbst sieht und spürt – wenn man Dinge selbst erlebt! Dass zum Beispiel Elefanten in ihren natürlichen Lebensräumen bedroht sind, können Kinder am besten verstehen und verinnerlichen, wenn sie die sanften Riesen mit ihren eigenen Augen sehen – auf eine gewisse Art bauen sie so eine Beziehung zu den Tieren auf.
Und wenn man eine Beziehung zu etwas hat, dann möchte man es schützen.
Genau deshalb werden Zoos und Tierparks immer zeitgemäß bleiben – sie sind wichtige Lernorte!
Die große Mehrheit der Deutschen befürwortet sie: In einer Forsa Umfrage 2020 waren es 82 Prozent. Etwa genauso viele sagten in der Befragung, dass Zoobesuche ihre Wertschätzung für Tiere und die Natur vergrößert haben. Und deutsche Zoos investieren auch konkret in Schutzprojekte überall auf der Welt – laut dem Verband zoologischer Gärten immerhin 59 Millionen Euro in den letzten fünf Jahren. Nein, Zoos sind nicht nur ein Familienspaß am Wochenende – es braucht sie – heute vielleicht sogar mehr denn je!

„Dass Zoos wichtig für Bildung sind, ist doch ein völliger Irrglaube. Was Kinder in Zoos wirklich lernen: gestörte Tiere normal zu finden. Dabei müssen Kinder keine eingesperrten Tiere sehen, um fasziniert zu sein – sie lieben auch Dinosaurier, ohne je einen echten T-Rex gesehen zu haben! Und mal ehrlich: Was soll man über die Tiere im Zoo denn lernen? Wie sich verhaltensgestörte Tiger den ganzen Tag in ihrem viel zu kleinen Gehege hin und her bewegen?
Zoos sind in erster Linie ein Wirtschaftsunternehmen. Sie züchten süße Baby-Tiere, um Besucher anzulocken. Aus Platzmangel werden dann oft auch gesunde oder gefährdete Tiere getötet – letztes Jahr beispielsweise zwölf Paviane im Nürnberger Zoo. Nur ein Bruchteil der Zoos wildert bedrohte Tierarten wirklich aus – außerdem: Wie soll denn ein Löwe in freier Wildbahn überleben, wenn er das Jagen nie gelernt hat? Echter Artenschutz findet vor Ort in der Natur statt, nicht hinter Gittern. Und wer Tiere hautnah erleben will, besucht lieber eine Auffangstation oder einen Lebenshof, bei denen es nicht um Profit geht.“

Vor 18 Jahren mussten die Tiere den Zoo verlassen. In der Zwischenzeit wurde ein neues Warmhaus gebaut, in das sie nun einziehen.

Insgesamt leben im Zoo Hannover 1.779 Tiere, es gibt 164 Arten. Die Inventur ist wichtig für den internationalen Artenschutz.