Nach mehr als drei Monaten kompletter Sportpause und einer Handverletzung feierte Anne-Katrin Reinl beim Ironman 70.3 in Duisburg ein überraschend starkes Comeback. Erst im Juni konnte sie wieder mit Radfahren und Laufen beginnen, im Juli folgte das Schwimmtraining. Nur wenige Wochen später stand sie auf dem Podium – doch der Renntag endete im Krankenhaus.

Die Anspannung vor dem Start war riesig. Nach so langer Pause weiß man schließlich nicht, wo man steht. Vor allem das Schwimmen war eine große Unbekannte: Die verletzte Hand war im Training noch längst nicht wieder voll belastbar. „Ich wollte einfach Freude haben, das Rennen genießen und am Ende schauen, was dabei herauskommt“, sagt Reinl. Schon die Startnummer 11 – ihre Lieblingszahl – sorgte für ein erstes gutes Gefühl. Und tatsächlich lief das Rennen zunächst besser als erwartet.

Die 1,9 Kilometer Schwimmen absolvierte Reinl in 35:54 Minuten. Danach folgte allerdings der erste Schreckmoment: Beim Herauslaufen aus der Wechselzone kollidierte sie mit einem anderen Athleten. Ihr Fahrrad fiel um, das Kettenblatt schnitt sich dabei in ihren Knöchel. Der Fuß blutete stark. Trotzdem stieg Reinl aufs Rad. „Ich habe versucht, darüber einfach nicht weiter nachzudenken und ins Rennen zu kommen“, erzählt sie. Das funktionierte erstaunlich gut, denn die 90 Kilometer absolvierte Reinl in 2:23:41 Stunden bei einem Schnitt von 37,2 Stundenkilometern – die zweitschnellste Radzeit ihrer Altersklasse.

Auch beim anschließenden Halbmarathon hielt die Wülfratherin das Tempo. Erst auf der letzten Runde rund um die Regattabahn wurden die Schmerzen im Fuß stärker. Nach 1:35:50 Stunden war auch der Lauf geschafft – mit der schnellsten Laufzeit ihrer Altersklasse.

Anne-Katrin Reinl konnte kaum glauben, was sie gerade geschafft hatte: Platz 2 in ihrer Altersklasse, Rang 10 im gesamten Frauen-Feld – mit dieser Leistung ergatterte sie sogar einen Startplatz für die Ironman 70.3-Weltmeisterschaft, die 2027 in Chattanooga steigt. Den Slot, also das Teilnahmerecht, nahm sie diesmal nicht an. Trotzdem war das Ergebnis für die Wülfratherin nach der kurzen Vorbereitungszeit eine nicht eingeplante Überraschung.

Doch dann nahm der Tag für Anne-Katrin eine bittere Wendung. Denn einfach vom medizinischen Dienst im Zielbereich ein Pflaster auf die Wunde kleben lassen, reichte nicht. Die war noch immer offen und musste desinfiziert, gespült und genäht werden. Erst danach ging es zur Siegerehrung. Natürlich ohne Dusche – „und plötzlich war da keine Freude mehr“, so Reinl.

Statt Stolz und Glück kamen Enttäuschung und die Sorge, erneut verletzungsbedingt ausgebremst zu werden. Eine Pause und Geduld diktieren nun das Training. Dabei steht das nächste große Ziel bereits fest: Am Samstag, 12. September, geht es nach Nizza zur Ironman 70.3-WM 2026. Für diese Titelkämpfe ist Reinl schon länger qualifiziert. Ob der lädierte Fuß rechtzeitig wieder belastbar ist, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Das Comeback hätte kaum besser laufen können – einzig die Schnittwunde trübte die Freude.